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WAI TAN YI SHI  外滩轶事 ("The Bund 1843-1945")
Doku-Spielfilm von Zhou Bing, China 2010. Mit Hao Guang, Jin Shijie, Xu Weining, Dave Earl. 86 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Keine Straße in China verkörpert die jüngere Geschichte des Landes so eindrucksvoll wie der Shanghaier Waitan (外滩),mit seinem persisch-indischen Namen "Bund" genannt. Blickt man in Höhe der Nanjing Road von der Uferpromenade des Huangpu nach Westen, sieht man das architektonische Dokument imperialistischer Kolonialgeschichte: eine Straßenfront wie an der Londoner Themse, zudem mit dem Klang des Big Ben, den die Glocken des einstigen Zollgebäudes alle Viertelstunde hören lassen. Wendet man sich nach Osten, sieht man in Pudong (= "östlich vom Huangpu") das grandiose Panorama der spektakulärsten Wolkenkratzer Chinas, vom Fernsehturm über den Jingmao Tower zum World Financial Center, das jetzt schon überragt wird vom Shanghai Tower, der demnächst mit 632 Metern weltweit das zweithöchste Gebäude sein wird.
Der Doku-Spielfilm von Zhou Bing erzählt die Geschichte dieser Schlagader des neueren China, in deren besten Zeiten 80 Prozent des gesamten chinesischen Finanzkapitals hier versammelt waren. Die Geschichte beginnt bei Robert Hart, der über 40 Jahre lang für den Qing-Kaiserhof die Zolleinnahmen organisierte, und zwar so effizient, dass diese zuletzt fast ein Drittel der gesamten Einnahmen des Qing-Hofes generierten. Erzählt wird der Aufstieg der "Compradoren" und der Geheimorgansisationen wie der des Du Yuesheng, aber auch der ersten Filmgesellschaften und ihrer Stars wie Zhou Xuan oder der Sino-Japanerin Li Xianglan.
Dann, der Einmarsch der Japaner, bald darauf die Ankunft der jüdischen Flüchtlinge; schließlich das Ende der Guomindang-Regierung. Der Film kombiniert seltene Original-Aufnahmen (wie die ersten Edison-Filmszenen oder deutsch untertitelte Reportagen der Hinrichtungen nach der Revolution von 1927) mit nachgespielten Szenen, in denen die wichtigsten Episoden der jüngeren Shanghaier Geschichte dargestellt werden – und mit ihnen die neuere Geschichte Chinas überhaupt.

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Wan Wu Sheng Zhang 万物生长 ("Ever Since We Love")
Drama von Li Yu 李玉, China 2015, nach dem gleichnamigen Roman von Feng Tang. Mit Fan Bingbing 范冰冰, Han Geng 韩庚, Qi Xi 齐溪, Li Meng. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Die 1973 geborene Regisseurin Li Yu ist im Westen zuerst mit Fish and Elephant (今年夏天, 2001) bekannt geworden, wozu die Vermarktung als "Chinas erster Film über eine lesbische Beziehung" sicherlich beitrug. Mit Lost in Beijing (苹果, 2007) schien sie ihren Ruf als eine Art Avantgarde-Regisseurin zu bestätigen. In der Tat gelingt es ihr, Filme zu drehen, die zwar kommerziell erfolgreich sind, aber dennoch (wichtig für Cineasten und westliche Festivals) nicht ganz auf einen Anstrich von Individualität und Filmkunst verzichten. Das gilt auch für ihren neuen Film Ever Since We Love.

Im Mittelpunkt steht als Ich-Erzähler der junge Qiu Shui, gespielt von dem in China und Südkorea bekannten Popsänger Han Geng. Auch dies ist einer jener Filme, in denen erwachende Sexualität, erste Liebschaften und Erwachsenwerden im Rahmen eines Universitätsstudiums gezeigt werden. Hier ist es das Medizinstudium an einer Pekinger Uni in den frühen 90er-Jahren. Es beginnt damit, dass ein Glasbehälter mit einem Dutzend Schädel (vermutlich in Formalin eingelegt) zerbirst. So wenig realistisch wie diese Szene ist im Film leider die gesamte Ausbildung: Medizin ist hier, anders als in der Romanvorlage, kaum mehr als eine Fassade, vor der sich in hektischen Schnitten eine Abfolge von Flirten und lärmenden Scherzen abspielt. Reale Probleme realer Patienten tauchen nicht auf. Es gibt auch keine Diskussion über Ethik und Geld in Chinas Medizin, und die einzige Fachdiskussion dreht sich um die Frage, welches Gehirnareal für die sexuelle Erregung zuständig ist.
Aber es geht Li Yu offenkundig gar nicht um Medizin, sondern um Beziehungskonflikte. Konkret sind das vor allem die drei Frauen in der erotischen Entwicklung des jungen Qiu Shi, vor allem die schöne Liu Qing. Gespielt wird diese – wie schon die weiblichen Hauptrollen in den letzten Filmen von Li Yu – erneut von Fan Bingbing. (Für mich absolut rätselhaft, hat es Fan Bingbing geschafft, nach 2013 und 2014 auch 2015 die Forbes-Liste der "100 Chinese Celebrities" anzuführen, weit vor Jackie Chan, Vicki Zhao, Andy Lau, Zhou Xun, Zhang Ziyi oder Jiang Wen). Der Film erntete viel Vorschusslorbeeren mit der Ankündigung der Regisseurin, dies würde "der sexuellste Film in Chinas Filmgeschichte" werden. Selbst China Daily und Chinas Auslands-Plattform China.org.cn verbreiteten das, und das musste angesichst der prüden chinesischen Zensur eher skeptisch machen. Tatsächlich hat der Film diverse Sexszenen – allerdings so brav, dass sie auch der Oma und der Enkelin nicht wehtun.
Sehenswert ist der Streifen dennoch: als filmisches Dokument einer hypernervösen, wenn nicht neurotischen jungen Generation, die nicht nur verzweifelt nach den Grundlagen funktionierender Beziehungen sucht, sondern ebenso nach Leitbildern und Lebenssinn.

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Wan Zhu 頑主 ("The Trouble-Shooters")
Komödie von Mi Jiashan 米家山, China 1989. Mit Ge You 葛优, Zhang Guoli 张国立, Liang Tian 梁天, Pan Hong潘虹. 101 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ge You stand noch am Anfang seiner Karriere, als er seine Rolle in diesem Film erhielt, der auf einer Vorlage von Wang Shuo 王朔 beruht. Drei junge Männer, die ihre Arbeit verloren haben, gründen die Firme 3T, mit einem interessanten Geschäftsmodell: Sie bieten an, besonders verzwickte Probleme anderer Leute zu lösen. Sie nehmen es auf sich, Männern aus schwierigen Dreiecksgeschichten herauszuhelfen ... für einen verkannten Schriftsteller organisieren sie eine öffentliche Ehrung ... bis schließlich ihr Geschäft die Aufmerksamkeit der Behörden findet und zu einem Ende kommt.
Was die Handlung und das Geschäftsmodell der Firma "3T" betrifft, so findet sie sich als Remake ein weiteres Mal in "Personal Tailor" von Feng Xiaogang. Auch dort spielt Ge You die Hauptrolle. Was jedoch die "Trouble-Shooters" ausmacht, ist die fast anarchische Unbekümmertheit dieses Streifens - eine Unbekümmertheit, die es in der chinesischen Filmgeschichte nur in zwei kurzen Epochen gegeben hat. Das war zum einen, wie hier, in den 80er-Jahren, und davor in einigen Dramen und Komödien der 20er und 30er-Jahre. Ob und wann es diese Lockerheit (im Grunde den freien Autorenfilm) in Chinas Film jemals wieder geben wird, ist vorerst eine offene Frage.

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WANG CHAO NÜ REN YANG GUI FEI 王朝女人杨贵妃 ("Lady of the Dynasty Yang Guifei")
Historiendrama von Shi Qing (Co-Regie: Tian Zhuangzhuang und Zhang Yimou), China 2015. Mit Fan Bingbing, Leon Lai, Joan Chen. 121 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Es war die größte Love Story der chinesischen Geschichte – nicht von Schriftstellern erdacht, sondern real. Und es war im Wortsinn eine Beziehung auf Leben und Tod: die Liebe des 55-jährigen Tang-Kaisers Xuanzong zu der damals 21-jährigen Yang Yuhuan.
"Hair like a cloud, face like a flower
nights that were too short, dawns
that came too early, with the emperor
absenting himself from the morning audiences" -
so schrieb Bai Juyi in seinem berühmten Gedicht "Everlasting Regret" ("长恨歌") über die Liebe des Kaisers zur "Teuren Konkubine" Yang Guifei (die zu Beginn der Beziehung noch mit einem seiner Söhne verheiratet war). Fast zwei Jahrzehnte stand der alternde Kaiser Xuanzong in ihrem Bann. Er, von allen Tang-Kaisern der am längsten regierende, war zuvor ein energischer und erfolgreicher Regent gewesen. Unter ihm erlebte die ruhmreichste aller chinesischen Dynastien ihre Blütezeit, besungen von den größten Dichtern der chinesischen Geschichte: Li Bai, Du Fu, Bai Juyi. Aber für Yang Guifei vernachlässigte der Kaiser sein Reich. Er überhäufte sie mit Geschenken, machte ihre Verwandten reich und mächtig, bis die Rebellion des An Lushan und die Meuterei der kaiserlichen Truppen ihn im Jahr 756 zwang, Yang Guifei in den Tod gehen zu lassen. Kein Wunder also, dass jetzt, wo China an alte Größe anknüpfen will, auch der Ehrgeiz erwacht, diese Liebesgeschichte erneut filmisch zu verarbeiten. 2014 kam eine 96-teilige Serie dazu ins Fernsehen – und nun also dieser Film.
Eines steht fest: Yang Guifei muss nicht nur eine große Schönheit gewesen sein, sondern auch eine überragende Persönlichkeit. Sie muss den Kaiser nicht nur mit ihrem Gesicht und ihrer Figur gefesselt haben (solche Schönheiten gab es Dutzende, wenn nicht Hunderte am Kaiserhof), sondern vor allem mit ihrem Wesen: ihrem Verhalten, ihrer Stimme, ihren Gedanken. Was aber kennzeichnet eine große Persönlichkeit, zumal eine große Frau? Wie dachte, fühlte, redete, reagierte ein absolut herrschender Kaiser? Konnte es ihm gegenüber wirklich eine gleichberechtigte, gar freie Beziehung geben? Wie erlebte ein Kaiser sein Altwerden? Wie reagierte Yang Guifei auf all die Geschenke, die der Kaiser ihr machte, eingeschlossen die Begünstigungen ihrer Verwandten – hat sie das gewollt oder gar verlangt, oder nur lächelnd hingenommen? Und wie lief das Ganze an einem kaiserlichen Hof ab, wo es von Dienern und Würdenträgern wimmelte, und wo jede Minute in strenge Rituale eingebettet war? Doch genau da liegt das Dilemma der Leute, die diesen Film gemacht haben. Die historische Realität interessiert sie nicht im geringsten: Geschichte sind für sie kostümierte Schauspieler in alten Palästen, und fertig. Erst recht hat offenbar keiner von ihnen jemals eine wirklich freie, große Persönlichkeit kennengelernt, schon gar nicht eine beeindruckende Frau. So spricht denn der Film von Charakter und innerer Freiheit wie der Blinde von der Farbe, will sagen, überhaupt nicht. Die Figur des Kaisers bleibt blass und die der Yang Guifei (dargestellt vom derzeitigen Superstar Fan Bingbing) ein Klischee: mal schmelzende Schönheit, mal Polo-spielende Amazone, mal schmollend-zeterndes Püppchen. Rätselhaft auch die Rahmenhandlung, die nur mit dem Schielen auf den US-Markt erklärlich ist: Erzählt wird die Geschichte von zwei Abgesandten des Byzantinischen Reiches, die mitten im Film nicht etwa lateinisch oder griechisch sprechen, sondern englisch, auch gegenüber dem Kaiser, und das ohne Dolmetscher. Filmentstehung und die Liste der Regisseure sprechen Bände: Nach Drehbeginn 2009 brauchte es sechs Jahre, bis der Film fertig war. Und dass man ins Beraterteam am Ende noch die Altmeister Zhang Yimou und Tian Zhuangzhuang aufnahm, ist kein Zeichen von Qualität, sondern von Panik der Geldgeber angesichts der Kosten dieser Produktion. Man sieht den Film und fragt mit banger Ahnung: Könnte es sein, dass auch die politische Führung des Landes eine solche Vorstellung von Chinas Geschichte hat, wie sie dieser Film zeigt?

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WANG DE SHENG YAN 王的盛宴 ("The Last Supper ")
Von Lu Chuan, VR China 2012. 106 min, mit Liu Ye, Daniel Wu, Chang Chen, Qin Lan. Chinesisch OHNE Untertitel. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Nach dem Zusammenbruch der kurzlebigen Qin-Dynastie erlebte China von 206-202 B.C. ein erbittertes Ringen um die Macht. Der dramatische Kampf zwischen den Generälen Xiang Yu und Liu Bang (letzterer unter dem Namen Gaozu der erste Kaiser der Han-Dynastie) wurde später in Literatur und Oper ins Quasi-Mythische überhöht. Fest steht, dass der aristokratische Xiang Yu seinem Gegenspieler anfangs weit überlegen war, und zwar körperlich wie militärisch. Doch erwies sich Liu Bang, der aus einer Bauernfamilie stammte, als der Geschicktere. Nachdem Xiang Yu auf dem berühmten "Bankett von Hongmen" die Chance, seinen Gegner zu töten, nicht hatte nutzen können, gelang es diesem, Xiang Yu durch kluge Bündnispolitik in die Defensive zu treiben. In der Schlacht von Gaixia errang Liu Bang den endgültigen Sieg, und Xiang Yu beging Selbstmord.
Der Regisseur Lu Chuan - mit "Missing Gun", "Kekexili" und "Nanjing! Nanjing" einer der wichtigsten Regisseure der sogenannten "sechsten Generation" - hat sich in seinem jüngsten Werk dieses Themas angenommen. Im Mittelpunkt steht der alte Liu Bang, am Ende seines Lebens und seiner Herrschaft. Von vielen Quellen wird Liu Bang zwar als rustikaler, aber doch im Grunde kluger und edler Herrscher dargestellt. Bei Lu Chuan hingegen ist er am Ende ein paranoider, überall Verrat witternder Mann. Besonders groß ist die Angst vor seinem Ratgeber Han Xin (gespielt von demselben Chang Chen, der auch die Hauptrolle in "Parking" spielt). Diesen hatte er erst jahrelang eingekerkert, dann unter Zögern freigelassen - bis endlich, angestiftet von Liu Bangs grausamer Ehefrau, dem alten Liu Bang auf seinem Totenbett unter einer Glocke der Kopf des hingerichteten Han Xin serviert wird.
Die Darstellung des alten Liu Bang in seinem Verfolgungswahn hätte an sich schon gereicht, um sie als Allegorie auf eine ganz andere Person aus Chinas Geschichte erscheinen zu lassen. Hinzu kommt in dem Film von Lu Chuan jedoch ein weiterer Aspekt, der für Alleinherrscher aller Zeiten und Länder typisch war: das Bestreben, die Geschichtsschreibung nachträglich so zu lenken (will sagen, zu fälschen), wie der Sieger sie haben möchte. Das war vielleicht der Grund, warum der Film, der eigentlich im Juli 2012 in die Kinos kommen sollte, erst zum Jahresende freigegeben wurde - vermutlich mit diversen Streichungen.

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Wang Pai  王牌 ("Who Is Undercover")
Republikzeit-Thriller von Fan Jianhui, China 2014. Mit Tony Leung Ka-fai, Lin Chiling, Gillian Chung. 87 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

1934 in Shanghai: Nach einer Teehaus-Schießerei in der Huaihai Road verhaftet und foltert der Guomindang-Geheimdienst zwei Männer und fünf Frauen. Alle Verhafteten wissen offenbar Bescheid über ein geheimnisvolles Projekt mit dem Namen "Joker", und einer von ihnen ist offenbar die gleichnamige Hauptperson. Diese muss unbedingt am Leben bleiben, und dafür opfern sich mehrere Verhaftete mit dem falschen Geständnis, der "Joker" zu sein. - 1953, also fast 20 Jahre später, untersucht eine interne Kommission die Vorgänge. Aber selbst jetzt darf der hochgeheime Plot nur in Teilen enthüllt werden.Der Film hat mit Tony Leung Ka Fai, Lin Chiling, Gillian Chung u.a. hochkarätige Darsteller. Bei denen fließt im Laufe des Films reichlich Kunstblut. Hinsichtlich Atmosphäre, Kamera und Dramaturgie macht der Film reichlich Anleihen bei Klassikern wie Feng Zheng ("The Message"). Allerdings ist die Darstellung historischer Fakten ziemlich nachlässig. So hatte z.B. 1934 die Guomindang-Zentralregierung in der Huaihai Road (damals "Avenue Joffre" und die wichtigste Straße der Französischen Konzession) keinerlei Hoheitsgewalt, hätte also auch niemand verhaften können. Auch dass damals in Shanghai Linksverkehr herrschte, war dem Produktionsteam offenbar unbekannt. Einmal mehr zeigt sich hier Chinas problematischer Umgang mit der Geschichte, wo bei filmischen ebenso wie bei offiziellen Darstellungen stets Zweifel angebracht sind.

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WANG ZHAO JUN 王昭君 ("Beyond the Great Wall ")
Musikfilm von Li Han-hsiang, Hongkong 1959. Dai Lin, Zhao Lei, Hong Bo. Farbe, 89 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Auch in diesem Film geht es um das tiefverwurzelte chinesische Grundgefühl, demzufolge das Reich der Mitte das einzige wahrhaft kulturvolle Land unter der Sonne ist. Die Figur der Wang Zhaojun - eine der "4 großen Schönheiten" des alten China - ist dabei in der Literatur ebenso verwurzelt wie in der historischen Realität. Sie kam im 1. Jahrhundert v. Chr. an den Kaiserhof der westlichen Han, und zwar als eine der vielen jungen Frauen, aus denen dann die Konkubinen für Kaiser Yuan ausgewählt wurden. Der Überlieferung zufolge geschah das nicht dadurch, dass der Kaiser die Frauen beobachtete, sondern anhand von Porträts, die der Hofmaler Mao Yanshuo von ihnen anfertigte. Dafür verlangte er hohe Bestechungssummen, und da Wang Zhaojun dazu nicht bereit war, malte er ihr Bild absichtlich hässlich. Als dann im Zuge eines Grenzkrieges der Xiongnu-Khan durch eine politische Heirat beschwichtigt werden sollte, meldete sich Wang Zhaojun freiwillig. Kaiser Yuan, der wieder nur das unansehnliche Bild vorgelegt bekam, stimmte zu. Als sie abreiste, sah er sie zum ersten und letzten Mal - und ließ in seinem Zorn, dass man ihm diese Schönheit vorenthalten hatte, den korrupten Maler enthaupten. Bei den Xiongnu (= Hunnen) wurde Wang Zhaojun dann zu einer wichtigen politischen Persönlichkeit, die über Jahrzehnte den Frieden zwischen beiden Völkern sichern half.
Der Musikfilm von Li Han-hsiang ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Dies zum einen deshalb, weil Lin Dai, Hongkongs großer Star jener Jahre, die Hauptrolle spielt. Aber auch die Darstellung der Xiongnu ist bezeichnend. Deren Khan ist pure Karikatur: verwachsen, kulturlos und cholerisch. Noch bemerkenswerter sind die Freiheiten, die sich das Drehbuch im Umgang mit der historischen Überlieferung herausnimmt. In diesem Film nämlich lernt Kaiser Yuan die reale Wang Zhaojun nicht erst bei ihrer Abreise kennen und lieben, sondern schon während ihrer Zeit im Palast. Sogleich wird sie seine Lieblingsfrau, und der korrupte Maler flieht an den Hof des Xiongnu-Khans. Dort behauptet er in verräterischer Absicht, er sei beauftragt, eine Heirat des Khans mit Wang Zhaojun in die Wege zu leiten. Der Khan stimmt zu und schickt Brautgeschenke, die Kaiser Yuan erbost zurücksendet. Jetzt fallen die Truppen des wütenden Khans in China ein, mit dem Ergebnis, dass der Kaiserhof nunmehr zustimmt, Wang Zhaojun dem Khan zu überlassen.
Das muss man sich vorstellen: Einfach so, aus rein politischen Gründen, soll ein chinesischer Kaiser bereit sein, seine Lieblingsfrau, die lange sein Bett geteilt hat (vielleicht sogar von ihm schwanger ist), an einen anderen zu übergeben ... und auch der Khan, obgleich ein Barbar, soll unbedingt eine Frau haben wollen, die jahrelang mit dem feindlichen Herrscher geschlafen hat ... beides abgeschmackt und albern. Und auch zum Schluss ignoriert der Film die historische Überlieferung: Am Ende  stürzt sich Wang Zhaojun beim Begrüßungsempfang von einer Klippe in einen reißenden Fluss. Auch das komplett widersinnig, denn wie will sie als Leiche den Frieden zwischen beiden Reichen sichern?
Bleibt eine letzte Frage: Was lehrt uns die Erkenntnis, dass chinesische Filmemacher sogar ohne politische Zensur die Geschichte Chinas hemmungslos verfälschen und verdrehen? Nun, zum mindesten eines: Wir dürfen sicher sein, dass ihre Kollegen auf dem Festland das unter dem Einfluss politischer Zensur erst recht und noch weitaus hemmungsloser tun.

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Wei Ze Zhi Lu, "The Road Not Taken" 未择之路, China 2018. Drama von Tang Gaopeng 唐高鹏, mit Wang Xuebing 王学兵, Ma Yili 马伊琍, Zhu Gengyou 朱耕佑. 110 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

西部的戈壁深处,二勇(王学兵饰)经营着一座破败的鸵鸟养殖场,这是他竭力要挽 回前妻,修复人生的最后赌注。这天,他的债主五哥(王旭峰饰)前来要债未果,留 下一个孤僻的小男孩乐乐(朱耕佑饰)托他看管。疑心前妻已另结新欢的二勇只得带 着这男孩上路去找她。在穿越戈壁的三天两夜,他们遇到了忧郁暴躁的女卡车司机小 眉(马伊琍饰),三个孤独的人度过了一段恍若家人的时光。更多的人纷纷登场,二 勇和男孩的关系被这因果相循的旅程不断考验与改变,而所有人,都经由与他人的相 遇,踏上了自己的不归路。
该片以西部戈壁为故事背景,讲述了几个性格迥异的人物在西部公路上相遇,三天两 夜间发生的一系列连锁事件…

Frage: Wo in Berlin können Sie nicht nur die interessantesten Filme aus China sehen, sondern dazu bis Mitternacht Leute treffen, diskutieren, Tee trinken, Musik hören ... oder, wenn Sie wollen, Tischtennis, Kicker oder Billard spielen? Nur im Chinaclub am S-Bahnhof Friedenau. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen – jeden Freitag aufs Neue!
"The Road Not Taken" spielt in Chinas kargem Westen, am Rand der Wüste Gobi. Hier betreibt Eryong (Wang Xuebing, der auch die Hauptrolle im "Pluto Moment" spielte) seit der Scheidung von seiner Frau eine Straußenfarm - weit entfernt von der nächsten Stadt, und noch weiter entfernt von den Glitzerwelten der Metropolen. Für die Farm hat er die Wohnung seiner Frau verpfändet, allerdings ohne dass sie davon wusste. Jetzt kommt der Ganove "Bruder Fünf" mit seinen Komplizen, um sein geliehenes Geld zurückzufordern. Da Eryong nichts hat, gibt Bruder Fünf ihm den Auftrag, auf ein Kind aufzupassen, angeblich den Sohn eines Verwandten. Eryong, der trotz der Scheidung noch immer an seiner Frau hängt, hat den Verdacht, sie habe einen neuen Liebhaber. Also packt er den Jungen in seinen alten Transporter, und es beginnt eine wilde Fahrt durch die Wüste.
Allmählich taut der Junge auf. Es stellt sich heraus, dass er von Bruder Fünf und dessen Bande gekidnappt wurde, um von seinem reichen Vater Lösegeld zu erpressen. Doch die Gegend erweist sich ganz wörtlich als Chinas "Wilder Westen" – zum Beispiel in Gestalt einer heruntergekommenen Werkstatt, die sich Kunden verschafft, indem ihr Chef aus dem Hinterhalt auf die Reifen vorbeifahrender Autos schießt. Eine taffe Lastwagenfahrerin (Ma Yili) nimmt Eryong und den Jungen mit. Ohne viel Worte nähern die drei sich an.
Doch es gehört zur Qualität dieses lakonischen Films, das Ganze nicht in eine Romanze münden zu lassen. Für einen Debüt-Spielfilm bemerkenswert, hält der Regisseur die Balance zwischen den Genres. Vieles was passiert ist komisch (zum Beispiel anfangs die Jagd auf einen entlaufenen Strauß), doch das macht den Film nicht zu einer Komödie. Das Ende des Eryong ist tragisch, doch das macht den Film nicht zur Tragödie. Eher gehört er in die Tradition des "Film Noir", dessen Antihelden immer wieder den berühmtesten ABBA-Titel widerlegen. "The Winner Takes It All" – wirklich? Nein, denn Loser sind wir alle, spätestens wenn wir sterben. Doch nur die "Beautiful Losers" – also diejenigen, die sich selber treu bleiben – gewinnen unsere Herzen. Völlig zu Recht erhielt dieser bemerkenswerte Film daher nicht nur gute Kritiken, sondern auch den Preis des "New Talents Festival" in Shanghai.

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WO AI DE SHI NI AI WO  我愛的是你愛我 ("Love You for Loving Me")
Beziehungs-Drama von Ma Zhiyu, China 2013. Mit Zhang Hanyu, Wang Luodan und Zhu Dan. 96 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der 1964 geborene Zhang Hanyu (张涵予) hat sich in den letzten Jahren zu einem der markantesten chinesischen Schauspieler entwickelt. Doch der Weg dorthin war lang. Nach seinem Abschluss an der Pekinger Filmhochschule 1988 dauerte es fast 20 Jahre, bis ihm zum ersten Mal ein Regisseur die Hauptrolle in einem großen Film anvertraute, nämlich Feng Xiaogang in dem herausragenden Kriegs- und Erinnerungsepos "Assembly" (Ji Jie Hao 集结号, 2007). Diese Rolle zeigte ebenso wie z.B. die in "The Message" (Feng Sheng 风声) die Spezialität von Zhang Hanyu: verschlossene, vielschichtige Persönlichkeiten mit oftmals tragischem Hintergrund.
In "Love You for Loving Me" spielt er zum ersten Mal die Hauptrolle in einem Liebesfilm. Er verkörpert Ya Peng, einen erfolgreichen Geschäftsmann im mittleren Alter, dessen impulsive Freundin Chen Xiaole (Wang Luodan) kaum halb so alt ist wie er. Alles beginnt mit einer schrecklich schiefgegangenen Geburtstagsüberraschung der Freundin, in deren Folge sich Ya Peng von ihr trennt. Drei Jahre später hat er eine neue Freundin, die von Alter und Charakter her offenbar besser zu ihm passt. Sie wollen heiraten, das Datum steht schon fest, doch plötzlich tritt Chen Xiaole wieder in sein Leben. Erneut bringt sie die Gefühle von Ya Peng durcheinander. Es stellt sich heraus, dass sie inzwischen nicht nur (so jedenfalls scheint es) einen neuen Freund hat, sondern auch ein Kind. Ya Peng im Zwiespalt: Ist das Kind von ihm? Welche Frau liebt er wirklich? Und welche Frau liebt ihn? Als er sich für Xiaole entscheidet, scheint es zu spät, denn sie ist verschwunden. Jetzt aber will er sie, koste es was es wolle, und das im wörtlichen Sinn: Um zu erfahren, wo er sie finden kann, überschreibt er seine Firma dem früheren Freund der Geliebten. Doch er findet sie nicht ... und macht sich auf, sie zu suchen.
Im Grunde zeigt der Film eine "amour fou": eine verrückte Liebe, die nicht in die Bahnen von Zusammenleben und Familie mündet, sondern einen der Partner oder beide zerstört. Im Westen gibt es für solche Beziehungen ein tiefes Verständnis, das in der religiösen Überhöhung von "Liebe" im Christentum seine geistige Bestätigung hat. Im Konfuzianismus (ebenso wie in Daoismus und Buddhismus) fehlt diese Grundlage. So ist es kaum verwunderlich, dass die Reaktionen auf den Film in China eher zurückhaltend ausfielen. Selbst der Autor und Regisseur Ma Zhiyu befand sich offenbar in einem Zwiespalt, so dass er es nicht wagte, das Zerstörerische dieser Liebesbeziehung konsequent zu gestalten, nämlich bis zum Ruin eines oder beider Protagonisten. Und der chinesische Titel (im Englischen korrekt übersetzt) stimmt ja gar nicht, denn Ya Peng, so zeigt sich ja, liebt Xiaole am Ende einzig aus sich selber heraus. Hier zeigt sich, warum nicht nur die Vorstellung von "amour fou" in China Probleme macht, sondern auch das Finden angemessener Rollen für den Schauspieler Zhang Hanyu. Dieser nämlich wäre prädestiniert für den "Film Noir": Abgründige, schonungslose Filme, die nicht davor zurückschrecken, das Tragische und Sinnlose im Leben, im Erfolg, in der Liebe darzustellen. Aber das Tragische ist im Film der Volksrepublik derzeit nur bei historischen Stoffen erlaubt. So wird es wohl noch eine Weile dauern, bis wir von dort einen Film sehen werden, der Orson Welles' "Citizen Kane" vergleichbar wäre, gar nicht zu reden von den wirklich "schwarzen" Filmen. Zhang Hanyu wird sich bis dahin mit den Rollen unerbittlicher Geschichtshelden und einsamer Protagonisten in Kriminalfilmen begnügen müssen.

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Wo Bu Shi Pan Jin Lian  我不是潘金莲 ("I Am Not Madame Bovary"), China 2016. Justiz-Komödie von Feng Xiaogang 冯小刚,mit Fan Bingbing 范冰冰, Guo Tao 郭涛, Da Peng 大鹏. 135 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

一个普通的农村妇女李雪莲(范冰冰 饰),为了纠正一句话,与上上下下、方方面面打了十年交道。打交道的过程中,她 没想到一件事变成了另一件事,接着变成了第三件事。十年过去,她没有把这句话纠 正过来,但她饱尝了世间的人情冷暖,悟明白了另外一个道理。李雪莲要纠正的这句 话是她前夫说的。她前夫说:你是李雪莲吗?我咋觉得你是潘金莲呢?李雪莲要告诉 大家的是:我不是潘金莲。...
Der neue Film von Altmeister Feng Xiaogang – eine Justizkomödie. Wie alle Filme, die mit Chinas Justizwesen zu tun haben, hat er sehr unterschiedliche Aspekte, je nachdem ob man die Story, die filmischen Aspekte oder die Realität betrachtet.
Was filmisch sogleich auffällt, ist das Bildformat: Wie durch ein permanentes Schlüsselloch blickt der Betrachter auf einen runden Bildausschnitt, und zwar in betonten Pastellfarben, wie diese gern für Historien-Filme verwendet werden. Angeblich spielt der Film aber fast in der Gegenwart, begonnen vor etwas mehr als zehn Jahren. Seitdem sucht Li Xuelian, die in einer kleinen Stadt ein kleines Restaurant führt, in immer höheren Instanzen ihr Recht. Dabei schreckt sie auch nicht davor zurück, sich vor Autos zu werfen oder einen Mann zu Morden zu animieren.
Dabei scheint der Anlass lächerlich: Um eine neue Wohnung zugeteilt bekommen, hat sie zusammen mit ihrem Mann eine falsche Scheidung eingereicht. Tatsächlich erhalten sie die Wohnung, doch dann wird aus der falschen Scheidung eine echte: Der Mann zieht in die Wohnung und heiratet eine andere Frau. Nun will Li Xuelian die erste Scheidung annullieren lassen, damit sie ihren Mann wieder heiraten und sich dann "richtig" von ihm scheiden lassen können. Doch der Mann beharrt nicht nur darauf, dass die Scheidung echt war, sondern wirft seiner Frau vor, sie habe eine lockere Moral, sei also eine "Pan Jinlian" wie jene berühmte Kokette die Frau aus den "Räubern vom Liangshan-Moor (水浒传) bzw. aus dem "Jing Ping Mei" 金瓶梅. Das bringt die Betrogene nun erst recht in Rage. Und ihr Kampf, der anfangs völlig aussichtslos schien, gelangt von einer Instanz zur nächsten..
Der Vergleich von Film und Realität fällt allerdings wenig ermutigend aus. Wieder einmal (wie schon in der "Geschichte der Qiu Ju" (秋菊打官司 von Zhang Yimou) ist es eine Frau, die den Fall betreibt. Wie dort geht es auch hier im Grunde um eine Lappalie. Und auch hier sind die Vertreter des Justizapparates sind zwar gelegentlich etwas nachlässig, aber keineswegs bösartig, brutal oder korrupt (abgesehen davon, dass Klagen vor Gericht, wenn man dem Film glauben wollte, offenbar kein Geld kosten). Doch weil in China vor höheren Behörden und Gerichten aus berechtigter Tradition eine Heidenangst herrscht, ist das Publikum schon für solch sanfte Systemkritik wie der in diesem Film dankbar. So kam der Film nicht nur durch die Zensur, sondern wurde auch ein Kassenhit – nicht zuletzt dank Superstar Fan Bingbing in der Hauptrolle.

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"Wo De Dan Nan Qing Ren" 我的蛋男情人 (My Egg Boy), Taiwan 2016. Romantische Komödie von Fu Tien-Yu 傅天余, mit Ariel Lin 林依晨 und Rhydian Vaughan 凤小岳. 112 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

《我的蛋男情人》故事描述现代都会女性努力工作、爱情却亮起红灯。只是想要幸福的小小渴望,却 必须面对与时间赛跑的困境。曾梅宝(林依晨 饰)相信冷冻食品可以安慰许多无法享受新鲜食物的人,也期待着爱情能像被冷藏的 食物静止住保存期限。深信冷冻能为自己的青春争取时间、寻找真命天子。偏偏却遇 上新鲜至上,对爱情只相信此时此刻的阿始(凤小岳 饰),当「冷冻」的深情 遇上「新鲜」的热情,一场爱情保存期限的浪漫论战就此展开 。。。

Das Drama junger Frauen mit beruflichem Ehrgeiz: Wann sollen sie Kinder bekommen? Vor diesem Problem steht nach einer kurzen missglückten Ehe auch Zeng Meibao.  Sie arbeitet in einer Firma für Tiefkühlkost, und weil sie weder einen Mann noch Zeit für Kinder hat, lässt sie ihre Eier einfrieren. Doch dann lernt sie einen Koch kennen, der nichts so sehr verabscheut wie Tiefkühlkost ... Wie sich daraus eine komisch-romantische Beziehung entwickelt, zeigt der Film (in dem zu einem Teil die eingefrorenen Eier selber die Handlung übernehmen.

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WO HE BA BA  我和爸爸 ("My Father and I")
Von Xu Jinglei, China 2003. Mit Xu Jinglei und Ye Daying. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Wie im Westen, so erleben die alten Familienstrukturen auch in China derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Generationenkonflikte, Alleinerziehende, Patchworkfamilien - all das findet sich heute in Peking, Shanghai, Chongqing nicht anders als in New York, Paris, Berlin. Der Film der 1974 geborenen Xu Jinglei (die hier sowohl Regie führt auch als die weibliche Hauptrolle spielt) erzählt solch eine Geschichte. Xiao Yu ist eine Teenagerin, die nach der Trennung ihrer Eltern bei der Mutter gelebt hat. Nachdem diese bei einem Autounfall stirbt, lebt Xiao Yu bei ihrem Vater. Der pflegt einen ziemlich chaotischen Lebensstil, der beiden beträchtliche Umstellungen abverlangt. Doch aller guter Wille kann nicht verhindern, dass sich die junge Frau in einen schwadronierenden Schwätzer verliebt und diesen gegen den Willen des Vaters auch heiratet. Als sie desillusioniert zurückkehrt, ist sie hochschwanger. Sie bringt das Kind zur Welt und ist nun selber alleinerziehende Mutter, wenn auch eine Zeitlang mit Unterstützung ihres Vaters – bis dieser plötzlich einen Schlaganfall erleidet.
Xu Jinglei ist (ebenso wie Jiang Wen, der in dem Film einen kurzen Gastauftritt gibt) sowohl Schauspielerin als auch Regisseurin, die insbesondere mit ihrem Erstling "Yi ge mo sheng nü ren de lai xin" (一个陌生女人的来信 / "Letter of an Unknown Woman", nach Stefans Zweig Novelle "Brief einer Unbekannten") große Anerkennung fand.

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Wo Hu Cang Long 2 臥虎藏龍2:青冥寶劍 ("Tiger and Dragon 2: Sword of Destiny")
Martial-Arts-Drama von Yuen Woo-Ping (袁和平), Hongkong 2016. Mit Michelle Yeoh (楊紫瓊) und Donnie Yen ((甄子丹). 90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

剧情内容讲述李慕白去世18年后,俞秀莲来到京城铁王府,她为了保护青冥宝剑而 发出江湖邀请,召集到孟思昭为首的五名侠客前来护剑,以抵抗以戴閰王为首的西莲 派的争抢。同时交出西莲派弟子、青年男子魏方与雪瓶之师父韩梅的相关身世。

"Tiger and Dragon" (卧虎藏龙) von Ang Lee (李安), der im Jahr 2000 in die Kinos kam, war nicht nur der erfolgreichste, sondern vielleicht auch der beste chinesische Martial-Arts-Film aller Zeiten. Seine Besonderheit war, dass er die sonst im Vordergrund stehenden Kampfszenen mit einer glaubwürdigen Psychologie verband und sich dazu auf die besten Darsteller stützen konnte: Chow Yun-Fat (周潤發) als Li Mubai, Michelle Yeoh (楊紫瓊) als Yu Shulian und Zhang Ziyi (章子怡) als ehrgeizige Kampfkunst-Elevin.
Dass der Erfolg dieses Films früher oder später zu einer Fortsetzung animieren würde, war abzusehen. "Tiger and Dragon 2" ist dieser Versuch. Wieder geht es um das sagenhafte Schwert "Sword of Destiny", das seinen Träger angeblich unüberwindlich machen soll (es in den Kämpfen allerdings nie wirklich tut). Regie führt diesmal nicht Ang Lee, sondern Yuen Woo-Ping (袁和平). Von den Darstellern der Vorlage ist nur noch Michelle Yeoh dabei. Chow Yun-Fat fehlt zwangsläufig, weil er als Meister Li Mubai im ersten Film starb – und Zhang Ziyi wohl deshalb, weil sie keine Lust hatte. Um beides auszugleichen, nimmt jetzt Donnie Yen (甄子丹 - der "Yip Man" anderer Filme) als "Silent Wolf" die Rolle des zweiten Superkämpfers neben Michelle Yeoh ein, assistiert von weiteren Helden und Heldinnen. - Ob dieser zweite "Tiger and Dragon" wirklich hält, was der erste versprach, kann der Zuschauer selber entscheiden.

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Wo Sui Si Qu 我虽死去 ("Though I Am Gone")
Dokumentarfilm von Hu Jie, China 2006,  über die Ermordung der Lehrerin Bian Zhongyun (卞仲耘). 69 min, Chinesisch mit deutschen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

《我虽死去》是独立电影人胡杰第二部关于文革中个人命运的纪录片,第一部《寻找林昭的灵魂》就已经引起很大反响。《我虽死去》讲述的是前北京师大女附中党总支书记、副校长卞仲耘女士文革中被摧残致死的事 件,影片的主要叙述者是卞仲耘的丈夫、今年已经87岁的王晶垚老先生。...

Bian Zhongyun war stellvertretende Schulleiterin eines Pekinger Mädchengymnasiums. Am 5. August 1966 wurde sie das vermutlich erste Todesopfer der Kulturrevolution. Totgeschlagen wurde sie von ihren eigenen Schülerinnen, die damals 14 bis 16 Jahre alt waren, angestachelt von Maos Aufruf "Bombardiert das Hauptquartier" (炮打司令部. Unter den Schülerinnen – vielleicht die Anführerin - war Song Binbin (宋彬彬), die Tochter von PLA-General Song Renqiong (宋任穷), einem der "8 Unsterblichen" der KP. Als Song Binbin Mao am 18. August 1966 die Armbinde der Roten Garden umband, meinte dieser, ihr Name sollte nicht "Binbin" sein (彬彬 = "kultiviert"), sondern "Yaowu (要武 = "Sei gewalttätig"). So erhielten Terror, Folter und Mord die Weihe des vom Helden zum Verbrecher gewordenen Mao Zedong. Wenige Tage später, am 24. August 1966, fand der Terror in Lao She sein erstes weltweit bekanntes Opfer (nicht durch Suizid, sondern gleichfalls totgeschlagen, siehe:  www.laoshe.info/html/deutsch.html ).

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WO XIANG HE NI HAO HAO DE 我想和你好好的 ("Love Will Tear Us Apart ")
Von Li Weiran, China 2013. Mit Feng Shaofeng und Ni Ni. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der Film beginnt als Romanze in der Welt der Erfolgreichen und Schönen, und zwar standesgemäß mit einem improvisierten Autorennen durch die Pekinger Schnellstraßen. (Eines der Autos ist lustigerweise ein frisierter VW Bora, also ein Wagen, der in Deutschland eher als Inbegriff der Langeweile gilt bzw. galt.) Hierbei lernt der coole Werbetexter Jiang Liangliang die bezaubernde Schauspielerin Miaomiao kennen. Bald wird aus den beiden ein Paar. Doch was als Idyll beginnt, entwickelt sich bei der Frau zu einer erstickenden Eifersucht, die dazu führt, dass Liangliang sein Dasein zunehmend als Gefängnis empfindet. Das Fatale daran: Man spürt (mir jedenfalls geht es so) dass die Liebesbeziehungen dieser übermäßig behüteten chinesischen Einzelkinder - die in Ermangelung von Geschwistern oder engen Schulfreundschaften weder Toleranz noch Streitkultur gelernt haben - wirklich in einer Vielzahl von Fällen so verläuft wie in diesem Film, wenn nicht in der Mehrzahl. Dass in China eine Generation von Beziehungsneurotikern herangewachsen ist, wird in den nächsten Jahrzehnten nicht nur die dortigen Scheidungsgerichte rotieren lassen, sondern wie in den USA auch ein Heer von Psychotherapeuten beschäftigen.

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Wo Zhe Yi Bei Zi  我这一辈子 ("This Life of Mine")
Drama von Shi Hu , nach der gleichnamigen Erzählung von Lao She, China 1950. Mit Shi Hu , Wei Heling 魏鹤龄, Cheng Zhi 程之, Shen Yang 沈杨. Schwarzweiß, 108 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

In diesem Film, der auf einer Erzählung von Lao She basiert, schildert ein Pekinger Bettler sein Leben: 50 Jahre als kleiner Polizist, immer zerrieben zwischen den Herrschenden und den kleinen Leuten, zu denen er selber gehörte. Die Handlung umspannt die gesamte Republikzeit bis 1949. Der Polizist wird Zeuge, wie ein Vorgesetzter mit den Japanern kollaboriert. Als dieser, später Polizeichef geworden, ihn erkennt, lässt er ihn festnehmen, foltern, auf die Straße werfen. In den ersten Tagen der neuen Zeit stirbt er.
Das Schicksal des Regisseurs Shi Hui (1915-1957), der auch die Hauptrolle dieses bewegenden Films spielt, hat Parallelen zu dem von Lao She: Als Rechtsabweichler kritisiert, beging er 1957 Suizid - auch er ein Opfer jener revolutionären Paranoia, die stets ein Merkmal von Leuten wie Stalin, Mao oder Kim Il Sung war.

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Wu Er Ge Qing Shen  吴二哥请神 ("Brother Wu Invites God")
Komödie von Fan Yuan, China 1995. Mit Zhao Jun,  Cao Jingyang, Zheng Weili. 107 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

In einem abgelegenen Dorf in Sichuan wird der junge Wang Liang vor den Augen des ganzen Dorfes verhaftet und die Stadt gebracht, wo er eine Strafe als angeblicher "Vergewaltiger" absitzen muss. Jahre später hat sich überall im Land das politische Klima verändert, und auch die Bauern sind aufgerufen, Initiativen zu zeigen und Geschäfte zu machen. Das würde man in diesem Dorf gerne machen, aber woher kommt das Kapital?
Da erinnert sich jemand an Wang Liang: Angeblich soll in der Stadt aus ihm ein schwerreicher Geschäftsmann geworden sein. Der Dorfvorsteher Wu Erge wird beauftragt, den reichen Herrn in der Stadt aufzusuchen und ihn zu einem Besuch seines Heimatdorfes einzuladen. Doch der Dorfvorsteher hat Angst, alleine zu fahren ... und er besteht darauf, die damalige Freundin mitzunehmen, wegen der Wang Liang damals ins Gefängnis musste. Also eine Komödie, aber durchaus eine mit erstem Hintergrund.

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5 KE ZI DAN   5 颗子弹 ("Gun of Mercy")
Von Xiao Feng, China 2008. Mit Cao Yin, Li Bin, Liu Peiqi. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

In einer Flutkatastrophe muss ein Gefängnis evakuiert werden. Auch eine Hinrichtung wird gestoppt. Lao Ma, ein alter Gefängnisoffizier, erhält den Auftrag, den Hinzurichtenden und zwei weitere Häftlinge in Sicherheit zu bringen. Einer davon ist ein Wirtschaftskrimineller, der viel Geld unterschlagen hat. Der zweite, ein junger Dieb, soll in zwei Monaten entlassen werden. Sie fahren los, aber dann wird das Auto Opfer der Fluten. Von nun an müssen sich die vier Männer zu Fuß durch die Katastrophenregion schlagen. Alles was Lao Ma hat, sind die Handschellen und eine Pistole mit 5 Kugeln. Vier davon schießt er ab, allerdings jedesmal, um einen der Männer zu retten. Bald stößt zu den vier Männern eine Frau, die sie aus den Fluten gerettet haben. Dann, bezwungen von der Erschöpfung und vom Kampf mit einem der Männer, wird Lao Ma ohnmächtig. Jetzt sind es die anderen, die ihn mitschleppen. Warum? Dafür, dass er sie bald wieder im Gefängnis bzw. zur Hinrichtung abliefern wird? - Ein spannender Krimi mit Verbrechern, aber ohne Verbrechen, in dem sich die Menschlichkeit durchsetzt, ohne die Gerechtigkeit zu opfern.

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Wu Qing Yuan 吴清源 ("The Go Master")
Drama von Tian Zhuangzhuang 田壮壮, China 2006. Mit Chang Chen张震, Akira Emoto, Ayumi Ito. 106 min, Japanisch (etwas Chinesisch) mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Von den großen Regisseuren der 5. Generation war bzw. ist Tian Zhuangzhuang vielleicht der ehrgeizigste – und wohl auch der, bei dem Scheitern und Bewunderung am engsten nebeneinander lagen. Sein "Horse Thief" (盗马贼) traf in China auf Unverständnis und im Westen auf Begeisterung, ebenso wie "Blue Kite" (蓝风筝), der in China nicht gezeigt werden durfte. Hybrid war sein Überzeugung, er könnte "Springtime in an Small Town" (小城之春, mit der grandiosen Vorlage von Fei Mu 费穆1948) eine gleichwertige Neufassung in Farbe zur Seite stellen. Mit dem "Go Master" kehrte er 2006 wieder zu der ebenso eigenständigen wie eigenwilligen Interpretation einer Ausnahmeperson zurück, die er schon in "Horse Thief" gezeigt hatte.
Wu Qingyuan (japanisch Go Seigen, 1914-2014, im Film gespielt von Chang Chen 张震) war der überragende Go-Spieler des 20. Jahrhunderts (der in einer Anfangsszene des Films kurz als reale Person auftaucht). Geboren in China, ging er im Alter von 14 Jahren nach Japan, wo er von einem der besten Go-Lehrer unterrichtet wurde. Schon bald besiegte er alle japanischen Großmeister. Er nahm die japanische Staatsbürgerschaft an und heiratete seine Frau Kazuko (Ayumi Ito), die einer Sekte angehörte.
Dass die Go-Turniere des geborenen Chinesen mit den japanischen Großmeistern von der japanischen Presse zu einem Duell Japan-China stilisiert wurden, ist zwar für die Handlung von Belang, aber nicht für den Geist des Films. Dieser bleibt fast durchgehend eine Art von filmischer Meditation, bei der die Rituale des Go-Spiels wichtiger sind als das Spiel selber. Auch die Liebe zwischen dem Protagonisten und seiner Frau (für deren Sekte er eine Zeitlang das Go-Spiel aufgibt) wird kaum mehr als in Andeutungen visualisiert.
Erstaunlich ist, dass die japanische Invasion von Chinas Nordosten 1931 samt der Gründung des Marionettenstaates "Mandschukuo" (满洲国) in dem Film praktisch keine Rolle spielt. Erst die umfassende Mobilisierung 1937 und die Musterung auch des Go-Spielers (der wegen einer chronischen Tuberkulose nicht einberufen wird) prägt die Handlung. Doch die japanischen Kriegsverbrechen werden kaum erwähnt, auch nicht das Nanjing-Massaker im Dezember 1937. Im Grunde wird das gesamte Kriegsgeschehen aus japanischer Sicht dargestellt, für die Bevölkerung also ausschließlich als Leid, insbesondere nach Beginn der amerikanischen Bombenangriffe bis hin zur Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945.
Es gibt wohl keinen anderen chinesischen Film, der so sehr vom Geist der Achtung und der Versöhnung mit dem Nachbarn Japan getragen ist wie dieser. Dem entspricht es auch, dass fast alle Dialoge auf japanisch geführt werden. Also werden die meisten Chinesen hier auf die chinesischen Untertitel zurückgreifen müssen.

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WU QIONG DONG 无穷动 ("Perpetual Motion")
Von Ning Ying, China 2005. Mit Hung Huang, Liu Sola, Li Qinqin, Ping Yanni, Zhang Hanzhi. 86 min, Chinesisch ohne Untertitel. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ein ungewöhnlicher Film, eine kleine Perle. Gedreht von einer Frau, mit vier Frauen, und keinem Mann ... jedenfalls tritt er nicht auf. Aber natürlich spielt er eine Rolle, wie auch die Männer als solche, aber eben nur in den Gesprächen der Frauen. Gastgeberin Niu Niu ist eine erfolgreiche, nicht mehr ganz junge Redakteurin. Sie lebt in einem jener siheyuan, den früher für Peking typischen Hofgevierten, die inzwischen fast alle abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt sind. Als sie eines Morgens aufwacht, stellt sie fest, dass ihr Mann die Nacht offenbar woanders verbracht hat. Sie hört den Anrufbeantworter ab und geht die E-Mails durch. Dabei findet sie Anhaltspunkte, dass ihr Mann sie betrügt, vermutlich mit einer Frau, die sie kennt. Also lädt sie drei ihrer Bekannten zu einem Neujahrsessen mit anschließendem Mahjong ein, und das Drama nimmt seinen Lauf. Von der anfänglichen oberflächlichen Konversation wandeln sich die Gespräche hin zum Persönlichen, eingeschlossen das Sexuelle. Aber immer noch weiß die Gastgeberin nicht, wer die Geliebte ihres Mannes ist. Doch da kommt ein Anruf, der alles verändert ...
Die 1959 geborene Ning Ying wird den Regisseuren der "6. Generation" zugerechnet. Wesentliche Teile ihrer Ausbildung absolvierte sie in Italien. Bei Bertoluccis Filmepos "Der Letzte Kaiser" war sie Regieassistentin. Zur Authentizität ihres Films gehört, dass nur eine der Darstellerinnen (Li Qinqin) professionelle Schauspielerin ist. Die anderen drei sind auch im realen Leben erfolgreiche Frauen. Einige Kritiken sahen in dem Film ein chinesisches Pendant zu "Sex and the City", was aber diesem zurückhaltenden Kammerspiel wohl nicht gerecht wird.

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WU REN QU 无人区 ("No Man's Land")
Von Ning Hao, China 2009-2013. Mit Xu Zheng, Yu Nan, Huang Bo, Dou Bujie. 122 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Auf der kürzlich beendeten Berlinale 2014 verpassten die Kritiker dem Film das Label "Sino-Western". Damit meinten sie seine unübersehbare Verwandtschaft zum "Italo-Western". Äußerlich ist das sicher richtig: Der Film spielt in einer fast menschenleeren Wüstengegend, und seine Handlung ist eine kaum unterbrochene Abfolge von Rechtlosigkeit, Gewalt und Brutalität. Bleibt allerdings eine Frage: Warum dauerte es 4 Jahre, bis dieser 2009 gedrehte Film von Chinas Zensur freigegeben wurde?
Pan Xiao ist ein smarter junger Großstadt-Rechtsanwalt. Man bestellt ihn nach Xinjiang, wo er vor Gericht einen Gangster und Falkendieb vertritt. Tatsächlich gelingt es ihm, für diesen mit Tricks einen Freispruch zu erwirken. Da sein Klient nicht bar bezahlen kann, nimmt er dessen Auto als Bezahlung, nicht wissend, dass dies im Endergebnis sein Todesurteil sein wird. Denn auf dem Rückweg wird er nicht nur von dem Klienten und dessen Helfer verfolgt, sondern auch von zwei LKW-Fahrern, deren Wut er erregt hat. Er überfährt den Helfer seines Klienten, ohne zu wissen, dass dieser ihm aufgelauert hatte. Vergeblich versucht er, den vermeintlichen Leichnam loszuwerden. In einer abgelegenen Wüstentankstelle wird er schamlos abgezockt. Dort drängt sich ihm auch eine junge Prostituierte auf, die ihren Arbeitgebern entkommen will. So wird die Rückfahrt zu einer verzweifelten Flucht, auf der nicht nur das Auto zunehmend demoliert wird, sondern auch die smarte Persönlichkeit des Anwaltes - bis er im finalen Showdown sein eigenes Leben opfert, um das der jungen Frau zu retten.
Was die meisten der Berlinale-Kritiker (z.B. Jens Balzer) übersehen haben: Gerade durch die scheinbare Abwesenheit alles Politischen ist der Film eminent politisch. Denn in diesem "No Man's Land" hat keine Staatsmacht, keine Partei etwas zu sagen. Das Gericht ist eine Farce, die auftauchenden Polizisten sind Trottel. Diese Darstellung Chinas - dass in entlegenen Regionen ungeachtet des Allmachtsanspruches der Partei einzig das Recht des Stärkeren gilt - musste der Zensur natürlich schwer im Magen liegen. - Warnung: Es geht in diesem Film wirklich brutal zu!

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WU ZE TIAN 武则天 ("Empress Wu Zetian")
Von Fang Peilin, China 1939. Mit Bai Hong, Gu Lanjun, Hang Zhizhi. 95 min, schwarzweiß, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Frauen von Kaisern, die nicht nur über den Kaiser, sondern de facto eine Zeitlang über das ganze Reich herrschten, gab es in China einige, zum Beispiel die schöne Yang Guifei. Solche, die auch offiziell herrschten, gab es nur zwei: Wu Zetian und Cixi, mit der das Kaiserreich zuende ging. Doch ließ sich Cixi bis zum Ende stets "Kaiserinmutter" nennen. Nur Wu Zetian, die von 690 bis 705 herrschte, nannte sich auch offiziell Kaiserin. Sie hoffte, eine neue Dynastie zu begründen (Zhou-Dynastie), blieb jedoch nur ein Intermezzo innerhalb der ruhmreichen Tang-Dynastie.
Dass sie eine der umstrittensten Herrscherfiguren in Chinas Geschichte ist, versteht sich von selbst. Dazu gehört auch, dass ihr vielfach (ähnlich wie Katharina der Großen) zahllose Bettgeschichten mit namhaften und namenlosen Männern zugeschrieben werden, angeblich auch in ihrer Zeit als Kaiserin, obwohl sie zu deren Beginn schon 65 Jahre alt war. Die historische Wahrheit ist längst unauffindbar, weil das Frisieren der Geschichte (samt Produzieren gefälschter und Vernichten echter Dokumente) in China stets üblich war und ist. Mao war übrigens von der Kaiserin fasziniert und fand sie "halb gut, halb schlecht". - Der Filmklassiker von 1939 zeigt die kaiserlichen Männer als Schwächlinge und Wu Zetian als durchtriebene Schönheit. Wie auch in vielen anderen frühen Tonfilmen in China ist die Sprache langsam und deutlich, also auch für Anfänger leicht zu verstehen.

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"Destiny" 喜禾, China 2016. Drama von Zhang Wei 张唯, mit Zhao Ju 赵炬, Huang Jingyi 黄精一, Feng Wei 冯钧. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

《喜禾》为深圳市华浩影视有限公司2016年出品的现实主义题材电影,由张唯执导。 [1]  《喜禾》讲述了一个被诊断为自闭症的9岁儿童喜禾在母亲田琳的坚持下到普通学校上学的故 事。同学们和家长们对喜禾的情况和他的间歇性发作感觉越来越恐惧,家长们要求校 方开除喜禾,送他去特殊学校。尽管如此,田琳拒绝妥协,喜禾得以第四次被留在学 校,和同学们一起学习,直至局面变得无法控制。在这部感人至深的电影里,我们最 终了解为什么田琳执意要让喜禾尽可能地像正常的孩子一样被养育,我们也见证了一 个偏执母性背后的挣扎

Der Film spielt in Shenzhen. Er zeigt die Probleme einer Familie mit einem autistischen Kind. Tian Lin, die Mutter des 8-jährigen Xihe, will ihr autistisches Kind nicht in einem Heim wegsperren. Mit allen Kräften versucht sie, ihm einen normalen Schulbesuch zu ermöglichen. Immer wieder weist sie darauf hin, dass es sich bei ihrem Sohn nur um einen "milden Autismus" handele. Doch in der Vorgeschichte des Films musste der Junge immer wieder Schulen verlassen, weil er in bestimmten Situationen aggressiv reagiert hatte. Die Schule, die er jetzt besucht, ist der letzte Versuch. Doch obwohl die Schulleitung sich Mühe gibt, kann sie sich gegen die immer energischer agierende Front besorgter Eltern nicht durchsetzen.
Da Xihe unbedingt jeden Morgen mit der U-Bahn zu Schule fahren will, gibt die Mutter ihren Job auf und unterrichtet ihn selber in einer U-Bahn-Station. Das wird gefilmt und ins Internet gestellt – worauf der Fall plötzlich im Licht sensationshungriger Medien steht. Das führt im Film zwar zu dem Aufruf, autistischen Kindern eine Chance zu geben. Doch eine Lösung findet sich nicht einmal hier, inmitten einer scheinbar gutwilligen Medien-Umgebung.
Wie vieles andere aus dem Westen ist in China zwar der Begriff "Psychologie" verbreitet, nicht aber deren Verständnis. Das zeigt sich z.B. in TCM-Büchern, wo "Depression" unmittelbar neben "Wahnsinn" steht. Es zeigt sich auch an inadäquaten Übersetzungen wie 神经官能症 (wörtlich "organisches Nervenleiden") für "Neurose", oder wenn etwa "Psychose" nicht nur als 精神病 ("Geisteskrankheit") übersetzt wird, sondern sogar als 神经变态 ("Geistes-Perversion"). Kein Wunder, dass die Unklarheit beim Spektrum der Autismus-assoziierten Syndrome noch viel größer ist. Auch im Film ist da ein Widerspruch: Im ersten Teil sagt der Mann zu seiner Frau: "Autismus ist nicht erblich, also sollten wir noch ein Kind haben". Doch im zweiten Teil wird erläutert, warum die Mutter so energisch versucht, Xihe ein normales Leben zu ermöglichen: Als sie mit Mann und Sohn ihr Heimatdorf und ihre alte Mutter besucht, sehen sie dort ihren älteren Bruder, der als "Wahnsinniger" in einem Käfig eingesperrt ist. Also doch erblich?
Doch auch in der Stadt ist aus westlicher Sicht einiges erstaunlich. Außer in besagtem Dialog machen die Eltern weder untereinander noch im Gespräch mit Ärzten einen Versuch, das Wesen des Autismus zu verstehen. Es gibt auch abgesehen vom Schulbesuch keine Versuche, die Situation zu verbessern. Methoden wie Ergotherapie oder Psychotherapie werden nicht einmal erwähnt, geschweige denn versucht (unabhängig davon, dass die Eltern beides mit Sicherheit selber bezahlen müssten). Auch Selbsthilfegruppen scheint es nicht zu geben. So wirken die verzweifelten Versuche der Mutter, die "Bestimmung" ("Destiny") von Xihe zum Positiven zu wenden, nahezu ausweglos – obwohl der Film darauf hinweist, dass ca. 1 Prozent aller Kinder in China an Autismus leiden
Doch so schlimm das auch klingt: unterm Strich ist dieser Film noch geradezu schönfärberisch. Behörden und Schulleitung sind im Prinzip wohlwollend. Die Familie hat ein Auto und genug Geld. Der Autismus von Xihe ist in der Tat "mild": Der Junge spricht und reagiert; aggressiv wird er nur dann, wenn seine Bedürfnisse ignoriert werden. Und das Wichtigste: Der Ehemann steht fest zu seiner Frau und dem autistischen Sohn.
Eine andere Realität zeigt immer noch unübertroffen ein Film, der jetzt schon fast 30 Jahre alt ist: nämlich "Mama 妈妈" von 1990, der Erstlingsfilm von Zhang Yuan. Dongdong, das autistische Kind in diesem Film, ist schweigend destruktiv, auch sich selber und seiner Mutter gegenüber. So geht erst der Mann weg, dann verliert die Frau die Arbeit, zuletzt den Lebensmut ... wenn Interesse besteht, werden wir auch "Mama" bei Gelegenheit im Chinaclub zeigen.
Doch auch so ist "Destiny" angesichts der tiefen Problematik, die der Film schildert, unbedingt sehenswert.

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Xi Ju Wang  喜剧王 ("King of Comedy")
Doppelgänger-Komödie von Tang Yu, China 2012. Mit Suen Hing, Jiu Kong, Du Haitao, Zhang Wenqi. 88 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Lin Zhuosheng (Suen Hing) ist ein berühmter Schauspieler, dem die Fans in Shanghai zu Füßen liegen. Sein Manager schleppt ihn von einem Werbetermin zum nächsten, und das fällt Lin so auf die Nerven, dass er dringend eine Auszeit verlangt. Die bekommt er tatsächlich, allerdings ohne sein Zutun. Bei einem Termin in dem obskuren Dorf Xiaoxiao trifft das Team in einem Restaurant nämlich auf Shi Dawei (ebenfalls Suen Hing), den Sohn der Chefin, der dort als Koch arbeitet – und der ist ein exakter Doppelgänger des Schauspielers.
Irrtümlich schleppt ihn der Manager nach Shanghai, belässt es dann aber bei dem Irrtum, da er glaubt, Shi Dawei ausnutzen zu können. Der genießt er es, als Star angehimmelt zu werden, während sich Lin Zhuosheng als Shi Dawei durchschlagen muss ... wobei der eine in Shanghai, der andere in dem Dorf Xiaoxiao alles durcheinanderbringt ... bis sich beide am Schluss verbrüdern. – Kein Arthaus-Film, aber passable Unterhaltung für Comedy-Freunde.

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Xi Que Ling Cha Ge 喜鹊岭茶歌 ("Tea Song of the Xique Mountains")
Drama von Yu Shibin, Hong Ping, China 1982. Mit Wang Qingbao, Zhao Chungchang, Ren Yexiang, Xing Mali. 96 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Auch dies ist kein Arthaus-Film. Aber es ist immerhin ein Streifen aus den ruhmreichen 80-er Jahren – und überdies einer der ersten Filme in China, die für eine ökologische Landwirtschaft eintreten. Auch er zeigt bei aller äußeren Heiterkeit den Ernst dieser Zeit, und die Zuversicht auf kommende bessere Zeiten. Doch die Elemente von 30 Jahren Propaganda scheinen noch auf Schritt und Tritt durch. Zum Beispiel die Kunst, die Schrecken der Vergangenheit nach Kräften zu verschweigen. Oder die Gewohnheit, die Besonderheiten einer Minorität auf ihre bunte Kleidung und ihre hübschen Gesänge zu reduzieren, welche abwechselnd in Solo- und Chorgesängen vorgeführt werden. Auch die Kunst, junge Männer unter lauter hübschen Frauen zu zeigen, ohne dabei auch nur den kleinsten Funken Erotik anzudeuten, gehört zu den Hinterlassenschaften sozialistischer Filmdramaturgie.
Die Handlung spielt 1979 bei der She-Minorität, und zwar in einem Tee-Anbaugebiet. Die Teepflanzen sind von einer Krankheit befallen, offenbar durch Insekten verursacht. Man bittet ein Forschungsinstitut um Hilfe, doch da ist gerade niemand abkömmlich. Also schickt man einen jungen Koch, der sich im Selbststudium einmal mit der Frage der Insektenbekämpfung befasst hat. Man heißt ihn als "Experten" willkommen (damals ein Schlüsselwort in Chinas Entwicklung, das auch uns Ausländern, die wir in dieser Zeit in China arbeiteten, für einige Jahre hohes Ansehen verschaffte).
Weil er ein ehrlicher Kerl ist, macht ihn das verlegen, doch er versucht, sich durch das Studium der Literatur auf den Stand des Faches zu bringen. Am Anfang gibt es auch für ihn (wie damals offenbar in ganz China) als Mittel gegen die Insekten nichts anderes als massenhaft eingesetzte Pestizide (und man schaudert, wenn man sieht, wie diese Gifte versprüht wurden – ohne dass jemand auch nur einen Mundschutz tragen würde, geschweige denn eine Schutzmaske). Doch dann kommt aus der Stadt die Nachricht, dass die Tee-Ernte nicht exportiert(!) werden könne, weil sie zuviel Giftstoffe enthalte. Folglich suchen die jungen Leute nach biologischen Methoden, um die schädlichen Insekten zu reduzieren. Sie treffen auf Widerstand derer, die ihre eingefahrenen Bahnen nicht verlassen wollen, doch am Ende setzen sie sich durch – und als logische Kehrseite des filmischen Erotikverbotes kommt es neben dem Erfolg in der Sache auch zur Liebe und zu Eheschließungen. Also das, was auch Deutschlands Grüne sich stets erträumt haben: Dass man sie zum Dank für die Rettung der Welt nicht nur wählt, sondern bitte bitte auch liebt.

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Xi Xiang Feng 喜相逢 ("Dreams Come True")
Verwechslungs-Komödie von Bu Wancang, Hongkong 1960. Mit Kitty Ting Hao, Kelly Lai Chen, Liu Enjia. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Oberflächlich gesehen ist dieser Film eine romantische Aschenputtel-Geschichte, mit der damals äußerst populären Kitty Ting Hao in einer Doppelrolle. Fangfang, eine hübsche Blumenverkäuferin mit nichtsnutzigem Stiefvater und abstoßender Stiefmutter, lernt den Sohn der wohlhabenden Familie Peng kennen. Dort wartet man gerade auf die Ankunft des reichen Fräulein Feng aus den USA, und aufgrund einer Verwechslung glaubt man, Fangfang sei die Erwartete. Natürlich kommt es zu Komplikationen, zumal dann, als die Erwartete wirklich eintrifft, jedoch für eine Schwindlerin gehalten wird. Doch am Ende wird alles gut, und der Sohn heiratet die Schöne.
Also eine Komödie ... doch unter der netten Oberfläche steckt mehr. Da ist zum einen die Existenz von Bu Wancang, einem der wichtigsten Regisseure des frühen chinesischen Films - der sich aber nach der japanischen Invasion mit den Besetzern eingelassen hatte und jetzt seinen Unterhalt in Hongkong mit solchen Streifen verdienen musste. Erst recht das Frauenbild dieser Filme, mit dem Ideal des hübschen Püppchens, das allen Respektspersonen gegenüber ängstlich und gehorsam ist, und das sich nur Dienern und dem Partner gegenüber Selbstbewusstsein erlauben darf. Aus heutiger Sicht ist es kaum zu verstehen, dass die Frauen dieser Zeit im Kino nicht aufstanden und laut protestierten - und wenn sie es taten, dann still und nach innen gerichtet, so wie Kitty Ting Hao, die 1967 im Alter von 27 Jahren mit Suizid aus dem Leben ging.

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Xi Ying Men  喜盈门 ("In-Laws")
Ländliches Beziehungsdrama von Zhao Huanzhang, China 1981. Mit Wang Shuqin, Wang Yumei, Yu Sahokang. 100 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Auch dies ein Klassiker aus den 80er-Jahren. Er spielt in einem Bergdorf im nördlichen China. Heute, für die Luxuskinos in Peking oder Shanghai, würde natürlich niemand mehr einen Film über Bauern drehen - insofern schließt sich der Film thematisch an all die ländlichen Propagandafilme an, die nach 1949 gedreht wurden. Aber anders als in diesen stereotypen Polit-Streifen spielt hier Politik oder Ideologie kaum eine Rolle. Sondern es geht vor allem um die Konflikte innerhalb einer einzigen Großfamilie, samt angeheirateten Schwiegertöchtern und deren Familien.
Die Konflikte beginnen mit einem Päckchen Stoff, das die unverheiratete Renzhen von ihrem Verehrer geschenkt bekommt. Das erweckt den Neid der Schwägerin Qiangying, die von nun an pausenlos intrigiert. Sie schafft es, die Großfamilie aufzulösen und mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in ein anderes Haus ziehen. Doch nun stellt sich die Frage: Wer sorgt für die Großeltern? - und es schließt sich ein Drama wie in Shakespeares "King Lear" an. Als letztes Zugeständnis an die früheren Propagandastreifen, in denen teils gnadenlos verteufelt, teils hemmungslos geschönt wurde, gibt es hier ein Happy-End: Die böse Qiangying bereut, kehrt zurück und entschuldigt sich. Wenn man das streicht, hat man die Realität: Selbst auf dem Dorf sind heute Scheidungen an der Tagesordnung, und Versorgung und Betreuung der Alten sind zu einem Problem geworden, das in absehbarer Zukunft Chinas sozialen Konsens zu sprengen droht.

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XI YOU JI 西游记 ("Reise nach Westen")
TV-Serie von 1986. 41 Folgen, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 4 Jahre

Die "Reise nach Westen" ist neben den "Rebellen vom Liangshan-Moor" der beliebteste chinesische Volksroman. Obwohl es eigentlich um die Reise des Mönchs Xuanzang geht, der aus dem Westen die heiligen buddhistischen Skripten holen soll, ist der wahre Held natürlich der rebellische Affenkönig Sun Wukong. Vergleichen mit diesem sind solche hirnrissigen US-Figuren wie Superman, Spiderman oder Batman müde Schlappschwänze. Bemerkenswert sind aber nicht nur seine Fähigkeiten, die ihn alle Monster und Dämonen bezwingen lassen. Noch wichtiger ist ein Aspekt, der den Roman seit jeher den Herrschenden in China verdächtig machte: Dem Affenkönig fehlt jeglicher Respekt vor den Wohlhabenden und Mächtigen, ja sogar vor den Göttern. Während der Konfuzianismus ganz nach dem Geschmack der Herrschenden ein Menschenbild gehorsamer Schleimer propagiert, zeigt die "Reise nach Westen" ebenso wie die "Rebellen vom Liangshan-Moor" die anarchische Seite der chinesischen Mentalität.
Filmtechnisch (vor allem im Blick auf die Trickaufnahmen) ist diese TV-Serie von 1986 natürlich noch ziemlich hinter dem Mond. Dennoch ist sie durch die überragende Darstellung des Sun Wukong bis heute unerreicht. Inzwischen gibt es sie zum Glück auch mit englischen UT - also viel Vergnügen mit dem köstlichen Super-Rebellen Sun Wukong.

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XI YOU XIANG MO PIAN 西游·降魔篇 ("Journey to the West – Conquering the Demons")
Von Stephen Chow, Hongkong 2013, 107 min. Mit Shu Qi, Wen Zhang und Huang Bo. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Hier ist er, der neue Film von Stephen Chow - auch wenn er diesmal nur Regie führt und keine Hauptrolle spielt. Ansonsten aber, vor allem am Anfang: ein Feuerwerk an überkandidelten, gelegentlich die Grenzen des guten Geschmacks überschreitenden Gags. Dabei scheut sich der Regisseur nicht, auch Konventionen und Sehgewohnheiten zu missachten, etwa wenn er gleich am Anfang erst einen liebevollen Vater, dann ein liebenswertes kleines Mädchen und anschließend auch noch deren zu allem entschlossene Mutter einem Ungeheuer zum Opfer fallen lässt.
Es dauert eine Weile, bis sich zeigt, worum es in dem Film geht: nämlich - wie der Titel erwarten lässt - eine Geschichte im Umkreis der mythischen "Reise nach Westen" des Mönchs Xuanzang. Allerdings geht es nicht um die Reise selber. Geschildert wird vielmehr die Vorgeschichte, in deren Verlauf Xuanzang zu seinen drei Begleitern kommt. Das sind in dem Film vor allem Schweinskopf Zhu Bajie und der Affenkönig Sun Wukong, und nur am Rande der Dritte im Bund, nämlich Sha Wujing. Doch fehlt es auch hier nicht an der schönen Verführerin, die Xuanzang unbedingt um seine mönchische Unschuld bringen möchte, hinreißend gespielt von Shu Qi.
Allerdings hat man das Gefühl, dass der Film nach der spektakulären ersten Viertelstunde in eher konventionelle Muster übergeht. Zwar ist der Affenkönig hier einmal ganz anders gezeichnet als sonst, nämlich nicht als respektloser, unbekümmerter Plebejer, der die gesittete Oberklasse der Himmelsbewohner erschreckt und verspottet. Vielmehr tritt er als bedrohliches Ungeheuer in Erscheinung, nicht anders als das Schweinemonster, aus dem später (allerdings nicht in diesem Film), der träge, verfressene und neidische Zhu Bajie wird. Aber der Weg des unbedarften Xuanzang durch Teufel und Monster auf der einen und schöne Verführerinnen auf der andern Seite verläuft nicht viel anders, als man dies aus anderen Filmen kennt, etwa in "A Chinese Ghost Story" mit Leslie Cheung. Wie in diesen Filmen üblich, so interessiert die historische Figur des realen Xuanzang auch Stephen Chow nicht im geringsten. Dabei wäre diese Frage gerade heute spannend:. Glaubte damals, in der Blütezeit der mächtigen Tang-Dynastie, ernsthaft jemand, das spirituelle Heil des Landes im Westen suchen zu müssen? Und gab es die Reise des Xuanzang wirklich? Und wenn es sie gab, warum ist dann der chinesische Buddhismus in so vielen Aspekten ganz anders als der ursprüngliche, also der indische? Das alles spielt in den Filmen mit dem harmlosen Comic-Xuanzang und dem Superaffen Sun Wukong keine Rolle, auch in Stephen Chow’s neuem Werk nicht. Es ist eben ein Genrefilm, der nichts anderes soll als den Zuschauer amüsieren Und das tut er alles in allem ziemlich gut.

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Xi Zhao Jie 夕照街 ("Sunset Street"), China 1983. Alltagsfilm-Klassiker von Wang Haowei 王好为, mit Chi Zhiqiang 迟志强, Zhang Guomin 张国民, Song Xiaoying 宋晓英. 100 min, Chinesisch OHNE Untertitel. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

北京的南城有一条叫夕照街的胡同,里面的四合院里住着五六家普通的市井百姓,他 们对生活的要求也普通的很。待业青年石头(迟志强 饰)只想能找个工作挣点钱,给守寡的母亲买身衣服。退休工人郑万全(干绍康 饰)则想组织待业青年办一个大联社,让更多的人吃上濒临失传的京味老豆腐。他的 想法得到了石头等人的响应,大家纷纷出主意想办法,跑执照的,选地址的,忙个不 亦乐乎。优秀教师王璞(江水 饰)就想能有一张批作业的写字台。而一心想嫁到国外去的小娜(刘岩 饰)和万人嫌父亲李鹏飞(李丁 饰)也没少被别人骗。老孙头(陈强 饰)整天迷在扑克牌上而疏于对二子(陈佩斯 饰)的管理。随着时间的流逝,人们的观念起了变化,各自的愿望也逐步实现了...

Nach Jahrzehnten politischer Indoktrinierung brachten die Filme der 80er-Jahre endlich wieder das Leben der normalen Leute auf die Leinwand. Hier nun ist es der Alltag von Bewohnern der Pekinger Xizhao Jie, also der "Sunset Street". Die Häuser verfallen, und die neue Zeit bringt neue Probleme, aber auch neue Hoffnungen und Chancen. Am Ende erfahren die Bewohner, dass die alten Häuser abgerissen und durch Neubauten werden sollen. Doch was wenige Jahre später schon als Verlust gesehen wurde – sowohl städtebaulich wie in sozialer Hinsicht – wird hier noch mit Vorfreude auf das gesehen, was damals als "Fortschritt" empfunden wurde. Leider ohne englische Untertitel, daher nicht im großen Raum.

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Xia Dao Lian Meng 侠盗联盟 ("Adventurers"), Hongkong 2017. Action-Thriller von Stephen Fung 冯德伦, mit Andy Lau 刘德华, Shu Qi 舒淇, Jean Reno, Zhang Jingchu张静初, Tony Yang杨莹莹, Eric Tsang曾志伟. 109 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

江洋大盗张丹(刘德华饰)在一次行动中遭遇黑吃黑,失手被擒入狱。 三年后, 出狱的张丹会合老搭档小宝(杨祐宁饰), 与新入伙的叶红(舒淇 饰)联手, 在追捕自己多年的法国警探皮埃尔(让•雷诺 饰)眼皮底下盗窃得手。
小试身手之后,张丹找到宝物的买家——与自己情同父子的犯罪组织头目金刚(曾志 伟
饰), 二人重逢之后, 张丹接到新的任务。 与此同时, 为将张丹一伙人捉拿归案, 皮埃尔说服对张丹因爱生恨的前女友Amber(张静初 饰)加入追捕行动。
从戛纳到布拉格,跨越欧洲大陆的猫鼠游戏正激烈上演。几次短兵相接后,张丹的行 踪逐渐被皮埃尔掌握。而随着一行人接近终极目标,张丹的真实计划也逐渐浮出水面 。。。

Bei solchen Thrillern haben es die besten Hongkonger Regisseure inzwischen zur Meisterschaft gebracht. Auch die Crew ist erlesen: Andy Lau, Shu Qi, Jean Reno, Eric Tsang – besser geht's nicht. Und eine international spielende Orte der Handlung – hier sind es Prag, Cannes und die Ukraine – verstehen sich von selbt.
Die Story: Fünf Jahre hat Zhang Dan (Andy Lau) im Gefängnis gesessen. Er hatte das zweite von drei exquisiten Schmuckstücken gestohlen, die zusammen das sagenumwobene "GAIA" bilden. Für ihn sollte es der letzte Coup sein, bevor er seine Verlobte Amber Li (Zhang Jingchu) heiraten würde. Doch er wurde von zwei Personen verraten, eine davon seine Verlobte Amber, die sich von ihm verlassen fühlte. Darum arbeitet sie jetzt voller Hassliebe mit dem französischen Polizisten Pierre Bissette zusammen, der nur ein Ziel hat: Zhang Dan für immer hinter Gitter zu bringen.
Doch auch Zhang Dan will den damaligen Verräter finden. Onkel Kong, sein väterlicher Freund, beauftragt ihn, in Prag das dritte Stück von "GAIA" zu stehlen. Das wird, mit der allerbesten Technik gesichert, von einem Milliardär in einem Schloss in Prag aufbewahrt. Neben seinem alten Kumpel Bao Chen (Tony Yang) soll Zhang mit der schönen und raffinierten Ye Hong (Shu Qi) zusammenarbeiten.
Es entwickelt sich ein Wettlauf zwischen der Gruppe Zhang einerseits und dem Polizisten Bisset und Amber Li andererseits. Natürlich gelingt der Coup, wenn auch unter größter Lebensgefahr und mit Einsatz des ganzen Arsenals technischer Mittel, schlauer Computer und raffinierter Roboter. Auch halsbrecherische Verfolgungsfahrten fehlen nicht, und am Ende kommt es zu einem atemberaubenden Karussell von Verrat, Seitenwechseln und Enthüllungen ... in dem dann aber doch der Schurke entlarvt und bestraft wird, während die Guten in Form von zwei glücklichen Paaren überleben. Bis zum Happyend unterhaltsam und rasant!

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Xia You Qiao Mu Ya Wang Tian Tang ("Sweet Sixteen") 夏有乔木雅望天堂, China/Südkorea 2016. Drama von Jo Jin-kyu, mit Kris Wu 吴亦凡, Lu Shan 卢杉, Han Geng 韩庚, Bao Bei'er  包贝尔. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

年少的夏木(吴亦凡饰)因亲眼目睹母亲自杀而变得自我封闭,直到16岁的舒雅望( 卢杉饰)出现,用温暖关怀渐渐融化夏木的心。雅望青梅竹马的恋人唐小天(韩庚 饰)高中毕业后进入军校,不料就在唐小天就读军校期间,曲蔚然(周元饰)出现并 摧毁了雅望的生活,也让夏木在绝望之下做出疯狂行径……夏木、雅望、唐小天,他 们还能找回曾经的那个天堂吗 。。。

Diese Koproduktion zeigt einmal mehr die Bedeutung der südkoreanischen Jugendkultur  für China. Das ist kein Wunder, denn die Rollenkonflikte der jungen Generation (zumal der Frauen) in den beiden konfuzianisch geprägten Ländern sind ähnlich. Was den Film betrifft, so stammt nicht nur Regisseur Jin-gyu Cho aus Südkorea, sondern auch Sänger-Schauspieler Joo Won (der den brutalen Manager spielt). Und Kris Wu - hier als Xiamu die männliche Hauptrolle - wuchs als geborener Chinese in Kanada auf, bevor er als Sänger der chinesisch-koreanischen Boy Band EXO berühmt wurde.
"Sweet Sixteen" ist übrigens irreführend; der chinesische Titel enthält lediglich die Vornamen der Hauptpersonen. Die Story: Yawang (Lu Shan) und ihr Klassenkamerad Xiaotian (Han Geng) scheinen seit der Schulzeit füreinander bestimmt. Noch während dieser Zeit übernimmt Yawang die Betreuung von Xiamu, einem traumatisierten Waisenjungen. Dann ein Sprung: Nach dem Studium tritt sie ihre erste Arbeitstelle an. Auch Xiaotian wird die Militärakademie bald abgeschlossen haben, also verloben sie sich. Doch auch der inzwischen 17-jährige Xiamu (Kris Wu) entdeckt seine Liebe zu Yawang. Als sie von einem aufdringlichen Manager vergewaltigt wird, dringt er mit einer Pistole bei diesem ein und verletzt ihn lebensgefährlich. Um Xiamu vor dem Gefängnis zu bewahren, ist Yawang bereit, den Vergewaltiger heiraten ... wie es weitergeht, erzählt der Film.
In einer verräterischen Szene sagt Yawang einmal: "Was kann eine Frau denn anderes machen als weinen?" Nichts könnte deutlicher zeigen, wie weit China immer noch vom westlichen Rollenbild der Frau entfernt ist - gar nicht zu reden von Phänomenen wie der "MeToo"-Bewegung.

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XIAN ZAI ZHONG GUO CHENG 现在中国城 ("Now Chinatown")
Von Steven Dunning, USA 2000, 112 min. Mit Lianne X. Hu und Steven Dunning. ENGLISCH  mit chinesischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Die junge Lee arbeitet seit drei Jahren in einem Restaurant in Chinatown, Los Angeles. Ihre Familie hat sie von China hierhin geschickt, damit sie das Geld für die medizinische Behandlung ihrer Großmutter verdient. Sie lebt wie eine Sklavin; alle kommandieren sie herum. Eines Tages setzt sich ein Kunde für sie ein, als sie zu Unrecht beschuldigt wird, etwas zerbrochen zu haben. Es entwickelt sich eine Beziehung, in deren Verlauf die junge Lee anfängt, zu sich selber zu finden und am Ende ihren eigenen Weg zu gehen.
Steven Dunning ist ein junger Filmemacher, der mit diesem Film ein interessantes Erstlingswerk vorgelegt hat. Er schrieb das Drehbuch, machte das Casting, führte Regie und spielte die Hauptrolle. Nebenbei leitete er die Produktion, und es gelang ihm, mit fast keinem Budget den Film in 18 Tagen abzudrehen. Angesichts der Einschränkungen, die sich zwangsläufig daraus ergeben, ist ihm ein bemerkenswertes Werk gelungen, in dem sich neben dem Leben von Chinesen in den USA das Chinabild junger US-amerikanischer Intellektueller zeigt. (Achtung: in diesem Film sprechen sogar die Chinesen untereinander englisch; dazu gibt es chinesische Untertitel).

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Xiang Qing 乡情 ("Sehnsucht nach dem Heimatdorf")
Drama von Hu Bingliu und Wang Jin, China 1981. Mit Huang Xiaolei, Ren Yexiang, Wu Wenhua, Huang Jinshang. 96 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Was Chinas geleckten Mainstream-Produktionen heute so schmerzlich fehlt, zeigt dieser Film von 1981: Psychologie, Empathie und der Mut, gesellschaftliche Realitäten offen zu zeigen, eingeschlossen die der neuen Machthaber. Die Story beginnt 1956 auf dem Land, in einer wasserreichen Gegend, vielleicht Anhui. Hier lebt der 20-jährige Tiangui zusammen mit seiner Mutter Tian Qiuye und seiner Adoptivschwester Cuicui. Von klein auf aneinander gewöhnt, wollen die beiden heiraten. Doch als sie eine Heiratsurkunde beantragen, verzögert der Beamte das Verfahren.
Es stellt sich heraus, dass ein mächtiges Politiker-Ehepaar aus der Provinzhauptstadt schon lange nach der Mutter Tian Qiuye sucht. Denn diese, so zeigt sich jetzt, hat nicht nur das Mädchen Cuicui an Kindes statt angenommen, sondern 1936 auch den kleinen Tiangui. Dessen leibliche Eltern Kuang Hua und Liao Yiping waren damals Guerilla-Kämpfer im Untergrund. Sie mussten flüchten und konnten ihren drei Monate alten Sohn nicht mitnehmen. Die junge Tian Qiuye, damals gekaufte Konkubine eines GMD-Obersten, nahm den Jungen zu sich und zog ihn groß, zusammen mit der später adoptierten Cuicui.
Jetzt, 20 Jahre danach, sind die leiblichen Eltern des Jungen hohe Tiere in der Bezirkshauptstadt, Kuang Hua als Politkommissar und Liao Yiping als Direktorin. Und nun zeigt sich die latente Verachtung, die in China damals wie heute gegenüber dem Landleben und den Bauern herrscht. Für Kuang Hua und Liao Yiping (ebenso wie für die Kameraden des Tiangui und die anderen Dorfbewohner) ist es selbstverständlich, dass der junge Mann so schnell wie möglich zu den leiblichen Eltern in die Stadt kommt.
Versteht sich, dass vor allem die leibliche Mutter Liao Yiping mit allen Mitteln versucht, den Sohn von seinen ländlichen Wurzeln zu lösen. Als erstes bekommt er seinen Geburtsnamen zurück, heißt ab jetzt nicht mehr Tiangui, sondern Kuang Shaohua. Dann kommt er in eine Sonderschule für Kaderkinder, und die Mutter Liao Yiping fördert auch die Beziehung zu einer gebildeten jungen Frau. Zwar nimmt das Funktionärs-Ehepaar schließlich die Heirat mit Cuicui hin. Doch bis zuletzt kämpft die von der Guerrilla-Kämpferin zur Funktionärin gewordene Liao Yiping dagegen, dass auch Tian Qiuye mit ihrem Hintergrund als frühere GMD-Konkubine bei ihnen einzieht. Und das, obwohl sich zuletzt zeigt, dass Tian Qiuye damals nicht nur dem Baby das Leben gerettet hatte, sondern auch Liao Yiping selber.
Erschütternd ist die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Film das alles zeigt. Als alte Revolutionäre waren und sind Kuang Hua und Liao Yiping natürlich Parteimitglieder – und selbstverständlich leben sie jetzt im Wohlstand, nutzen und genießen ihre Macht. Ist das überraschend? Dass Revolutionäre, wenn sie an die Macht kommen, bald nicht mehr als Revolutionäre denken, sondern als Mächtige? Jeder in China weiß das, aber es im Film zu zeigen ist heute ein Tabu – weshalb dann die Filmemacher, wenn sie ihre Sehnsucht nach Macht und Reichtum zeigen wollen, so gerne ins Kaiserreich emigrieren. Um so mehr macht es diesen ehrlichen Film aus dem Jahr 1981 sehenswert.

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Xiao Er Nü  小兒女 ("Father Takes a Bride")
Drama/Romanze von Wang Tianlin, Hongkong 1963. Mit You Min, Lei Zhen, Wang Yin, Wang Lai. 91 min, Schwarzweiß, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Ein Film aus der heilen Welt im Hongkong der 60er Jahre, als das Wort "Stiefmutter" noch ein Schreckensbegriff und Konzepte wie "Patchwork-Familie" Jahrzehnte entfernt waren.
Die Story: Nach dem Tod seiner Frau lebt der Schullehrer Wang mit den beiden 8 und 9 Jahre alten Söhnen und seiner inzwischen erwachsenen Tochter Jinghui, die für die jüngeren Brüder eine Art Mutterersatz ist. Doch dann freundet sich der Vater mit seiner Kollegin Frau Li an, während Jinghui mit Sun Chuan ausgeht, einem früheren Klassenkameraden.
Als die Söhne merken, dass der Vater die Kollegin heiraten will, verfallen sie aus Angst vor dem Schreckenswort "Stiefmutter" in Panik und laufen weg. Die Suche nach den beiden setzt alle in Bewegung und führt am Ende zu einer glücklichen Lösung.

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XIAO HAI 小海  ("Xiao Hai")
Kinderfilm von  Duan Bing, China 1981. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Xiao Hai interessiert sich brennend für den Bau von Flugzeugmodellen. Zuerst ist die Mutter dagegen, weil sie fürchtet, die Schule würde darunter leiden. Aber der Vater unterstützt die Begeisterung des Jungen, der mit seinen Aktivitäten viele neue Freunde gewinnt. Als auch seine Leistungen in der Schule gut bleiben, gibt die Mutter ihren Widerstand auf. Am Ende kann Xiao Hai mit Erfolg an einem Wettbewerb für Flugmodelle teilnehmen.

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XIAO HONG  萧红  ("Falling Flowers")
Von Huo Jianqi, China 2012. Mit Song Jia, Huang Jue, Wang Renjun. 115 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Huo Jianqi verdanken wir (z.B. in "Nuan" oder "Postman in the Mountains") einige der psychologisch einfühlsamsten chinesischen Filme. Hier nun der Film über Xiao Hong, diese hochtalentierte junge Schriftstellerin (1911-1942), die nach einem ruhelosen Leben im Alter von 31 Jahren in Hongkong starb. Der Film beginnt am Ende, in einer schäbigen Unterkunft, wo die todkranke Schriftstellerin einem jungen Mann ihr Leben erzählt. Geboren in einer reichen Familie in Heilongjiang, flüchtet sie mit 19 Jahren, um einer arrangierten Ehe zu entgehen. Der Verlobte spürt sie auf und verlässt sie, nachdem er sie geschwängert hat. Mühsam schlägt sie sich durch, indem sie Geschichten für eine Zeitung schreibt. Deren Redakteur wird die Liebe ihres Lebens, mit dem sie in den 30er Jahren ein romantisch-kümmerliches Dasein im Kreis der Shanghaier Intellektuellen führt. Auch mit Lu Xun kommt sie zusammen, der ihre Texte lobt und der jungen Schriftstellerin hilft, ihre ersten Bücher gedruckt zu bekommen.
Eine Schwäche des Films (wie oft, wenn es um das Leben von Schriftstellern geht) ist allerdings, dass neben den diversen Liebesgeschichten von Xiao Hong ihre Gedanken und ihre Texte beinahe zur Nebensache werden. Dennoch hätte dieser atmosphärisch dichte Film - und erst recht die Person der Xiao Hong - es verdient gehabt, als Hauptfilm im vorderen Raum gezeigt zu werden. Leider hat er keine englischen Untertitel, daher nur im kleineren Raum.

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Xiao Hua 小花 ("Little Flower")
PLA-Drama von Zhang Zheng, China 1979. Mit Joan Chen 陈冲, Liu Xiaoqing 刘晓庆, Tang Guoqiang 唐国强. 96 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Die Story (nach dem Roman "Heroes in Tongbai") folgt den Mustern von 30 Jahren Propagandafilmen, mit so ziemlich allem, was das Motiv-Reservoir der schlimmen alten und der heldenhaften neuen Zeit hergibt. Es ist das Jahr 1930, und die arme Bauernfamilie Zhao hat soeben aus lauter Armut ihre neugeborene Tochter Xiao Hua verkaufen müssen. Doch gleich darauf nimmt sie die ebenfalls neugeborene Dong Xiangkun auf, deren Eltern als Revolutionäre vor den bösen Guomindang-Truppen flüchten müssen (Warum die GMD-Soldaten in diesem Filmen meistens so böse sind, ist ein ungelöstes Rätsel – glaubt Chinas Propaganda, dass chinesische Soldaten, die einer Regierung dienen, gar nicht anders als böse sein können?). Das angenommene Mädchen erhält ebenfalls den Namen Xiao Hua. Nach dem Tod ihrer Adoptiveltern helfen sich Xiao Hua  (als 17-Jährige gespielt von damals 18-jährigen Joan Chen 陈冲) und ihr Adoptivbruder Zhao Yongsheng gegenseitig zu überleben – bis der Bruder, ebenfalls auf der Flucht vor GMD-Soldaten, zur PLA flieht. Zunächst vermisst, kehrt er nach 1947 in sein Dorf Tongbai zurück. Die sich anbahnende neue Zeit bringt eine Wiedervereinigung von Xiao Hua nicht nur mit dem Adoptivbruder, sondern auch mit ihren leiblichen Eltern sowie der anderen Xiao Hua, die ursprünglich verkauft worden war und jetzt als He Cuigu eine berühmte PLA-Guerrilla-Kämpferin geworden ist.
Was den Film von anderen gleicher Machart abhebt, sind vor allem zwei der damals noch blutjungen Hauptdarstellerinnen: neben Joan Chen die 1955 geborene Liu Xiaoqing刘晓庆, die später in Filmen wie "Hibiscus Town" (芙蓉镇) oder "Chun Tao" (春桃) brillierte, während Joan Chen in den USA zur wichtigsten chinesisch-amerikanischen Schauspielerin heranwuchs.
Der Film wurde mit Preisen überschüttet und gewann 1980 den "Hundred Flowers Award" sowohl als bester Film wie auch für Joan Chen als beste Schauspielerin, dazu für die beste Musik und für die beste Kamera.

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XIAO LIU 小六  ("Liuer")
Von Wang Huanwu, China 2006. Mit Zhao Yi, Li Xiaohong, Liu Jingyi. 90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Die Geschichte spielt in einer chinesischen Kleinstadt in der Zeit vor der Kulturrevolution. Erzählt wird die Geschichte von Xiao Liu, einem körperlich und geistig schwerstbehindertem jungen Mann. Er kann nur einige Laute stammeln, und auch das Laufen bereitet ihm Mühe. Doch er hat ein Talent: Mit Geschick und Begeisterung fertigt er interessante Tonfiguren. Seiner Mutter gelingt es, ihn bei einem Tonfiguren-Meister in die Lehre zu geben. Als die Mutter stirbt, kümmern sich seine Schwester und deren Mann um Xiao Liu, später auch der Sohn der beiden (aus dessen Perspektive der Film erzählt wird). Gezeigt werden die Probleme und Demütigungen des Behinderten, aber auch, wie sehr er die fröhlichen Augenblicke seines Daseins genießt, und wieviel tiefe Gefühle sich hinter seinen unbeholfenen Bewegungen und seinem oft zur Grimasse verzerrten Gesicht verbergen. So gelingt es dem Regisseur, Sympathie für einen Menschen zu wecken, an dem auf der Straße die meisten eilig vorbeisehen würden. Nicht nur in China, sondern auch im Westen hätte es dieser einfühlsame Film verdient gehabt, ein großes Publikum zu finden.

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XIAO SHI DAI 小时代 ("Tiny Times")
Von Guo Jingming, China 2013. 115 min, mit Mini Yang, Ke Zhendong, Amber Kuo, Guo Biting. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Kaum ein anderer Film war 2013 in China so erfolgreich wie dieser - und kaum einer gleichzeitig so umstritten. So hemmungslos hat noch kein Film gezeigt, was heute (zumindest nach Ansicht von Regisseur und Romanautor Guo Jingming) in den Köpfen von Chinas "Me-Generation" vorgeht: Geld, Glamour, Markenprodukte - und für junge Frauen das Finden eines reichen und schönen Partners. Demonstriert wird das an 4 jungen Frauen, die im mondänen Shanghai nach ihrer Erfüllung suchen, will sagen nach teuren Schuhen, Kleidern, Uhren, Restaurants sowie reichen und schönen männlichen Hohlköpfen mit blitzenden Nobelkarossen. Also ein unendlicher Reigen von unverfrorenstem Product Placement, das im alten Europa immer noch Empörung auslösen würde, ganz abgesehen von dem reaktionären Frauenbild, das hier vorgeführt wird. Empörung darüber gab es auch in China, und zwar nicht nur bei klassischen Kulturkritikern und politisch denkenden Kreisen - auch auf den großen Bewertungsportalen wie Douban erhielt der Streifen einhellig Schlechtestnoten. Dennoch räumte er an den Kinokassen ab, trifft also bei seinem Publikum den Nerv der Zeit.
Zusammen mit diesem Film wurde übrigens gleich sein Nachfolger "Tiny Times 2" gedreht, und auch der dritte Film in der Reihe wurde bereits fertiggestellt. Also auch im Blick auf Marketing und Markt-Abschöpfung offenbar das Produkt einer neuen Zeit, von der wir uns noch einiges in dieser Richtung erwarten dürfen.

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XIAO SHI DE ZI DAN 消失的子弹 ("The Bullet Vanishes")
Thriller von Lo Chi-Leung, Hongkong 2012. Mit Ching-wan Lau, Nicholas Tse, Yang Mi, Jing Boran. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Chinas wilde 30er Jahre, dazu ein Ermittler, den Kritiker als "chinesischen Sherlock Holmes" bezeichneten - das garantiert Spannung! Superintendent Song Donglu (exzellent gespielt von Ching-Wan Lau) wird beauftragt, eine geheimnisvolle Mordserie in einer Munitionsfabrik aufzuklären. Ihm zur Seite Guo Zhui, dessen Spürsinn ebenso bemerkenswert ist wie seine Schnelligkeit und Treffsicherheit mit der Pistole. Das Ganze in einer Fabrik, wo es unter den Arbeitern brodelt, während der korrupte Direktor Ding alle Mittel einsetzt, um die Belegschaft einzuschüchtern. Getarnt als "Gottesurteil", wird eine Arbeiterin vom Direktor hingerichtet. Ein Toter wird gefunden, an dessen Körper sich ein Einschussloch findet, doch im Körperinnern keine Spur einer Kugel. Aus einem Raum ertönt ein Schuss, doch die Ermittler, die sofort hineinstürzen, finden in dem Raum (der keine zweite Tür und keine Fenster hat) zwar den Toten, doch weder Waffe noch Mörder. Die leitenden Angestellten der Fabrik erweisen sich als korrupt, auch der Sicherheitsdienst ist bestochen. Die Versuche, die Ermittler auszulöschen, werden immer brutaler. Doch erst das Ende zeigt, wie tief die Korruption tatsächlich vorgedrungen ist.
Kleine Anmerkung: Die Allgegenwart der Bestechlichkeit, die sich in vielen chinesischen Filmen findet, hat ebenso wie die Bereitschaft des chinesischen Filmpublikums, sie überall vorauszusetzen, natürlich auch eine philosophische Komponente. Denn anders als die griechische Philosophie definiert der Konfuzianismus Dinge nicht "an sich", sondern anhand ihrer gegenseitigen Beziehungen. Was aber bleibt vom konfuzianischen Beziehungssystem, wenn man an seiner Spitze den Himmel eliminiert (marxistische Doktrin) und an seiner Basis die Großfamilie (durch die Ein-Kind-Politik)? Dann bleiben als universales Beziehungsprinzip offenbar nur Bestechung und Bestechlichkeit. Mit anderen Worten: Die Theorie des Konfuzianismus heißt Harmonie, seine Praxis heißt Korruption. (Was ich, auf Widerspruch hoffend, hier mal so eben vor mich hin schreibe).

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XIAO WAN YI  小玩意 ("Little Toys")
Von Sun Yu, China 1933. Mit Ruan Lingyu und Li Lili. Stummfilm, schwarzweiß, 103 min, mit englischen Zwischentiteln. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

80 Jahre alt ist dieser Film aus der Frühzeit des chinesischen Kinos. Doch sowie man sich mit Hilfe der englischen und chinesischen Zwischentitel  wieder an die Besonderheiten des Stummfilms gewöhnt hat, zieht einen dieser Film unwiderstehlich in seinen Bann. Wie in kaum einem anderen Werk gelingt es hier dem Regisseur Sun Yu, das Größte - das Schicksal Chinas und die Wirren Asiens - im scheinbar Kleinsten zu zeigen: handgemachte Spielzeuge. Was den Film jedoch vor allem prägt, ist die unvergessliche Ruan Lingyu. Sie, die bald nach diesem Film (am 8. März 1935) im Alter von 25 aus dem Leben ging, spielt hier eine ihrer größten Rollen, die hinter derjenigen in "Shennü" ("Goddess") nicht zurücksteht.
In "Xiao Wanyi" ist sie Schwester Ye: eine selbstbewusste, einfallsreiche Spielzeugmacherin. Mit den von ihr erdachten Spielzeugen ernährt sie nicht nur ihre Familie, sondern auch andere Bewohner des kleinen Dorfes in der Nähe Shanghais. Dorthin fährt ihr Mann regelmäßig, um die Spielzeuge zu verkaufen. Doch diese Welt bricht zusammen, als der Mann einen Herzanfall erleidet und in dem folgenden Durcheinander der kleine Sohn der beiden entführt wird. Schwester Ye zieht mit ihrer Tochter Zhu'er nach Shanghai, kann sich jedoch immer schwerer gegen die importierten, maschinell gefertigten Spielzeuge aus dem Westen behaupten. Als dann beim Angriff der Japaner ihre Tochter getötet wird, bricht sie vollends zusammen, dem Filmtitel eine neue, tiefere Bedeutung gebend: "Kleine Spielzeuge" sind nicht nur die selbstgemachten Objekte als Holz, Bambus und Papier, sondern auch die einfachen Leute im China dieser Zeit.
Vergleicht man diesen Film mit anderen, die 1933 im Westen in die Kinos kamen - etwa "King Kong", "Cavalcade" oder "Das Testament des Dr. Mabuse" - muss man feststellen, dass sich keiner davon an dramatischer Wucht und Eindringlichkeit der Handlung mit "Xiao Wanyi" messen kann - schon gar nicht mit dem Spiel der überragenden Ruan Lingyu, die diesen Film zu einem der größten Werke der Filmgeschichte macht.

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XIN HAI GE MING 1911辛亥革命 ("The Xinhai Revolution ")
Von Zhang Li und Jackie Chan, China 2011. Mit Winston Chao (Sun Yat-Sen),  Jackie Chan (Huang Xing),  Li Bingbing (Xu Zonghan),  Joan Chen (Longyu). 117 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

2011 standen in China die Gedenkfeiern für die Xinhai-Revolution von 1911 an, die das Ende der Qing-Dynastie einläutete. Natürlich war da ein pompöser Film fällig, dem von staatlicher Seite höchstes Wohlwollen und höchste Aufmerksamkeit galt - eben der Film, den wir am kommenden Freitag sehen können. Das Wohlwollen hatte zwangsläufig zwei Implikationen. Erstens, unbegrenzte Geldmittel. Zweitens, absolute Einhaltung der offiziellen Parteilinie, was die historische Interpretation der Xinhai-Revolution betrifft. Die aber besagt, dass der geistige Kopf und wahre Führer dieser Revolution Sun Yatsen (= Sun Zhongshan 孙中山) war.
Genau da liegt natürlich das Problem. Unabhängige Historiker sind sich heute einig, dass die Erhebungen von Wuchang (heute ein Teil von Wuhan) und von weiteren Militärgarnisonen im Kern eine "führerlose Revolution" waren. Sun Yatsen war in Amerika und erfuhr erst von der Sache, als schon alles gelaufen war. Selbst dann hielt er es nicht für nötig, sofort nach China zu fahren, sondern reiste erst einmal nach Europa, um dort wie eh und je seiner Hauptbeschäftigung nachzugehen: nämlich Geld für seine Vorstellung eines künftigen Chinas zu sammeln (und, versteht sich, für sich selber - denn wovon lebte er in dieser Zeit?).
Der Film stellt das natürlich ganz anders dar. Hier ist Sun Yatsen Dreh- und Angelpunkt des Ganzen. Doch damit nicht genug: Weil nämlich Jackie Chan sowohl Ko-Regisseur als auch einer der Hauptdarsteller sein sollte, musste natürlich auch für ihn eine Hauptrolle her. Sie fand sich in Gestalt von Huang Xing, dem "achtfingrigen General". In der Realität spielte auch dieser in Wuchang gar keine und später in Hubei kaum eine Rolle. Denn in Hubei war inzwischen Li Yuanhong zum Militärgouverneur ernannt worden, der als eine seiner ersten Aktionen den Namen "Republik China" festgelegt hatte. Er war es auch, der am 9. November 1911 mit Telegrammen an andere Provinzen zu einem Treffen geladen hatte, wo man über die Zukunft Chinas sprechen wollte.
Damit wären wir beim Kern dieses opulenten Filmepos: Was die historische Realität der Hauptpersonen angeht, ist der Film pure Fantasie - ein Merkmal, das leider für fast alle chinesischen Filme gilt, wenn es um die jüngere Geschichte des Landes geht. Wer will, kann das natürlich auf sich beruhen lassen: Hauptsache, es macht Spaß, den Film zu sehen. Ob das der Fall ist, kann jeder am Freitag selber beurteilen.
Für die anderen stellt sich die Frage: Wer war denn dieser Sun Yatsen wirklich? Der Mann, der angeblich "erster Präsident der Republik China" war? Jener Mann, der heute in der Volksrepublik ebenso wie in Taiwan als Nationalheiliger verehrt wird? Die Wirklichkeit ist, wie alles Historische in China, vor allem eines: unklar. Das beginnt schon mit der Feststellung, dass Sun Yatsen niemals Chinas Präsident war. Er war lediglich für 6 Wochen (29. Dezember 1911 bis 12. Februar 1912) der provisorische Präsident einer ziemlich chaotischen Versammlung von 17 Südprovinzen, die sich von der Qing-Dynastie losgesagt hatten. Die Nordprovinzen waren nicht beteiligt. In Peking herrschte dem Namen nach immer noch der Kindkaiser Pu Yi, in Wahrheit aber Yuan Shikai. Gab es eine Tagesordnung für dieses seltsame Treffen, das erst in Shanghai stattfand und von dort nach Nanking umzog? Was stand in dem Einladungsschreiben von Li Yuanhong? Wer hatte die Teilnehmer dieser Versammlung ernannt, und mit welchen Vollmachten? Mit welchem Recht nahm Sun Yatsen daran teil, nach Jahren im Ausland, und gerade erst am 25. Dezember in Kanton gelandet, bevor er am 29. Dezember gewählt wurde? Offenbar hatte er sich zu dem Treffen selber eingeladen. Aber wer gab diesem Auslandschinesen das Recht, für irgendein Amt zu kandidieren?
Anzunehmen ist, dass die anwesenden Warlords die Wahl einer “Regierung” auf diesem Treffen nicht ernstnahmen. Mit Sicherheit einigten sie sich nur deshalb auf Sun Yatsen, weil dieser keinerlei Machtbasis hatte und keinem gefährlich werden würde. Tatsächlich war ja auch (siehe oben) die Farce nach sechs Wochen zu Ende. Als der Kindkaiser ebenso wie Sun Yatsen am 12. Februar 1912 abdankte, akzeptierten alle Provinzen Yuan Shikai, der nun tatsächlich erster Präsident der Republik China wurde (und unter dem Sun Yatsen eine Zeitlang als Eisenbahnminister fungierte).
Zweifel bestehen nicht nur an der realen politischen Rolle von Sun Yatsen, sondern auch an seiner Person. Zu sehen, wie er in seinen Selbstbeschreibungen seine Lebensgeschichte dreht und manipuliert, ist bedrückend. Stets unterschlägt er den größten Teil seiner Familienbeziehungen, und zwar nicht nur seine jahrzehntelange Geliebte Chen Cui-fen, sondern auch die beiden Ehefrauen vor Song Qingling, insbesondere die Japanerin Kaoru Otsuki (um die er geworben hatte, seit sie 14 war, und die er schließlich heiratete, als er 37 und sie 15 war). Auch seinen in Honolulu lebenden Bruder Sun Mei, dem er so vieles zu verdanken hatte, verschweigt er meistens, ebenso wie seine Kinder (vor allem die von ihm nie unterstützte und sogar zur Adoption freigegebene Tochter Fumiko Miyagawa). Vermutlich war er viel weniger selbstlos und aufopfernd, als er heute dargestellt wird. Als Politiker war er ohne Frage ein mitreißender Redner und charismatischer Visionär - in persönlichen Beziehungen jedoch nicht nur mit einem auffälligen Hang zu schönen jungen Frauen, sondern immer wieder auch rücksichtslos und Menschen ausnutzend. Natürlich zeigt der Film nichts davon. Zu besichtigen ist vielmehr die Apotheose eines politischen und menschlichen Engels, begleitet von einem heldenhaften Jackie Chan als Huang Xing - alles leider ohne Untertitel.

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XIN HUA LU FANG  心花路放 ("Breakup Buddies")
Road-Movie und Beziehungs-Komödie von Ning Hao, China 2014. Mit Huang Bo, Xu Zheng, Yuan Quan. 114 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Rätselfrage Eins: Wie viele Filme in China haben bisher mehr als 1 Milliarde Yuan (ca. 140 Mio. Euro) eingespielt? Antwort: Vier Filme. Rätselfrage Zwei: Welcher Schauspieler hat in drei dieser vier Milliarden-Filme mitgespielt? Antwort: Huang Bo (den wir außerdem in dem grandiosen "Cow /斗牛" sahen). Eigentlich ebenso erstaunlich wie erfreulich: Dass nicht einer der smarten Schönen der erfolgreichste Schauspieler des modernen China ist, sondern mit Huang Bo einer, der in seinen Rollen eher Underdogs verkörpert.
Nachdem "Lost in Thailand" mit Huang Bo und Xu Zheng in China völlig überraschend der erfolgreichste  Film aller Zeiten wurde, war zu erwarten, dass man dieses kongeniale Paar bald in einem weiteren Film zusammenbringen würde – eben "Breakup Buddies". Die Story ist einfach: Die Frau von Geng Hao (Huang Bo), der sich früher einmal als Sänger versuchte, hat die Scheidung durchgesetzt. Das verkraftet er nicht. Um ihm über diese schwierige Zeit hinwegzuhelfen, überredet ihn sein Freund Hao Yi (Xu Zheng) zu einem Auto-Trip durch diverse Städte, mit dem Versprechen, sie würden überall schöne und willige Frauen finden.Natürlich geht unterwegs alles schief was nur schiefgehen kann, und es bestätigt sich ein ums andere Mal, was man sowieso schon wusste: Liebe kann man nicht kaufen. Weil aber der anarchische Ning Hao Regie führt, wird diese Schulweisheit mit immer neuen Wendungen und überraschenden Kapriolen demonstriert, die komisch sind, ohne in Klamauk zu verfallen. Kein Wunder also, dass auch dieser Film in China ganz schnell zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurde – eben einem der vier "Milliardenfilme".

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XIN JI CHI BU LIAO RE DOU FU  心急吃不了热豆腐  ("Eat Hot Doufu Slowly")
Von Feng Gong, China 2005. Mit Feng Gong, Xu Fan, Liu Zi, Ding Dang. 93 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Eine Komödie mit Starbesetzung. Liu Hao (gespielt von Feng Gong) ernährt sich und seinen Adoptivsohn Xiaohao mit seinem Fahrrad-Rikscha. Über eine Dating-Agentur sucht er eine neue Frau, und nach diversen Fehlschlägen trifft er auf die energische Yang Qian (Xu Fan). Bei ihrem ersten Treffen rettet er nebenbei die schwerkranke Chen Hong (Liu Zi), die er auch in der Zeit danach immer wieder unterstützt  - im Grunde wider Willen und gegen den entschiedenen Widerstand seiner Möchtegern-Verlobten. Zwischen beiden Frauen hin- und hergerissen, machen Yang Qian und deren schlagkräftige Verwandtschaft dem Rikschafahrer die Hölle heiß, wobei auch der anfangs versteckte und abgeschobene Adoptivsohn eine Rolle spielt. Am Ende wird alles gut, und der brave Liu Hao kriegt die sanfte und wieder genesene Chen Hong. - Leider ohne englische Untertitel, darum nur im kleinen Raum.

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XIN JIE KOU 新街口 ("The Jimmy Hat")
Von Xue Cun, China 2006. Mit Xue Cun, Wu Chao, Huang Bo, Fan Xia, Zou Xiaoxia. 88 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Xue Cun hatte sich als Sänger und Songwriter einen Namen gemacht, zum Beispiel mit dem sarkastischen Song "Alle Dongbei-Chinesen sind lebende Leifengs" (东北人都是活雷锋, nachzuhören unter https://www.youtube.com/watch?v=zyA2Hxw0LCc ). 2006 drehte er seinen ersten (und einzigen) Spielfilm, zu dem er auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle spielt. Wenn man ihn im Film sieht und auf YouTube singen hört, kann man sich denken, wie das Projekt zustande kam: vermutlich mit einigen Kumpels spätabends mit viel Bier und noch mehr Zigaretten. Die anarchische Unbekümmertheit von Xue Cun und seinen Freunden ist es auch, die diesen Film prägt und zu etwas Einzigartigem macht.
Die Filmhandlung spielt im Peking der 80er Jahre. Es ist die Zeit, als China nach den Schrecken der Kulturrevolution langsam wieder zu atmen beginnt, wo alle in engen, armseligen Wohnungen hausen und überall Mangel an allem besteht. Eine Zeit, in der Getreidemarken (liangpiao) wichtiger sind als Geld, und wo kein Mensch sich auch nur im Traum vorstellen kann, dass es in China jemals private Autos geben würde. Die Zeit, in der das alte System der Staatswirtschaft zu bröckeln beginnt und die ersten Unternehmungslustigen sich als Kleinunternehmer versuchen.
So auch eine kleine Gruppe von Freunden um die Brüder Jianjun (Xue Cun) und Jianguo (Wu Chao) sowie ihren Kumpel Bandai (Huang Bo). Sie alle sind keine Intellektuellen, sondern eher Underdogs. Im Stadtteil Xinjiekou betreiben sie einen rollenden Straßenstand, auf dem sie selbstgemachte Baozi verkaufen. Ständig gibt es Probleme: Für den Teig müssen sie sich irgendwie die unerlässlichen "Liangpiao" verschaffen, und beim Verkauf ihrer Baozi müssen sie immer mit einer Polizeirazzia rechnen. So beginnt auch der Film: mit einer ballettartig inszenierten Flucht vor wütenden, aber erfolglosen Polizisten.
Jianjun ist verliebt in die schöne Kellnerin Shen Hong (Fan Xia). Die jedoch will nichts anderes als ein Visum für die USA. Eine weitere junge Frau stößt zu dem kleinen Trupp, nämlich San'er, die gerade eine mehrjährige Gefängnisstrafe abgesessen hat. Zusammen versuchen sie, ihr kleines Geschäft auszubauen, wobei ihnen ein Verkehrspolizist in der Verwandtschaft immer wieder aus ihren Nöten hilft. Der Form nach eine Komödie, kommt es zu dramatischen Ereignissen, als ein mental gestörter Gangster den Onkel umbringt und in der Racheaktion danach auch San'er erstochen wird. Zum Schluss sitzt Jianguo im Gefängnis, Bandai übernimmt ein Restaurant und die schöne Shen Hong hat ihr Visum für die USA. Zum Abschied will sie mit Jianjun schlafen, aber nur mit Kondom (was dem Film den englischen Titel gibt, denn "Jimmy Hat" ist ein Rap-Ausdruck dafür). So irrt denn Jianjun/Xue Cun am Ende halbnackt durch Wind und Regen, um ein Kondom aufzutreiben ... und im Nachspann des Films werden allen Beteiligten fiktive Biographien angedichtet, in denen sie sämtlich zu Firmeninhabern und Direktoren geworden sind.
Ein großer kleiner Film, der alle wehmütig macht, die das Glück hatten, China in den 80er-Jahren kennenlernen zu dürfen.

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XIN JIU SHANGHAI  新旧上海 ("Neues altes Shanghai")
Komödie von Cheng Bugao, China 1936. Mit Shu Xiuwen, Huang Naishuang, Wang Xianzhai.

Fast 80 Jahre alt ist dieser frühe Tonfilm aus der Republikzeit - und er versäumt es nicht, einen Blick auf die "Shanghai Mansions" zu werfen, die im Jahr davor als höchstes Gebäude Shanghais fertiggestellt waren. Das Muster der Handlung findet sich auch in einigen ähnlichen Filmen: dargestellt wird das Leben der Familien, die in den Räumen eines kleinen, ziemlich ärmlichen Hauses hausen. Reich ist keiner von ihnen, nicht einmal die Hausbesitzerin, die wie eine Wärterin am Eingang sitzt und darauf wartet, dass die säumigen Mieter endlich ihre Miete bezahlen. Nach einem filmischen Rundgang durchs Haus werden Herr Yuan und seine Frau zu den zentralen Figuren. Herr Yuan hat gerade seine Arbeit verloren, doch weil ihm Gesichtswahrung über alles geht, verlässt er das Haus noch immer täglich zur gewohnten Zeit, allerdings in Richtung Teehaus. Unter ständigem Streiten leben er und seine Frau von einem im Pfandhaus versetzten Mantel - bis die Frau in einer Lotterie gewinnt und beide auf einmal ihren Reichtum verstecken müssen.
Auffällig ist das Fehlen fast aller politischer Bezüge. Japans Besetzung der Mandschurei findet keine Erwähnung, desgleichen der innenpolitische Konflikt zwischen Guomindang und Kommunisten - auch nicht die zunehmende Zahl europäischer Juden, die ab 1936 in Shanghai Zuflucht suchten. Und wie so viele andere sogenannte "Komödien" aus dieser Zeit ist auch dieser Film stets auf der Kippe zur Tragödie. Es brauchte nur das Ausbleiben dieser oder jener hilfsbereiten Geste oder eines der glücklichen Zufälle, die dem Ganzen eine Wende zum Guten geben, und ein krankes Kind wäre tot und eine arme Familie obdachlos auf der Straße. - Die Sprache des Films ist einfach und die Tonqualität relativ gut, so dass Handlung und Dialoge auch ohne Untertitel zu verstehen sind.

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Xin Nü Xing  新女性 ("Eine Frau Neuen Typs")
Drama von Cai Chusheng (蔡楚生), China 1934. Mit Ruan Lingyu (阮玲玉), Zheng Junli (郑君里). Schwarzweiß, 104 min. Nachvertonter Stummfilm, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

新女性的剧情简介    韦明(阮玲玉 饰)是一名音乐教师,平日里,她喜欢作曲和写小说。王博士是韦明的同时,尽管已 经结婚,但他经常对漂亮的韦明动手动脚很不尊重,这让韦明感到恶心和唾弃。某日 ,韦明遇见了出版公司的余海涛,他的绅士和谈吐十分吸引韦明,然而,韦明只是将 这份感情埋藏在心底。   韦明的姐姐带着韦明的女儿前来投奔韦明,使得韦明本就不宽裕的生活更加的拮 据,与此同时,无法得逞的王博士施诡计使得韦明为学校解雇,而女儿又恰巧在此时 生病急需医治,一时间,韦明陷入了走投无路的境地。无奈之下,韦明只得出卖肉体 ,而她的客人竟然正是阴险卑鄙的王博士.

Dieser Filmklassiker, der zuerst als Stummfilm gedreht und dann nachvertont wurde, ist nicht nur technisch ein Werk, das in die Zukunft weist. Noch mehr trifft das auf das Rollenbild der Frau zu. Äußerlich noch immer gefangen in den Zwängen der alten Gesellschaft, stellt die große Ruan Lingyu (wohl die ausdrucksstärkste Schauspielerin der chinesischen Filmgeschichte) hier das Rollenbild einer Frau dar, wie es selbst heute längst noch nicht verwirklicht ist. In Gestalt der Wei Ming ist sie tatsächlich das, was der Titel sagt: eine Frau neuen Typs. Sie verweigert sich der Ehe mit einem reichen Mann, weil sie nicht die Sklavin eines Mannes sein möchte. Stattdessen arbeitet sie als Musiklehrerin, außerdem komponiert sie, schreibt unter Pseudonym Artikel und Geschichten, sogar einen Roman. Eine Rückblende zeigt, was sie hinter sich hat: eine kurze Ehe mit einem Mann gegen den Willen von dessen Familie. Als sie eine Tochter zur Welt bringt, verlässt der Mann sie, so dass sie das Kind bei Verwandten zurücklassen und in Shanghai Arbeit suchen muss. Dort stellt ihr Herr Wang nach, der reiche Direktor des Schulkollegiums. Als sie ihn abweist, erreicht er, dass sie entlassen wird. Gerade jetzt kommt ihre Tochter vom Dorf zu ihr und erkrankt schwer. Um das Krankenhaus bezahlen zu können, ist sie bereit, sich für eine Nacht zu verkaufen. Das Schicksal will es, dass sie ausgerechnet an Herrn Wang gerät. Sie weigert sich, schlägt ihn, läuft weg. Ihr Roman erscheint, aber eine Zeitung verleumdet sie. Als auch noch ihr Kind stirbt, greift sie zu Gift. Im Krankenhaus erwacht sie, ihre Freunde reden ihr zu, aber ihr Körper ist schon zu geschwächt. Als letztes hört sie das Lied, das sie selber vertont hat. Dann hört ihr Herz auf zu schlagen. - So wirkt der Film wie das Drehbuch zu dem Tod, den sie am 8. März 1935 selber suchte, im Alter von gerade erst 25 Jahren.

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Xin Xi Ju Zhi Wang " 新喜剧之王 (The New King of Comedy), China 2019. Komödie von Stephen Chow 周星驰, mit Wang Baoqiang 王宝强, E Jingwen 鄂靖文, Zhang Quandan 张全蛋. 88 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

如梦(鄂靖文 饰)是一个有明星梦的小镇大龄女青年。她在片场当了十几年的龙套演员,做过很多 次替身,但始终没有放弃要当一个女主角的梦想。虽然她用乐观精神支撑自己的寻梦 之旅,但生活的压力不断给她重击,譬如她的亲友甚至父亲,都越来越不认可她这虚 无缥缈的演员梦。只有男朋友查理(张全蛋 饰),支持如梦的事业,同样赚点小钱的查理,与如梦艰难地存着“结婚基金”。从 来都坚定要当演员的如梦,在剧组中遇到了最大的打击。她见到了自己年少时的偶像 、演员马可(王宝强 饰)。曾经红透半边天的马可如今早已过气,内心自卑性情狂躁的他,给予她搭戏的 如梦各种打击。内心“受重伤”的如梦第一次怀疑自己的梦想,当她想回到父母身边 找份稳定工作时,又得知自己入围了知名导演新片的大型选角名单中。如梦陷入艰难 抉择 ...

2016 brachte Stephen Chow "Mermaid" 美人鱼 in die Kinos, gedreht mit einem Budget von 60 Millionen US-Dollar. Das zahlte sich aus: "Mermaid" wurde mit 3,7 Millarden Renminbi Einnahmen (ca. eine halbe Milliarde US-Dollar) der erfolgreichste Film der chinesischen Filmgeschichte, dabei alle Filme von Jackie Chan und Feng Xiaogang hinter sich lassend. Im Vergleich dazu war das Budget für seinen jüngsten Film mit 8 Millionen Dollar geradezu bescheiden – spielte aber mehr als das Zehnfache ein.
Dem Namen nach ist der Film ein Remake von "King of Comedy" 喜剧之王 von 1999. Doch der Inhalt ist ganz anders, unter anderem deshalb, weil Stephen Chow hier anders als im Vorgänger-Film nicht mitspielt. Im Mittelpunkt steht Rumeng (gespielt von E Jingwen): eine junge Frau, die alles tut, um zum Film zu kommen, und die dafür alle Rückschläge, Kränkungen und Demütigungen in Kauf nimmt.
 Doch als sie den Abstieg eines früher berühmten und von ihr bewunderten Schauspielers erlebt (ein Abstieg, an dem sie zudem selber mitwirkt), gibt sie ihre Hoffnungen auf und wird Kellnerin. Allerdings ergibt es sich, dass ausgerechnet der tiefe Fall dieses Schauspielers (gespielt von Wang Baoqiang, der mit "A World Without Thieves" 天下无贼 berühmt wurde) zu seinem Comeback führt. Aus Dankbarkeit bringt er Rumeng dazu, es doch noch einmal zu versuchen. Tatsächlich gelingt ihr jetzt endlich der Durchbruch ... so dass die Story mit dem wenig originellen Motto "Nie aufgeben" endet.
Auch wenn dieser Film wohl kaum zu den Hauptwerken des Stephen Chow zählt, ist hier immer noch genug von seinem anarchische Humor zu sehen. In seiner Schonungslosigkeit auch und gerade den Haupthelden gegenüber ist die Verwandtschaft mit Charlie Chaplin unverkennbar. Und wie bei diesem gibt es genug Szenen, wo einem das Lachen im Hals steckenbleibt. Dass Stephen Chow, wie man von Insidern hört, bei der Arbeit und im Privatleben nicht unbedingt der liebenswürdigste Mensch sein soll, kann man sich gut vorstellen ... vielleicht geht das nicht anders, wenn dabei so verrückte Filme herauskommen sollen.

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Xing Huo 星火 (Spark)
Dokumentarfilm von Hu Jie 胡杰, China 2013. - Chinesisch mit englischen UT

「星火」的内容描述一九六零年代中国「三年自然灾害」大饥荒时期的一群被下放到 甘肃天水「劳动改造」的年青大学生。他们在乡间目睹了大跃进运动的荒唐和随后遍 地饿殍的惨烈情形。一九五九年底,他们其中有人自发办起了一个地下刊物,取名「 星火」。在杂志中,他们纪录了农村的贫困,深入分析和批判人民公社体制和正在形 成的利益集团。杂志里还刊登了一首长诗 ---「普罗米修士受难的一日」, 它的作者就是日后广 为人知的林昭。但这本杂志只办了一期,四十三名参与创办刊物的师生和同情他们的 农民和干部被判重刑,林昭等三人甚至被枪决。

Der Film ist einer Studentengruppe in Lanzhou gewidmet, die nach 1959 mit einer handgeschriebenen Untergrund-Zeitschrift auf die große Hungersnot im Zuge der “Großer-Sprung-nach-vorn-Kampagne” aufmerksam machen wollte (von der wir heute wissen, dass sie 40 Millionen Chinesen das Leben kostete).

================================================================== XING YUN YI TIAO LONG  行运一条龙 („The Lucky Guy“)
New-Year-Comedy von Lee Lik-chee, Hongkong 1998. Mit Stephen Chow, Shu Qi und Sammi Cheng. 99 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Chinesische Neujahrsfilme haben die Aufgabe, gute Laune zu machen. Zu diesem Zweck bietet dieser Film einige namhafte Darsteller auf, vor allem Stephen Chow und Shu Qi (die damals allerdings noch am Anfang ihrer Laufbahn stand). Im Mittelpunkt der Story entspricht steht ein kleines, aber beliebtes Imbiss-Restaurant. Die Vermieterin der Immobilie will eine zehnfach höhere Miete, also scheint das Schicksal des Restaurants besiegelt. An diesem jedoch hängen nicht nur der gutmütige Chef, sondern auch sein Sohn A-Nam und einige Mitarbeiter, vor allem der schneidige Sui (Stephen Chow) und der schüchterne Koch und Lieferbursche A-Fuk. Die drei jungen Männer bemühen sich mit wechselndem Geschick um drei junge Frauen, wobei natürlich alle drei (dazu noch einige Nebenfiguren) zuletzt ihren Angebeteten in die Arme fallen. Die Erwählte von A-Nam erweist sich zudem als einziges Kind eines schwerreichen Tycoons, der am Ende das Gebäude kauft und das Restaurant weiterleben lässt. Also ein freundlicher Filmspaß, bei dem das Happy-End von Anfang an feststeht.

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Xiu Xiu De Tie Quan 羞羞的铁拳 ("Never Say Die"), China 2017. Switch-Komödie von Song Yang 宋阳 und Zhang Chiyu 张吃鱼, mit Ali Lun 艾伦, Ma Li 马丽, Shen Teng 沈腾, Tian Yu 田雨. 100 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

堕落沉沦的MMA选手艾迪生(艾伦 饰)依靠打假拳度日,早已忘记昔日的雄心壮志。某次他和假拳掮客马东(田雨 饰)商议打假赛的时候,不慎被正义感爆棚的体育记者马小(马丽 饰)听到并录音。在追赶马丽的过程中,艾迪生和对方一同跌入游泳池,并遭到雷电 的电击。当他们从医院醒来后,发现两人居然互换了身体。在所有复原的办法都失败 后,艾迪生只能请求马小代替他去和拳王吴良(薛皓文 饰)——同时也是马小的未婚夫——去打比赛。然而,娘娘的艾迪生和汉子力爆表的 马小却闹出了一连串的笑话。而在这一过程中,两人渐次发现了当年艾迪生遭遇惨败 和黑幕的真相 ...

Im Mittelpunkt steht ein ziemlich ungleiches Paar: hier der zwischen Heldenmut und Bestechlichkeit schwankende MMA-Boxer Edison, dort die scheinbar unbestechliche Reporterin Xiao Ma. Ein Unfall mit Blitzeinwirkung lässt die beiden jeweils im Körper des anderen aufwachen – das Durcheinander fürs Alltagsleben kann man sich denken. Und: dieser Film wurde in China die ERFOLGREICHSTE KOMÖDIE ALLER ZEITEN, dabei alle Werke von Jackie Chan spielend hinter sich lassend.
Also jedenfalls ein Film, der einiges über Chinas Kino, das dortige Verhältnis der Geschlechter und die seelisch-intellektuelle Verfassung von Chinas Gesellschaft aussagen dürfte. Die Frage ist nur: Was sagt er denn aus?
Eines ist klar: Je wichtiger Fragen von Geschlechter- und Gender-Rollen werden, desto interessanter sollten eigentlich Switch-Filme sein, in denen Mann und/oder Frau plötzlich im Körper des anderen Geschlechtes aufwachen. Andererseits: Das ist ein Film aus China, also jenem Land, wo der umfassendste geistige Konformismus herrscht, den die Weltgeschichte je gesehen hat, zudem eine Zensur, die jeden freien Gedanken über Lebensformen und Sexualität ebenso auslöscht wie jede Andeutung über Politik und die herrschende Klasse. Was für Folgen hat beides für diesen Film?
Nun, dies: es macht ihn zu einem harmlosen Ulk über Mann und Frau, sowie über die korrupte Medienwelt und die korrupte Boxwelt, letzteres garniert mit ein paar brutalen Kampfszenen. Alles andere wird brav vermieden, selbst wenn es sich geradezu aufdrängt – z.B. jegliche Andeutung über Erotik und Sexualität, mit der Seele des einen und dem Körper des anderen Geschlechtes. Und dennoch die erfolgreichste Komödie aller Zeiten im Reich der Mitte, die Wertung eines Fünftels der Menschheit repräsentierend ... viel Spaß bei der Diskussion!

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XU QIU YING AN JIAN  徐秋影案件  ("The Case of Xu Qiuying")
Kriminalfilm von Yu Yanfu, China 1958. Mit Li Yalin, Pu Ke, Zhang Yuan. Schwarzweiß, 90 min, Chinesisch mit spanischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Ausgangspunkt ist die Ermordung von Xu Qiuying, einer Angestellten des Sicherheitsbüros. Das geschieht kurz vor der Heirat mit ihrem Verlobten He Bin und sieht anfangs nach einer Eifersuchtstat aus. Am Tatort findet sich ein abgerissener Knopf von der Uniformjacke ihres Ex-Freundes Peng Fang, der Xu Qiuying nach ihrer Trennung bedroht hatte. Und es stellt sich heraus, dass der Mord mit der Pistole des Peng Fang geschah, die dieser ohne Wissen der Behörden besessen hatte.
Doch die Deutlichkeit der Indizien lässt die Ermittler vermuten, dass der Verdacht absichtlich auf Peng Fang gelenkt werden soll, und dass in Wahrheit politische Motive hinter der Tat stecken. Genau das bestätigt sich: Xu Qiuying hatte einen für tot gehaltenen Guomindang-Offizier erkannt, der unter falschem Namen eingereist war und sie zur Kooperation zwingen wollte. – Bemerkenswert an diesem Film ist nicht nur der vorsichtige Umgang der Ermittler mit dem ersten Verdächtigen, sondern auch die zurückhaltende Darstellung der Schuldigen, die erst ganz zum Schluss ihr wahres Gesicht enthüllen.

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XUN CHENG MA 巡城马 ("The Postman Fights Back")
Von Wushu-Actionfilm von Ronny Yu, Hongkong 1981. Mit Bryan Leung, Chow Yun-Fat, Fan Meisheng, Yuen Yat-cho. 88 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ein typischer Genrefilm, in dem viel gekämpft wird und wie üblich die unterlegenen Kämpfer rechts und links zu Boden sinken. Die Story spielt in der frühen Republikzeit, als in Peking Yuan Shikai gerade Anstalten macht, sich zum Kaiser krönen zu lassen. Im Mittelpunkt steht die stoische Figur von Bruder Ma. An Anfang ist er nichts anderes als ein einfacher Briefträger, seltsamerweise nicht einmal beritten, sondern zu Fuß und mit Postsäcken beladen unterwegs. Dann aber kann das Dorf, für das er arbeitet, ihn sich nicht mehr leisten. Also nimmt er zusammen mit drei anderen Helden einen Auftrag an, der mit Yuan Shikai zu tun hat: Sie sollen vier Kisten zu einem Warlord im Norden bringen, mit dem Yuan Shikai kooperieren möchten. Zwei Frauen schließen sich an, und in der Folgezeit kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Gefechten (bei denen zwar ein Maschinengewehr eine Rolle spielt, aber seltsamerweise nie einer der Gegner der vier bzw. sechs Guten eine Pistole hat). Am Schluss allerdings trifft es auch von den Guten einen nach dem anderen, und es überlebt einzig Bruder Ma. – Ganz interessant die Rolle von Chow Yun-Fat, der beim Dreh gerade erst 25 Jahre alt war. Dementsprechend ist die Figur, die er spielt, von eher dubiosem Charakter, und jedenfalls weit entfernt von der Statur des Film-Patriarchen, zu der er im chinesischen Film inzwischen herangewachsen ist.

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Xun Zhao Lin Zhao De Ling Hun 寻找寻找林昭的灵魂 In Search Of Lin Zhao's Soul
Dokumentarfilm von Hu Jie 胡杰, China 2004. 116 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

林昭,苏州人。... 1957年被打成右派,但拒不认罪,继续独立思考,并且批判“共产风,为彭德怀鸣冤 ,写信建议学习南斯拉夫经验。1960年以阴谋推翻人民民主专政罪被捕;1962年保外 就医,同年再次以反革命罪收监,判刑20年。其父于林昭第二次被捕后一月仰药自尽 。林昭在1968429日,以“现行反革命罪被枪决。...

Auch in China gab es stets echte Helden, nicht nur in Romanen, sondern auch in der Wirklichkeit. Doch nur wenige hatten den Mut, in Zeiten der Feigheit und des Kriechertums den Vorsitzenden Mao offen zu kritisieren. Es waren vor allem zwei Frauen, die das wagten, und die dafür mit ihrem Leben bezahlten: Lin Zhao 林昭 und Zhang Zhixin 张志新.
Der Dokumentarfilm von Hu Jie (der seine Arbeit aufgab, um diesen Film drehen zu können) ist dem Leiden und der Standhaftigkeit der 1932 geborenen Lin Zhao gewidmet. 1948, im Alter von 16 Jahren, war sie der Untergrund-KP beigetreten. Schon früh schrieb sie Aufsätze und Gedichte, in den ersten Jahren nach 1949 als glühende Anhängerin Maos und der KP, und bald als Studentin an der Peking-Universität. Doch ihre Haltung änderte sich, als sie erkannte, dass Maos Kampagne gegen die Rechtsabweichler ab 1957 in Wahrheit ein Feldzug gegen die Intellektuellen war. In der Folgezeit beteiligte sie sich an einer Untergrund-Zeitschrift, in der sie den Kult um Mao und dessen "Großen Sprung nach vorn" (大跃进) kritisierte. 1960 wurde sie festgenommen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. Doch auch im Gefängnis fuhr sie fort, Mao-kritische Essays und Gedichte zu schreiben – da sie weder Stifte noch Tinte hatte, mit Haarnadeln und ihrem eigenen Blut. 1968, im dritten Jahr der "Kulturrevolution", wurde sie in aller Heimlichkeit erschossen. 1981 wurde sie halbherzig rehabilitiert, doch das Gedenken an sie wird immer wieder nach Kräften behindert. Daher gebührt dem Regisseur Hu Jie Dank dafür, dass er es unternahm, diese mutige Frau dem Vergessen zu entreißen.

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Ya Ma Ha Yu Dang  雅马哈鱼档 ("Yamaha Fish Stall")
Von Zhang Liang, China 1984. Mit Zhang Tianxi, Li Zhijian, Yang Liyi, Xu Ruiping. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Dieser Film setzt die Reihe wichtiger chinesischer Filme aus den 80er-Jahren fort. "Yamaha Fish Stall" kam im selben Jahr in die Kinos wie Chen Kaige's "Gelbe Erde" (Huang Tudi 黄土地, 1984). Dass mit diesem Werk Chinas filmische Erneuerung angefangen hätte, ist ein Irrtum, der sich hierzulande wohl deshalb hartnäckig hält, weil nicht nur Chen Kaige Regie führte, sondern auch noch Zhang Yimou hinter der Kamera stand. Tatsächlich gab es schon viel früher Filme wie "Ba Shan Ye Yu ("Evening Rain" 巴山夜雨, 1980) " von Wu Yonggang, und ebenso eindrücklich "My Memories of Old Beijing" von Wu Yigong (城南旧事, 1982). Zu den Filmen, die 1984 den Geist der Zeit viel stärker spiegelten als der pathetische Erstling von Chen Kaige, gehörte auch "Yamaha Fish Stall".
Der Film spielt in Guangzhou, wo drei junge Leute versuchen, sich mit einem Fischstand selbständig zu machen. Solch einen Schritt zu unternehmen, war damals in China noch heiß umstritten. Immer noch galt für viele der "kapitalistische Weg" als Schreckenswort, und die meisten Chinesen wünschten sich nach wie vor lieber ein sicheres Leben als Staatsangestellte. Innovativ war auch, dass der Regisseur nicht mit professionellen Schauspielern arbeitete, sondern mit Amateuren. Das Risiko wurde u.a. mit dem "Golden Rooster Award" belohnt.

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Ya Pian Zhan Zheng "Der Opiumkrieg" 鸦片战争, China 1997. Historien-Drama von Xie Jin 谢晋, mit Bao Guoan鲍国安, Lin Liankun 林连昆, Su Min苏民. 104 min, in deutscher Sprache. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

英国源源不断的鸦片输入令道光皇帝感到江山岌岌可危,虽害怕列强,他还是下诏委 派湖广总督林则徐(鲍国安)为钦差大臣前往广州禁烟。但腐败官吏与英国商人的勾 结将鸦片贸易变得错综复杂,林则徐的禁烟行动从一开始就面临重重困难,英国商人 一面假装听命林则徐,一面策划更大的阴谋。
  道光十九年六月三日,林则徐在虎门海滩指挥销烟,百姓拍手称快。英国回国商 人拿此事大做文章,装备精良的英军从珠江口直下塘沽,对华宣战。软弱无能的道光 不派兵应战,反把一切怪罪到林则徐头上将他撤职,又派直隶总督琦善(林连昆)为 钦差大臣前去与英方讲和,酿成历史悲剧 。。。

Die größte Demütigung Chinas in der neueren Geschichte waren fraglos die beiden Opiumkriege. Dies schon wegen der lächerlich kleinen Truppe: 20.000 Soldaten und drei Dutzend Kriegsschiffe reichten aus, das Reich der Mitte zu bezwingen. Zwar brauchte Japan im Krieg 1894/95 noch weniger. Aber darüber spricht man heute in China ungern, denn da ging es um Korea, das im Grunde eine chinesische Kolonie war. Was den Opiumkrieg zu einer nie verheilenden Wunde macht, ist sein niederträchtiger Anlass: der Anspruch Großbritanniens, China weiterhin mit Opium zu überschwemmen. Und man kann sagen: Chinas expansive Inselpolitik - auf lächerliche Karten gestützt und vor dem Internationalen Gerichtshof krachend gescheitert - findet in der Bevölkerung deshalb Rückhalt, weil sich das Land unter Bezug auf die Opiumkriege immer noch als vom Westen bedroht darstellen kann.
Der Film von Xie Jin war eine Art nationaler Hausaufgabe zur Rückgabe Hongkongs 1997. Dass wir ihn zeigen, ist auch eine Erinnerung an diesen bedeutenden Regisseur von Chinas "3. Generation", der vor 10 Jahren, im Oktober 2008, gestorben ist. Xie Jin zeigt in seinem Werk, wie damals gierige englische Händler und korrupte chinesische Beamte gemeinsam vom Opiumhandel profitierten, und dabei neben der Gesundheit von Millionen auch Wirtschaft und Finanzwesen ruinierten. Im Mittelpunkt steht natürlich Lin Zexu, den Kaiser Daoguang mit Sondervollmachten nach Kanton schickte - übrigens derselbe Kaiser Daoguang, der 1822 am Kaiserhof das Verbot der Akupunktur erlassen hatte. Lin Zexu gelang es, unter den korrupten Beamten aufzuräumen und den gesamten damals in Kanton lagernden Opiumbestand zu vernichten. Doch weder er noch der Kaiser wussten etwas von Machthunger und Psychologie des damaligen europäischen Imperialismus. Zweimal schickte Großbritannien Truppen und Kriegsschiffe nach China und ließ sich "auf ewig" Niederlassungen wie Hongkong und Shanghai abtreten (lediglich die "New Territories" wurden später auf 99 Jahre gepachtet).
Die (gekürzte) deutsche Version des Films endet damit, dass man Lin Zexu die Schuld an Chinas Niederlage in die Schuhe schiebt und ihn in die Verbannung nach Xinjiang schickt. Tatsächlich wurde er später rehabilitiert und mit neuen Aufgaben betraut, allerdings nie wieder von solcher Bedeutung wie in Kanton.

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Ya Sui Qian 压岁钱 ("New Year's Coin")
Filmklassiker von Zhang Shichuan, China 1937. Mit Gong Qiuxia, Hu Rongrong, Gong Jianong. Schwarzweiß, 91 min, Chinesisch mit englischen UT (PC-generiert). Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Neujahrsfilme sind in China ein eigenes Genre. Damit das Jahr fröhlich anfängt, sind es in der Regel Komödien. Das allerdings kann man von diesem Film kaum sagen, obwohl er klassisch beginnt: Nach einer Feier in einer reichen Familie folgt der Großvater dem Brauch und schenkt seiner Enkelin zum chinesischen Neujahr eine Dollarmünze. Anschließend folgt der Film zum einen dem Teilnehmern der Feier, zum andern dem Weg der Münze.
Dabei präsentiert er ein Panoptikum vom Shanghai dieser Jahre, in dem die damaligen Klassenunterschiede in krasser Weise zutage treten. Die Münze wird ausgegeben, gestohlen, verloren, wiedergefunden, von Armen und Reichen, Kindern und Alten, Bettlern, Kaufleuten, Arbeitern, Dieben und Betrügern - alles in allem ein ziemlich kritisches Bild der chinesischen Gesellschaft, das der Drehbuchschreiber Xia Yan und Regisseur Zhang Shichuan hier präsentieren. So ist dies ungeachtet einiger technischer und dramaturgischer Schwächen nicht nur ein Filmdokument, sondern auch ein Gesellschafts- und Geschichtsdokument.

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YANG GUANG DE KUAI LE SHENG HUO 楊光的快樂生活 ("Happy Life of Yangguang ")
Von Yang Yi, China 2013. Mit Yang Yi, Han Zhao, Zhang Li. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Sein alter Freund Tiaozi, so erfährt Yang Guang von dessen Ärztin, hat einen Hirntumor und nur noch kurze Zeit zu leben. Ohne dem Freund davon zu sagen, möchte Yang Guang ihm die letzten Tage so schön wie möglich machen. Tiaozi hat zwei Wünsche: Er möchte Kontakt zu der schönen Schulfreundin Chenchen aufnehmen, in die er immer verliebt war - und er möchte einen Tag lang Kaiser spielen. Yang Guang nimmt Urlaub, dann überredet er die hoch verschuldete Chenchen, gegen Bezahlung bei diesem Spiel mitzumachen. Tiaozi genießt das, und es sieht so aus, als müsste der Film eigentlich "Happy Life of Tiaozi" heißen. Aber dann verliebt sich Chenchen in den stets mürrischen Yang Guang ... wie das Ganze ausgeht, erzählt diese Komödie.

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YANG NIU DAO WO JIA 洋妞到我家 ("When a Peking Family Meets Aupair ")
Familienkomödie von Chen Gang, China 2014. Mit Xu Fan, Chen Jianbin, Chen Yinuo. 94 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Was bleibt von den Familienstrukturen und dem Familiensinn des alten China nach Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik? Kein "Älterer Bruder", keine "Jüngere Schwester" mehr, auch kein "Junger Herr Nummer Drei", nicht einmal mehr Onkel und Tanten. Sondern nur noch dieses eine Kind (hier eine Tochter), die dann natürlich der gehätschelte Schatz der Kleinfamilie ist, besonders der Mutter, und zwar nicht selten so sehr, dass es zwischen den Eheleuten kriselt. Insofern trifft dieser Film wirklich ins Herz des heutigen China. Denn das eine kostbare Kind muss natürlich einerseits vor allem geschützt werden, was die böse Außenwelt einem Kind antun kann, von den Bakterien im Kindergarten über den Straßenschmutz bis zu den Allergie auslösenden Lebensmitteln (von Schrecken wie Kindesentführern ganz zu schweigen). Andererseits soll die kleine Prinzessin aber auch lernen, lernen, lernen, zum Beispiel Englisch, und wie geht möglichst authentisch? Genau: ein Aupair-Mädchen. Am besten wäre eines aus England, Australien oder den USA, aber die sind, so erfährt man in dem Film, begehrt und teuer. Also lässt man sich auf ein Aupair-Mädchen aus Kolumbien ein, das billig zu haben ist - und holt sich aus Sicht der Mutter damit eine endlose Reihe von Katastrophen ins Haus. Denn die junge Kolumbianerin hat ihr eigenes Temperament und ihren eigenen Kopf, und so geht sie trotz ausdrücklichen Verbotes mit der kostbaren Kinderprinzessin auf die Straße. Dort klettert die Kleine beim Versteckspielen in einer Abfalltonne, gerade als die Mutter vorbeikommt ... all das bringt die Helikopter-Mutter (perfekt gespielt von Xu Fan) auf die Palme und zur Verzweiflung, erst recht, als die Tochter dann wirklich einmal auf der Straße verloren geht. Aber wie es sich in einer Komödie gehört, geht am Ende natürlich alles gut aus.

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YAO YUAN DE AI 遥远的爱  ("Distant Love")
Von Chen Liting, China 1947. Schwarzweiß, 128 min, mit Zhao Dan, Qin Yi, Wu Yin, Lü En. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Am 27. August dieses Jahres starb in Shanghai im Alter von 102 Jahren Chen Liting. In der späten Republikzeit war er einer der wichtigsten Regisseure gewesen. Hier einer seiner besten Filme: "Weit entfernte Liebe".
Ein Universitätsprofessor wird von seiner Frau verlassen, weil er allzu fortschrittliche Meinungen vertritt. Nun beschließt er, das ungebildete Hausmädchen zur idealen Ehefrau zu erziehen. Das scheint auch zu gelingen, und eine Zeitlang geht alles gut. Aber als dann China von Japan überfallen wird, zeigt sich, das der Professor im Grunde nur ein Maulheld ist. Seine Frau jedoch nimmt seine Lehren ernster als ihm lieb ist: Sie verlässt ihn und schließt sich dem Kampf gegen die Japaner an. Er reist ihr nach und will sie zurückholen, aber sie weigert sich, ihm zu folgen. Sie kämpft weiter für ein besseres China, während der frustrierte Professor von nun an wieder lehrt, dass die Frau in den Haushalt gehört. - Inzwischen 65 Jahre alt, ist der Film in seiner Thematik (und als chinesische Adaptation des Pygmalion-Stoffes) noch immer überraschend aktuell.

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Ye Dian 夜店 (Night Hotel), China 1947. Drama von Zuo Lin 佐临,mit Zhou Xuan 周璇 und Zhang Fa 张伐. Schwarzweiß, 107 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

解放前的上海,很多底层人寄居在闻家店,正可谓三教九流,鱼龙混杂。落魄少爷金 不换靠妻子卖淫为生;赖皮匠为妻子治病债台高筑;走方卖药的金老头讲义气;巡捕 石敢当呆头呆脑;报贩牛三乐天知命。而开店的老板闻太师(石挥 饰)则是八面玲珑、阴险狡诈。老板娘赛观音水性杨花,放浪不羁。她先是与小偷杨 七郎(张伐 饰)私通,不想后者竟然爱上了她那善良敦厚的石小妹(周璇 饰)。妒火中烧的赛观音,从此对妹妹百般欺负,并与姘头小方密谋毒死闻太师,卖 掉石小妹。而此时,决定重新做人的杨七郎,正准备和石小妹私奔,正撞见告发他与 妻子私通的闻太师。两人扭打在一起,闻太师毒发身亡。杨七郎成为嫌疑犯锒铛入狱 ……

70 Jahre alt ist dieser Filmklassiker, und damit älter als die meisten Gäste des Chinaclubs. In den Nischen und Winkeln einer armseligen Absteige lebt eine zusammengewürfelte Gruppe vom unteren Rand der Gesellschaft: Verarmte, Gescheiterte, Kleinkriminelle. Auf der einen Seite bedrücken sie Armut und Krankheit, auf der anderen ein hartherziger Wirt, dessen Frau überdies ein Auge auf einen jungen Taschendieb geworfen hat, der von den ärmlichen Bewohnern noch der Ansehnlichste ist. Dieser jedoch liebt die jüngere Schwester der Wirtsfrau (gespielt von Zhou Xuan) und würde gerne ehrlich werden . . . was aber die Umstände auf tragische Weise verhindern. – Eine gelungene Adaptation von Gorkis "Nachtasyl", und einer der berühmtesten "linken" Filme der Republikzeit.

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"Night Peacock" 夜孔雀 (Ye Kong Que), Frankreich/China 2016. Beziehungs-Drama von Dai Sijie 戴思杰, mit Liu Yifei 刘亦菲, Liu Ye  刘烨, Leon Lai 黎明, Yu Shaoqun 余少群. 82 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

法国女留学生埃尔莎在成都爱上了丝绸研究员、吹箫高手马荣,后又在巴黎与马的兄 弟、纹身师建民之间产生情感。前者找到了一种符合他理想的蚕——夜孔雀,后者把 蝶化的夜孔雀永远铭刻在艾尔莎的肌肤上。
电影《夜孔雀》讲述了法国籍华裔长笛手埃尔莎从浪漫巴黎到锦绣成都的几段邂逅
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"Balzac und die kleine chinesische Schneiderin (巴尔扎克与小裁缝)" war der erste Film von Dai Sijie (戴思杰). Er wurde ein Welterfolg – zwar nicht in China, aber doch im Westen. Dort verschaffte der Film nachträglich auch dem gleichnamigen Roman hohe Auflagen - vermutlich deshalb, weil hier westliche und chinesische Kultur sehr poetisch verbunden waren.
Wer genau hinsah, bemerkte allerdings einen gravierenden Fehler. Denn als in der Kulturrevolution Lehrer und Künstler totgeschlagen wurden, warfen Chinas Intellektuelle in panischer Angst alles weg, was den Roten Garden verdächtig hätte sein können. Dass im Film dennoch die Eltern des jungen "Brillen-Shang" eine Sammlung westlicher Romane erst aufbewahren und dann noch ihrem unfähigen Sohn zur Verschickung aufs Land mitgeben, wäre absolut undenkbar gewesen. Doch ohne das hätte es weder den Titel noch den Film noch den Welterfolg gegeben.
"Die Töchter des chinesischen Gärtners 植物园" war der zweite Film von Dai Sijie. Von der Thematik her schien er interessant; es ging um eine lesbische Beziehung. Doch das Werk erhielt überwiegend schlechte Kritiken. Sascha Westphal nannte es in der Frankfurter Rundschau "Film gewordener Poesiealbumkitsch". Ein Ausrutscher? Diese Frage würde sein nächster Film beantworten.
Hier also ist er, dieser nächste Film. Der "Balzac"-Erstling hatte westliche und chinesische Kultur dadurch verbunden, dass die Balzacschen Romantexte in drei jugendlichen Seelen inmitten der chinesischen Berge auflebten. Diesmal umfasst die Handlung selber beide Kulturen. Die chinesische Flötistin Elsa (gespielt von der ätherischen Liu Yifei) lebt in Paris. Sie ist, wie man am Ende erfährt, inzwischen französische Staatsbürgerin. Wie es dazu kam und was sie in Paris macht, bleibt unklar. Irgendwann erwähnt sie kurz, sie spiele in einem chinesischen Orchester in Paris. Aber gibt es das wirklich? Weder das Orchester noch die anderen Musiker tauchen im Film auf; die Handlung in Paris beschränkt sich auf die Bekanntschaft mit dem Tätowierer Ma Jianmin (gespielt von Liu Ye, der auch im "Balzac"-Erstling dabeigewesen war). Der tätowiert ihr einen Schmetterling - eben den titelgebenden "Nachtpfau" - erst klein auf den Fuß und später noch einmal groß auf den Rücken.
Doch vorher, in Rückblenden gezeigt, macht Elsa eine Reise nach Chengdu. Dort verliebt sie sich in Ma Rong (gespielt von Leon Lai), den älteren Bruder des Tätowierers. Ma Rong ist Doppel-Experte für Seidenzucht und die traditionelle Flöte Chiba, und er spielt den Seidenwurm-Kokons regelmäßig auf der Flöte vor, bevor sie in kochendes Wasser geworfen werden. Gibt es das wirklich? Oder ist das nur eine poetische Metapher? Jedenfalls spielt im Film eine besondere Art von Seidenwürmern eine Rolle, die sich anders als die normalen in einen seitlich offenen Kokon einspinnen. Diese Puppen müssen, um den Seidenfaden zu gewinnen, nicht getötet werden müssen; angeblich wird aus ihnen, wenn sie schlüpfen, der allerschönste Schmetterling, nämlich der "Nachtpfau" - eben jener Schmetterling, den sich Elsa in Paris gleich zweimal in die Haut stechen lässt.
Schon das ist alles sehr poetisch - doch die Handlung nimmt noch eine weitere poetisch-dramatische Wendung. Ein junger Mann sieht Elsa in Chengdu auf der Straße. Er verliebt sich in sie und folgt ihr. Um ihr nahe zu sein, bewirbt er sich als Putzkraft in dem Studentenheim werden, wo sie wohnt. Sofort stellt man ihn ein, und sofort darf er allein in alle Zimmer, auch in das der schönen Elsa. Wer ist dieser romantische junge Mann? Welch ein Zufall: Es ist Ma Lin, der Sohn des Seiden- und Flötenexperten ... und er weiß nichts von Elsas Beziehung zu seinem Vater. Doch auch Ma Lin ist ein Doppel-Experte: Einerseits ist er passionierter Frauendarsteller in der lokalen Oper. Andererseits ist er ein Meister der Fußpflege. Als solcher hat er in seinem Arbeitskoffer (den er, als er mit Elsa in einem Schwimmbad ist, in wenigen Minuten aus dem Nichts herbeizaubert) ein ätherisches Öl, das man nur äußerlich anwenden darf ... weil es nämlich denjenigen, der es trinkt, erst in einen Liebesrausch versetzt und dann tötet ... so nehmen Poesie und Drama ihren rasanten Lauf.
Sieht man genauer hin, merkt man: all dies ist haarsträubend konstruiert. Und all diese scheinbar so poetischen Einblicke ins Tätowieren, die Seidenzucht, die Flötenkunst und die Fußpflege öffnen leider nicht den Blick in unerhörte Schätze der chinesischen Kultur . Sondern sie sind in der Tat nicht mehr als kulturell ummantelter "Poesiealbum-Kitsch", die mit Chinas Wirklichkeit nicht viel zu tun haben. Dai Sijie, das zeigt dieser Film wohl definitiv, ist ein ein jämmerlicher Regisseur, der die Handlungen seiner Filme (wohl auch seiner Romane) gnadenlos aufbläst und fälscht, ohne jegliche Rücksicht auf Plausibilität und Realität.

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YE MEI GUI 野玫瑰 ("Wild Rose")
Stummfilm von Sun Yu, China 1932. Mit Wang Renmei und Jin Yan. 80 min, mit chinesischen und englischen Zwischentiteln. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Xiao Feng ist eine lebhafte junge Frau in einem Dorf nahe Shanghai. Sie lebt mit ihrem Vater auf einem Hausboot, hütet Gänse und verbreitet patriotische Ideen unter der Dorfjungend. Auf einem seiner Ausflüge mit seinem Auto kommt der Maler Jiang Bo in dieses Dorf. Er stammt aus einer wohlhabenden Shanghaier Familie und ist mit seinem schicken Auto (im Shanghai dieser Jahre noch mit Linksverkehr und dem Steuer auf der rechten Seite), seinem Reichtum (bzw. dem seines Vaters) und seiner Freundlichkeit der Schwarm aller seiner weiblichen Bekannten. Er jedoch freundet sich mit Xiao Feng an. Als das Hausboot von deren Vater abbrennt und man annimmt, der Vater sei umgekommen, nimmt Jiang Bo die junge Frau mit nach Shanghai. Obwohl er dafür von seinem Vater verstoßen wird, bleibt er bei ihr; später geht er sogar für sie ins Gefängnis. Danach verlieren sie sich aus den Augen, finden einander jedoch wieder, als beide dem Aufruf folgen wollen, sich freiwillig für den Kampf gegen die Japaner zu melden.
Dem Regisseur Sun Yu verdanken wir einige der besten Filme der chinesischen Stummfilmzeit, z.B. "Big Road" und "Little Toys". Sein Film "Wild Rose" machte die damals 17-jährige Wang Renmei mit ihrer Unbekümmertheit und ihrer Sportlichkeit für einige Jahre zu einer der populärsten Schauspielerinnen. Nach 1949 glaubte sie ebenso wie der Regisseur Sun Yu, als Linke im neuen China ihren Platz zu haben. Doch auch für sie galt schon bald, was der Wirt im Drama "Teehaus" (von Lao She) zu einem Freund sagt: "Du sagst, du liebst dein Vaterland - aber dein Vaterland, liebt es dich?" Nein, dieses Vaterland liebte sie nicht, liebte und liebt wie jedes mächtige Land nichts und niemand als sich selber, und so kamen beide in den Kampagnen des neuen China bald unter die Räder. Wang Renmei, deren Vater einer der Lehrer des jungen Mao gewesen war, ging es etwas besser, aber gut ging es auch ihr nicht. So bleibt uns nur, sie in diesem über 80 Jahre alten Stummfilm zu bewundern, wo sie unseren Gefühlen mit ihrer Offenheit und ihrem fröhlichen Selbstbewusstsein näher zu sein scheint als viele der blasierten Wohlstandsgesichter neuerer Filme.

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YE MING 夜明 (Road to Dawn / Sun Yatsen in Penang / Menjelang Subuh)
Von Derek Chiu, Malaysia 2007, 123 min, mit Winston Chao und Angelica Lee. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Die Bedeutung der Auslandschinesen für Sun Yatsen (= Sun Zhongshan) und für Chinas Revolution von 1911/12 steht außer Zweifel. Doch beschränkt sich deren Darstellung meistens auf Japan, Hongkong, Hawaii und die USA. Andere Stationen wie das malaysische Penang  werden oft unterschlagen. Der in Malaysia produzierte Film "Road to Dawn" korrigiert das. Er schildert die wichtige Episode, als Sun Yatsen in der zweiten Jahreshälfte 1910 auf der Insel Penang lebte, dort die "Penang-Konferenz" organisierte und auch das Hauptquartier seiner damaligen "Tongmenhui"-Partei dorthin verlegt hatte.
Der Film würdigt auch eine Frau, die vor Song Qingling 20 Jahre lang Sun Yatsens Partnerin gewesen war, nämlich Chen Cuifen (1873-1960; siehe Fotos):

Der Unterschied zwischen ihr und Song Qingling könnte größer nicht sein. Letztere heiratete sich 1915 mitten ins Zentrum der Macht: als Frau eines Berühmten und Mächtigen, der schon Chinas Präsident gewesen war und es bald wieder sein würde. Chen Cuifen hingegen wurde Sun Yatsens Kampfgenossin, als er nichts anderes war als ein charismatischer Aufwiegler und Geldsammler. Sie war Waisenkind und Analphabetin, und anders als die hochgebildete Song Qingling auch nicht die Tochter eines schwerreichen Wirtschaftsbosses - also kein Grund für den jungen Mediziner, sich wegen ihr (wie später für Song Qingling) von seiner Ehefrau Lu Muzhen scheiden zu lassen. Solange Sun am Rand des Abgrundes lebte und verzweifelt um Unterstützung warb, stand Chen Cuifen an seiner Seite: sie verteilte Flugblätter, schmuggelte Waffen, wusch seine Wäsche und kochte für die Treffen der Verschwörer. Als er zu Chinas erstem Präsidenten gewählt war, ließ er sie fallen.
Ihre letzten Jahre verbrachte sie armselig und verlassen in Hongkong. Wahrlich ein bitterer Zynismus der Geschichte: ausgerechnet sie, die einzige Proletarierin unter den Frauen des Sun Yatsen, wurde auch im kommunistischen China fast gänzlich ignoriert - stets im Schatten einer reichen Aristokratin, die außer einigen schwierigen Jahren immer in Palästen residierte. Dass Chen Cuifen im Grabmal der Sun-Familie bestattet wurde, war zwar ein versöhnendes Symbol. Es kann aber die Schäbigkeit, mit der man sie im Leben behandelte, nicht vergessen machen.

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YI BU ZHI YAO  一步之遥 ("Gone With the Bullets")
Action-Komödie von Jiang Wen, China 2014. Mit Jiang Wen, Ge You, Shu Qi, Zhou Yun. 140 min, Chinesisch OHNE englische UT. Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Jiang Wen ist ohne Frage eine Ausnahmefigur des chinesischen Kinos. Als Schauspieler war und ist er ebenso unverwechselbar wie als Regisseur. Schon sein erstes Werk als Regisseur war herausragend: "In the Heat of the Sun" und der Blick auf die Kulturrevolution aus Sicht heranwachsender Kader-Kinder. Bis heute in China verboten ist "Devils on the Doorstep": der erste und einzige Film aus China, der die Chinesen nicht im permanenten Heldenkampf gegen die japanischen Besatzer zeigt, sondern so, wie es gewesen sein muss: Leute, die Japanern Lebensmittel verkauften, mit ihnen Geschäfte machten, für sie arbeiteten. Dann, poetisch und stellenweise versponnen, "The Sun Also Rises". Es folgte "Let the Bullets Fly": zwar immer noch komplex bis hin zum Surrealistischen (und von vielen als politische Allegorie interpretiert), jedoch mit spektakulären Action-Elementen, die vermutlich der Grund für den großen kommerziellen Erfolg waren.
Diese Tendenz hat Jiang Wen in seinem neuen Werk beibehalten, und zwar um so mehr, als der Film (auf normalen Leinwänden nicht zu sehen) für das Kino in 3D gedreht wurde. Die Handlung spielt im Shanghai der 20er-Jahre und soll auf eine wahre Geschichte zurückgehen. Ma Zouri (Jiang Wen) ist ein Berufsschwindler aus ehemals gutem Hause, der sich mit dem korrupten Polizisten Xiang Feitan (Ge You) zusammentut. Sie sollen dem verwöhnten siebten Sohn eines Warlords helfen, das Geld zu waschen, das sein Vater aus seinem Militärbudget abgezweigt hat. Dafür veranstalten sie einen großen Schönheitswettbewerb. Dessen Ergebnis steht eigentlich fest, nimmt jedoch mit dem Auftreten der schönen Ying Wanyan (Shu Qi) einen unerwarteten Verlauf. Sie gewinnt den Wettbewerb - und wird nach einer durchzechten und Opium-geschwängerten Nacht mit Ma Zouri tot aufgefunden. Während Ma auf der Flucht ist, steigt sein Kumpan Xiang Feitian in der Hierarchie der Französischen Konzession  auf. Dann gewinnt Ma die Zuneigung von Wu Six, der filmbesessenen sechsten Tochter des Warlords (gespielt von Zhou Yun, seit 2005 Ehefrau von Jiang Wen), die ein Filmprojekt über die bevorstehende Hinrichtung des Ma Zouri verwirklichen will.
Der Film glänzt mit spektakulären Einstellungen und brillanten Kamerafahrten, internationalen Songs und Darstellern sowie mit grandiosen schauspielerischen Auftritten der Hauptdarsteller. Aus dem smarten Kriminellen Ma nacht er eine schillernd überdrehte Figur, bei der mit Recht Anklänge an die Figuren von F. Scott Fitzgerald festgestellt wurden. Allerdings musste auch dieser Film, wie alle anderen in China, vor seiner Freigabe fürs Kino durch die chinesische Zensur. Dort wurde er, wie bei den Idioten des staatlichen Kultur-WC namens "Zensurbehörde" üblich, mit zahlreichen Streichungs- und Änderungsauflagen bedacht. Dadurch sind jetzt diverse Handlungsabläufe schwer verständlich geworden - ganz davon abgesehen, dass die DVD leider keine englischen Untertitel hat.

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YI CHANG FENG HUA XUE YUE DE SHI  一场风花雪月的事 ("Crimes of Passion")
Action-Thriller von Gao Junshu, China 2013. Mit Angelababy, Jae Hee, Huang Xiaoming. 107 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Gao Junshu ist hierzulande bisher wenig bekannt. Er hat jedoch nicht nur vielbeachtete Filme gedreht wie 2006 das Kriegsverbrecher-Drama Dong Jing Shen Pan ("The Tokio Trial") und 2012 den Thriller "Beijing Blues", sondern auch mit Feng Sheng ("The Message", 2009) einen der erfolgreichsten chinesischen Filme überhaupt. Hier nun sein jüngstes Werk, das 2013 in die Kinos kam.
Wieder einmal geht es um einen Kunstgegenstand von nationalem Rang, der auf undurchsichtige Weise in die Hände der Unterwelt gefallen ist. Diesmal ist es eine goldene Buddhastatue in den Händen einer koreanischen Bande mit Sitz in Hongkong. Der Sohn des Bandenchefs (bei dem unklar ist, ob er mit dem Verbrechen zu tun hat) kommt nach Shenzhen, und die dortige Polizei übernimmt es, ihn gleichzeitig zu schützen und zu überwachen. Dafür wird die Polizisten Lü Yueyue (gespielt von "Angelababy") abgestellt. Die Gefahren, die sie und der junge Koreaner bald zu durchstehen zu haben, bringen sie schnell einander näher. Für die Beziehung zu ihrem festen Freund, der wie sie Polizist ist, bleibt das natürlich nicht ohne Auswirkungen. Nach wilden Verwicklungen und rasanten Verfolgungsfahrten löst sich der Fall, wobei der Sohn des Bandenchefs ums Leben kommt. Aber Lü Yueyue, von ihren Vorgesetzen hart kritisiert, ist von ihm schwanger ... und wird, da sie den letzten Nachkommen der Gangsterfamilie in sich trägt, nun erneut verfolgt.

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101 CI QIU HUN - 101 次求婚 ("Say Yes!")
Von Leste Chen, China 2013. Mit Huang Bo, Lin Chiling, Qin Hailu. 102 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Huang Bo ist DER Darsteller für Underdogs und hartnäckige Fieslinge. Dass er dennoch von überraschender Vielseitigkeit ist, zeigte er als Kuhhirte in dem grandiosen "Dou Niu" ("Cow") ebenso wie in der Rolle des penetranten Co-Geschäftsführers in "Lost in Thailand". Hier nun verkörpert er als Huang Da einen einfachen Vorarbeiter im Baugewerbe, der sich in die ätherische, allseits umschwärmte Cellistin Ye Xun verliebt (gespielt von Taiwan-Superstar Lin Chiling). Also eine moderne Fassung von "The Beauty and the Beast", verlagert ins quirlige Shanghai. Hier laufen sich der Arbeiter und die schöne Ye Xun bei einem Blind Date (jeweils mit einem anderen) über den Weg. Ye Xun ist immer noch davon traumatisiert, dass vor Jahren, als sie einen Schönen und Reichen heiraten wollte, der Bräutigam plötzlich einen Unfall hatte und verschwand. Und während sie und der Bauarbeiter sich wider alle Wahrscheinlichkeit allmählich annähern, taucht plötzlich der reiche Bräutigam von damals wieder auf, der jetzt die Heirat nachholen möchte ... nun muss sich die Schöne entscheiden. Alles in allem eine Story, die von romantischen Klischees nur so trieft, und in der, wie es sich für ein Märchen gehört, das Sexuelle ebenso ausgeblendet ist wie das Politische. Die guten Schauspieler, insbesondere der naiv-unwiderstehliche Huang Bo, machen das Ganze dennoch amüsant.

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YI DAI YAO HOU  一代妖后 ("Empress Dowager Cixi")
Von Li Hanxiang, China 1989. Mit Liu Xiaoqing, Gong Li, Chen Daoming, Li Yan. 91 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Natürlich ist es hinsichtlich der Gleichberechtigung von Frauen leicht, über China zu lachen. Die Verfassung von 1912 erwähnte sie gar nicht. Die Mao-Verfassung von 1954 behauptete ebenso wie die derzeit gültige: "Die Frauen haben in der Volksrepublik China auf allen Gebieten ... die gleichen Rechte wie die Männer". Doch auch heute, 60 Jahre danach, erhalten Kinder in China immer noch automatisch den Familiennamen des Mannes, außer in wenigen Ausnahmefällen. Natürlich ist das ungerecht. Aber wir müssen uns daran erinnern, dass unser einfacher Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" 1948/49 erst nach hartem Kampf ins Grundgesetz aufgenommen wurde, und dass es Jahrzehnte dauerte, diesen Grundsatz auch im BGB und den sonstigen Rechtsvorschriften durchzusetzen.
Frauen an der Macht waren den Chinesen immer ein Horror. Das war so bei Wu Zetian und ihrem bemerkenswerten Intermezzo mitten in der glorreichen Tang-Dynastie. Es war erst recht so bei Cixi, die das Kaiserreich von 1861 bis zu ihrem Tod 1908 beherrschte, und mit der die Qing-Dynastie und das Kaisertum ihr Ende fanden. Und es war ebenso bei Jiang Qing, mit der de facto die Idee des Kommunismus in China begraben wurde.
Leider ist es ein typisches chinesisches Merkmal, dass alle historischen Belege, die eine differenziertere Sicht stützen könnten, hinterher vernichtet wurden (bzw. wie die Vernehmungsprotokolle von Jiang Qing bis heute geheimgehalten werden). So bleibt eine Interpretation den Literaten und Filmemachern vorbehalten. Das ist äußerlich leicht, aber innerlich schwer. Zeiten und Umstände hätten für Cixi kaum schwieriger sein können. Da waren die hungrigen Westmächte, die seit den Opiumkriegen mit aller Gewalt versuchten, sich China einzuverleiben. Da war die Taiping-Rebellion, die ohne das Eingreifen der Ausländer die Qing-Dynastie vermutlich gestürzt hätte, und wie ein Nachklang Jahrzehnte später der "Boxer-Aufstand" (Yihetuan). Da waren zu junge und zu schwache Kaiser, bei denen unklar ist, ob ihre Schwäche die Macht der Cixi ermöglichte, oder ob umgekehrt die Macht dieser Frau es den jungen Kaisern unmöglich machte, zu einer wirkungsvollen Politik zu finden. Da waren am Pekinger Hof die unüberwindlichen Konflikte zwischen Konservativen und Reformern. Da war die entschlossene Gegnerschaft der chinesischen Intellektuellen, die teils Reformen, teils eine Revolution forderten.
Der Film von Li Hanxiang ist einer von vielen Versuchen, Leben und Wirken der Regentin Cixi darstellen, und dabei der zweite einer Reihe von drei Filmen: Der erste schildert die Jugend und den Weg zur Macht, der zweite - und hier gezeigte - die Zeit bis zum Tod von Cixis Sohn 1875, und der dritte die Spätzeit der nunmehr allein regierenden Regentin. Gong Li, die mit "Rotes Kornfeld" berühmt geworden war, spielt hier eine Nebenrolle.
Die Frage, ob das Ende des Kaiserreiches hätte aufgehalten werden können (vielleicht in einer Richtung, wie die Herrscherhäuser in England, Schweden oder den Niederlanden sie einschlugen) kann der Film naturgemäß nicht beantworten. Eine andere Frage allerdings drängt sich auf: Wann endlich wird ein Filmemacher in Hongkong, Taiwan oder Singapore (gar nicht zu reden von der Volksrepublik) das Wagnis unternehmen, Leben und Wirken der Jiang Qing in einem ähnlichen Film darzustellen?

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YI DAI ZONG SHI 一代宗師  ("The Grandmaster")
Von Wong Karwai, Hongkong 2012, 127 min. Mit Tony Leung Chiu-Wai und Zhang Ziyi. Chinesisch OHNE Untertitel. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Unter den großen chinesischen Regisseuren grassiert eine geheimnisvolle, höchst ansteckende Infektionskrankheit. Der Erreger ist unbekannt, aber die Symptome sind unverwechselbar: Kampfkunst-Filme mit Zhang Zhiyi, schönstes Gesicht und schlechteste Schauspielerin des neuen chinesischen Kinos.
Als ersten erwischte es Ang Lee mit "Tiger and Dragon". Danach steckte sich Zhang Yimou an, heraus kam erst "Hero" und danach in einem Rückfall "House of Flying Daggers". Nun also hat es auch Wong Karwai erwischt. Wie tief die Erkrankung bei ihm geht, zeigt sich daran, dass er Zhang Ziyi nicht nur Kampfposen zeigen und traurig in die Kamera blicken lässt, sondern gelegentlich auch reden. Das tut sie wie ein Schulmädchen, das man ununterbrochen trösten möchte.
Die Story ist, wohlwollend gesagt, eine Hommage an einen heute als namhaft geltenden Kampfkunst-Meister. Es ist Yip Man (= Ye Wen) aus Foshan in Südchina, über den es schon eine Reihe anderer Filme gibt. Wong Karwai schwelgt wie üblich in melancholischen, nachtschwangeren Bildern, und zwar in einer komplexen Story, in der es nicht mehr und nicht weniger als um den allergrößten Kampfkunstmeister ganz Chinas geht.
Historisch gesehen scheint das zum Lachen, denn schließlich, wer war dieser Yip Man? Gibt es einen einzigen Zeitungsbericht aus der Republikzeit, der ihn hervorhebt oder auch nur erwähnt? Nein, sondern er war - und darin liegt seine einzige Qualifikation - später in Hongkong "der Lehrer von Bruce Lee" (als dieser zwischen 13 und 17 Jahren war). Wer aber war Bruce Lee? Ein überspannter US-chinesischer Film-Schaukämpfer, dessen größte Kampferfolge im realen Leben eine Schulmeisterschaft im Boxen und 1958 die Hongkonger Meisterschaft im Cha-Cha-Cha-Tanzen waren. Dass sich angeblich "die meisten von Yip Mans Schülern weigerten, mit Bruce Lee zu trainieren, nachdem sie von seiner gemischten Abstammung erfahren hatten" (Wikipedia) dürfte angesichts der Kolonialgeschichte von Hongkong wohl eher ein Märchen sein. Vermutlich soll es nur die Tatsache erklären, warum es heute kaum Leute gibt, die doch in diesen 5 Jahren mit Bruce Lee gemeinsam trainiert haben müssten.
Wong Karwai jedoch adelt diesen vermutlich belanglosen Gongfu-Lehrer Yip Man mit der Figur des souveränen Tony Leung. Dieser wird seit "In the Mood for Love" auch im Westen als einer der ganz Großen des chinesischen Films wahrgenommen (kürzlich sah man ihn in "Silent War"). Wong Karwai zeigt ihn in Kampfszenen, die von der Kritik hoch gepriesen wurden: einer allein gegen 20 Kämpfer, nachts und im strömenden Regen ... zum Lachen. Man bedenke: Inzwischen sind die Japaner in China, das ganze Land ist in Aufruhr - und von 20 Mann, die den Helden erledigen sollen, hat keiner eine Pistole dabei?
Fazit: Konfuse Story, belangloser Titelheld, lächerliche sogenannte "Kampfkunst" - eingepackt jedoch in schöne, atmosphärisch dichte Bilder, gespielt von berühmten Schauspielern, mit gewohnt hübschen Kampf-Choreographien. Statt als "Kampfkunst" muss man diese Szenen als hochdynamisches Ballett betrachten, dann kann man das durchaus genießen.

P.S. Zhang Ziyi als "schlechte Schauspielerin" zu bezeichnen, gilt natürlich nur im chinesischen bzw. im internationalen Rahmen. In Deutschland, wo gespreizte Desparadas a la Katja Riemann als bedeutende Schauspielerinnen durchgehen, würde sogar Zhang Ziyi als begnadete Darstellerin gelten.

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YI GE FU ZA GU SHI 一个复杂故事 ("A Complicated Story")
Von Kiwi Chow, Hongkong 2013. Mit Zhu Zhiying, Jackie Cheung, Stephanie Che. 104 min, Kantonesisch und Putonghua mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der Titel verspricht nicht zu viel: eine komplizierte Geschichte. Obwohl, wenn man es genau nimmt, ist es gar nicht die Geschichte, die kompliziert ist. Sondern es sind die handelnden Personen, die allesamt viel komplizierter sind, als es am Anfang scheint. Das führt zu immer neuen Wendungen und Entwicklungen, und am Ende zu einer Lösung, die man bei einem 35-jährigen männlichen Hongkong-Regisseur (zumal in seinem ersten Spielfilm in voller Länge) kaum erwarten würde.
Es beginnt mit einer fast klassischen Exposition: Liu Yazi ist Studentin in Hongkong. Sie kommt vom Festland und braucht Geld für ihren dort lebenden kranken Bruder. Also lässt sie sich auf einen zweifelhaften Deal ein: Leihmutter für ein unbekanntes, aber äußerst reiches Hongkonger Ehepaar. Die kühle Anwältin Kammy und der smarte Reproduktionsmediziner Dr. Lok erklären es ihr: für hunderttausend (US-)Dollar sollen ihr Zellen des Ehepaares implantiert werden. Während der Schwangerschaft wird sie in einer prachtvollen Villa mit Seeblick wohnen. Dafür verzichtet sie auf alle Rechte an dem Kind, und sie muss versprechen, nicht nach der Identität der biologischen Eltern zu forschen.
Liu Yazi lässt sich darauf ein, obwohl ihr Freund Chunming anbietet, das Geld für den Bruder anderweitig zu besorgen. Doch das Idyll in der Seeblick-Villa findet ein schnelles Ende: Die biologische Mutter erklärt den Vertrag für beendet und verlangt eine Abtreibung. Liu Yazi lässt sich auf eigene Faust untersuchen und erfährt, dass sie mit Zwillingen schwanger ist. Daraufhin flüchtet sie und taucht unter - bis der biologische Vater sie ausfindig macht und ihr einen ganz anderen Deal vorschlägt.
An dieser Stelle könnte es sich der Film (bzw. der zugrundeliegende Roman von Yi Shu) einfach machen. Etwa so: Die Frau ziert sich ein bisschen, dann wird sie die Ehefrau eines Milliardärs und Mutter seiner Kinder. Aber gerade dass der Film diesen leichten Weg NICHT beschreitet, macht ihn interessant. Nach und nach zeigen sich immer tiefere Facetten der Hauptpersonen, die anfangs so kühle Anwältin Kammy eingeschlossen ... bis zu dem Ende, das hier - obwohl nach dem Vorhergegangenen eigentlich logisch - nicht verraten werden soll.

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Yi Ge Lan Duo De Chuan Shuo 一个烂赌的传说 ("A Gambler's Story")
Spieler-Komödie von Marco Mak, Hongkong 2001. Mit Francis Ng, Kwan Sau-Mei, Lee Chan-Sam. 94 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Im Mittelpunkt dieses freundlichen Streifens steht ein Männertyp, wie es ihn so nur im Hongkong-Kino gibt: der glücklose, aber im Grunde sympathische Spieler, der nicht nur sein ganzes Geld verspielt, sondern damit auch seine Partnerin verliert, und der dann auf der Flucht vor brutalen Geldverleihern eine Frau trifft, die eigentlich viel zu gut für ihn ist ... so also auch bei Suki, der regelmäßig von Hongkong nach Macao ins Casino fährt. Sein Leben ist eine einzige Achterbahn von gelegentlichen Glückstreffern und regelmäßigen Abstürzen.
In einer Karaoke-Bar lernt er die schöne Princess kennen. Die ist ebenso spielsüchtig wie er, hat aber einen reichen Liebhaber an der Hand, der ihr in der Not aushelfen kann.
Als auch das nicht mehr reicht, beschließt Suki, für einen Haufen Geld eine Niere und einen Teil seiner Leber für einen krebskranken Triaden-Boss zu spenden, mit dem Risiko, dabei draufzugehen. Auch das geht zwar gut aus. Aber aus Angst vor einem Happyend lässt der Regisseur die Liebesgeschichte geradezu tragisch ausgehen, und Suki bleibt ein Spieler ... genug Zeigefinger, um den Weg des Spielers nicht allzu attraktiv scheinen zu lassen.

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Yi Ge Mo Sheng Nü Ren De Lai Xin  一个陌生女人的来信 ("Brief einer Unbekannten")
Drama von Xu Jinglei 徐静蕾, China 2004. Mit Xu Jinglei und Jiang Wen 姜文. 90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Peking 1948: Ein Schriftsteller erhält den Brief einer Frau, den diese vor ihrem Tod an ihn geschrieben hat. Es ist eine Lebensbeichte und ein leidenschaftlicher Liebesbrief - doch der Schriftsteller erinnert sich nicht an die Frau. In Rückblenden wird die Begegnung mit ihr geschildert, beginnend mit ihrer Verliebtheit als junges Mädchen. Dann die erneute Begegnung und die Liebesnacht der jungen Frau mit ihrem Idol. Ihre Schwangerschaft und die Geburt ihres Kindes, von dem der Schriftsteller ebenfalls nie etwas wusste. Schließlich ihr ganzer Lebensweg, der äußerlich immer wieder von Not und Zwängen bestimmt war, doch im Innern von ihrer nie endenden unerfüllten Liebe zu dem Schriftsteller.
Der Film ist eine sensible Adaptation von Stefan Zweigs Novelle Brief einer Unbekannten, angesiedelt im China der Republikzeit. Xu Jinglei führt Regie und spielt die weibliche Hauptrolle. Die männliche Hauptrolle spielt Jiang Wen, der wie Xu Jinglei sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur berühmt geworden ist.
Stefan Zweigs ergreifende Novelle erschien 1922 in dem Sammelband "Amok". Wie viele andere Werke von Zweig (der 1942 im brasilianischen Exil gemeinsam mit seiner Ehefrau aus dem Leben ging), ist auch diese Novelle erfüllt von einer Atmosphäre tiefer Melancholie und Resignation.  Wer sie nachlesen oder vorher lesen will, findet den Text im Internet z.B. bei:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/amok-6860/5 .

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YI GE NÜ REN DE MING YUN  一个女人的命运  ("Schicksal einer Frau")
Von Yuan Ye und Zhang Jinbiao; China 1984. Mit Yan Xin, Gao Weiming, Wang Bozhao. 91 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Die Geschichte spielt auf dem Land, in den späten 20er Jahren: Die junge Meichun versucht mit aller Kraft, ihrem Mann Chen Delong eine gute Ehefrau zu sein. Als dieser sie in aller Öffentlichkeit demütigt, will sie sich ertränken, wird aber gerettet. 1926 kommt es auch in dieser Landregion zu Unruhen; dabei lernt sie den Revolutionär Huang Liqiu kennen. Sie heiraten, und Meichun bringt einen Sohn zur Welt. Doch dann fällt Huang Liqiu den Säuberungen der Guomindang zum Opfer. Um ihren Sohn durchzubringen, glaubt sie zu Chen Delong zurückkehren zu müssen. Doch als dieser nicht aufhört, sie weiterhin zu demütigen, verlässt sie ihn endgültig.
Auch dies ist einer jener eindringlichen Filme, die in den frühen 80er Jahren gedreht wurden, also den Aufbruchsjahren des neuen China, und die trotz ihrer bemerkenswerten Qualität im Westen nie wahrgenommen wurden.

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YI LU XIANG XI  一路向西 ("Due West: Our Sex Journey")
Softporno-Comedy von Mark Wu, Hongkong 2012. Mit Justin Cheung, Gregory Wong, Mark Wu. 118 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Erotik und Sexualität im VR-chinesischen Film ... das ist wie Geist und Witz im deutschen: ein Thema zum Verzweifeln. Natürlich sind Liebe und Hass auch in China zentrale Kinothemen. Es wimmelt von Begehrlichkeit, Liebeserklärungen, Entführungen und Vergewaltigungen. Aber wenn es zur Sache kommt, wird abgeblendet. Selbst in den Werken der Vorzeigeregisseure Zhang Yimou oder Chen Kaige gibt es nirgends eine Szene lustvoll zelebrierter Sexualität, jedenfalls erinnere ich mich an keine. Warum, ist eigentlich ein Rätsel. Gewiss sind da die prüden Zensoren und ihr Staatsauftrag, China international lächerlich zu machen. Aber man hat selten das Gefühl, dass die Filmemacher den Freiraum, den sie haben, wirklich bis an die Grenzen ausloten.
In Hongkong sollte das anders sein, und auf den ersten Blick ist es das auch. Es wimmelt von Männern, die in Rotlicht-Etablissements junge Frauen in Unterwäsche begutachten, und man sieht mehr als genug stöhnende Nackte bei schweißtreibender Partnergymnastik. Das Ergebnis ist jedoch in der Regel weder erregend noch auch nur anregend.
"Due West: Our Sex Journey" stellt zumindest am Anfang einen höheren Anspruch. Der Film will möglichst offen und möglichst witzig den Weg eines braven, aber neugierigen Jungen zur Sexualität und zu den Frauen zeigen. Frankie ist das einzige Kind einer typischen Hongkonger Mittelstandsfamilie, wo Vater und Sohn ganz unter dem Pantoffel der alles dominierenden Mutter stehen. Anfangs ist das ganz lustig, zumal mit einem wortkargen Klassenkameraden, der sich bereits mit allem auszukennen scheint. Auch die Probleme, die sich bei Frankies kurzem Zusammenleben mit einer unter Waschzwang und sonstigen Neurosen leidenden Freundin ergeben, sind noch recht witzig. Aber danach weiß der Regisseur selber nicht mehr, was er eigentlich sagen und zeigen will. Er vergisst, dass Erotik neben Gefühlen vor allem in Gedanken besteht, und dass für eine erfüllte Sexualität die richtigen Worte wichtiger sind als die richtige Figur. Frankies Klassenkameraden werden zunehmend zu Klischeefiguren, die Handlung zur Fleischbeschau.
Dabei scheint sich Hongkong immer mehr den Geschmacksverirrungen der US-Amerikaner anzugleichen. Im alten China hatten die meisten Chinesinnen (z.B. Ruan Lingyu) eher kleine Brüste (Zitat Loach is Fish Too: "Wenn du am Rücken zwei Bohnen unter den Pulli steckst, weiß keiner, wo bei dir vorn oder hinten ist"). Hingegen sehen die neuen Chinesen den Inbegriff erotischer Anziehung offenbar in übergroßen Brüsten - ohne zu merken, dass diese nur sexy sind, solange ein BH sie in Form hält. So lässt der Regisseur im ersten Teil nahezu unbemerkt eine Frau mit wahrhaft perfektem Körper auftreten, während der Schlussteil komplett einer euterbrüstigen Mona Lisa gehört, die mit dem braven Frankie wie in der Volkshochschule das Huren-ABC von Blowjob & Co durchbuchstabiert. Dass alles, was hier an Sexuellem passiert, einzig aus dem Blickwinkel des Mannes gesehen wird, ist ebenso kläglich wie typisch - desgleichen, dass man zwar massenhaft Brust, Bauch und Rücken sieht, nie jedoch einen Penis oder eine Vagina. So erweist sich die aufgesetzte Witzigkeit dieser Filme bei näherem Hinsehen als Ausdruck einer sexuellen Verklemmtheit, die man den ehedem so vermehrungsfreudigen Chinesen kaum zutrauen möchte.
P.S. Aus dem Gesagten den Schluss zu ziehen, der deutsche Film sei erotisch, wäre allerdings ein Missverständnis.

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Yi Lu You Ni 一路有你 ("The Journey")
Drama/Komödie von Chiu Keng-Guan, Malaysia 2014. Mit Ben Pfeiffer, Joanne Yew, Lee Sai-Peng. 97 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Anders als meistens ist bei diesem wahrhaft interkulturellen Film der internationale Titel treffender als der nationale. Denn in der Tat geht es um eine Reise, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zum einen sind da Bee (Joanne Yew), die seit langem in England lebt, und ihr Verlobter Benji (Ben Pfeiffer). Sie reisen nach Malaysia, wo Bees alter Vater (Lee Sai-Peng, von den Nachbarn "Onkel Chuan" genannt) in einer abgelegenen Gegend als Obstzüchter lebt.
Für Benji ist das auch eine Reise in die chinesische Kultur, wie sie sich in diesem Teil Malaysias bewahrt hat. Davon erhält er gleich am ersten Abend einen Vorgeschmack, als ihm der mürrische Vater verbietet, mit Bee in einem Raum zu schlafen. Überhaupt ist der Alte am Anfang ganz gegen die Verbindung seiner Tochter mit einem Ausländer. Doch als er das akzeptiert, will er einer alten Sitte gemäß persönlich seine alten Klassenkameraden zur Hochzeit einladen. Dabei soll ihn Benji begleiten - also eine weitere Reise, die sie durchs ganze Land führt, erst auf Benjis Motorrad, dann in einem alten Auto.
Sehr schön zeigt der Film, wie die gegenseitigen Vorbehalte mit zunehmender Kenntnis der jeweils anderen Kultur schwinden, und dass den alten und den jungen Mann viel mehr Dinge verbinden als sie anfangs gedacht hatten. Ein liebenswerter Film über kulturelle Verschiedenheiten und menschliche Gemeinsamkeiten - und ein Dank an Alex König, der die DVD zur Verfügung gestellt hat.

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Yi Qing Chun De Ming Yi 以青春的名义 ("In Your Dreams"), von Tam Wai-ching 谭惠贞, Hongkong 2017. Mit Carina Lau刘嘉玲, Ng Sui Hin 吴肇轩, Tse Kwan Ho 谢君豪,  Stephen Wai Tung, Tina Liu 刘天兰. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

《以青春的名義》故事從中學生張子行(吳肇軒飾)開始,他的媽媽多年來也沒回家,而退休醉酒拾 荒的爸爸(董瑋飾)卻對妻子念念不忘。一晚子行在泳池躺著時,卻發現一名女子爛 醉墮池並救起她。翌日子行才發現她是代班主任葉若美(劉嘉玲飾),子行與若美因 為好奇,漸漸開始發展一段曖昧的關係。當若美得悉子行家庭狀況時,子行亦得悉若 美的丈夫劉方信(謝君豪飾)卻跟跳舞老師李菁(余香凝飾)搞出婚外情。子行於是 向李菁學跳舞並教導若美。可是,突然若美不再跳舞並辭職,但子行卻對若美念念不 忘。

Boris Johnson, Michael Farage und die durchgeknallten Brexiteers sollten uns nicht vergessen lassen, dass der Abschied von Europa bereits der zweite Brexit der Briten ist. Der erste war 1997 in Hongkong, wo sie, als sie sich zurückzogen, ein politisches Desaster zurückließen. Das angebliche "Mutterland der Demokratie" war unfähig, in 150 Jahren Kronkolonie die erste Demokratie in China einzuüben. Jetzt, wo der Große Bruder in Peking sich anschickt, Hongkong als Vorspeise zum erhofften Hauptgericht Taiwan zu verschlingen, muss die tapfere Stadt sich selbst Demokratie beibringen. Zum Zeichen unserer Solidarität zeigen wir am Freitag zwei Produkte aus dem einzigen Bereich, in dem Hongkong noch Großmacht ist: im Film.
"In Your Dreams" ist das Debüt der 1984 geborenen Regisseurin Tam Wai-ching. Der sensible Film schildert eine Beziehung zwischen dem 16-jährigen Schüler Heng (Ng Siu Hin 吴肇轩) und seiner zeitweiligen Lehrerin. Heng lebt in schwierigen Umständen, zusammen mit seinem Vater. Der ist permanent betrunken, seit seine Ehefrau, Hengs Mutter, die beiden vor Jahren verlassen hat – wie der Vater sich einredet, zurück zum Festland. Eines Nachts rettet Heng eine Frau aus dem Schwimmbecken seiner Schule. Am nächsten Tag begegnet sie ihm in seiner Schulklasse: Sie heißt You Mei und stellt sich als Ersatz-Lehrerin für eine Kollegin vor, die nach ihrer Entbindung eine Pause macht.
Außerhalb der Schule kommen die beiden sich näher. You Mei hat eine Wohnung für sich allein, ist aber noch mit einem hohen Beamten der Schulbehörde verheiratet, der offenbar eine Affäre mit einer jüngeren Frau hat. Um das nachzuweisen, hat sie ein Detektivbüro beauftragt. Dieses lässt sie jetzt auch nach der Mutter von Heng suchen.
Obwohl sich einige Mitschülerinnen für Heng interessieren, fühlt er sich immer mehr zu You Mei hingezogen (sehr beherrscht und differenziert gespielt von Carina Lau, die auch an der Produktion des Films beteiligt war). Das könnte auf eine primär erotische Beziehung wie in "Reifeprüfung" mit Dustin Hoffman hinauslaufen, tut es aber nicht. Als die beiden einmal gesehen werden, wie sie nachts miteinander tanzen, muss You Mei die Schule verlassen. Doch die Beziehung geht weiter, und es kommt zu einigen dramatischen Auseinandersetzungen: zwischen Heng und seinem Vater, zwischen Heng und seiner Mutter (die ihn verleugnet), und zwischen Heng, You Mei und deren Ehemann. Wie es ausgeht, zeigt dieser bemerkenswerte Film. Dessen internationaler Titel ist übrigens irreführend; der chinesische Titel bedeutet "Im Namen der Jugend".

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YI WAI  意外  ("Accident")
Action-Thriller von Cheang Pou-Soi, Hongkong 2009. Mit Luis Koo, Richie Jen, Michelle Ye. 87 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Es beginnt mit einem spektakulären Unfall mitten auf einer Straße in Hongkong. Schnell zeigt sich, dass hier raffinierte Auftragskiller am Werk waren. Spezialität der Bande, deren Chef "The Brain" genannt wird, ist es, Morde wie Unfälle aussehen zu lassen. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall: Bei der Vorbereitung der nächsten Aktion fällt ein Mitglied der Bande selber einem Unfall zum Opfer. Dabei geht es um den Auftragsmord an einer Frau, dessen Mann die Versicherungssumme kassieren will. Ein Agent der Versicherung untersucht den Fall, und "The Brain" kommt zu der Überzeugung, dass dieser Agent hinter dem scheinbaren Unfall seines Mitarbeiters steckt. Er beschließt, den Agenten aus dem Weg zu räumen. Im letzten Moment erfährt er, dass der Mann unschuldig ist, kann aber nicht mehr vermeiden, dass dessen Ehefrau dem Anschlag zum Opfer fällt. Dabei erkennt ihn der Agent, folgt ihm und lauert ihm auf. – Dem spannenden Thriller, dessen Perspektive sich von spektakulären Aktionen zunehmend in die Psychologie der Handelnden verlagert, ist anzumerken, dass Großmeister Johnnie To die Produktion leitete.

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YI YANG DE REN  一样的人 ("The Winners of Life")
Von Li Fuwu, China 2001. Mit Li Chen und Wu Xiaoli. 81 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Als der Film beginnt, ist im Grunde schon das Schlimmste vorbei. Nämlich das, was für eine chinesische Familie mit das schwerste Schicksal überhaupt sein muss: zwei Kinder, beide mit schweren Handicaps. Der Sohn Qi Bin ist schwer gehbehindert und geht an Krücken; die Tochter Xiao Yan ist kleinwüchsig, kaum einen Meter groß. Wie es die Mutter nach dem frühen Unfalltod des Vaters geschafft hat, die Kinder aufzuziehen, muss man sich denken, denn der Film beginnt, als sie stirbt. Von nun an muss der 30-jährige Qi Bin allein für sich und seine Schwester sorgen. Immerhin, er ist Techniker und Ingenieur, was ihm hinterher einen Weg eröffnen wird. Aber zunächst einmal müssen die beiden mit ihrer Situation fertigwerden. Die äußeren Aspekte der Realität spielen dabei kaum eine Rolle (zum Beispiel die brutalen Straßenüberführungen, die einzig der freien Auto-Raserei dienen und ansonsten die Verachtung von Chinas Staatsführung gegenüber Alten, Schwachen, Schwangeren und Behinderten zeigen). Worunter die beiden leiden, ist vor allem psychologischer Natur: die Ausgrenzung durch Mitmenschen, Schulsystem, Arbeitswelt. Doch dann geht es, trotz vieler Abweisungen und Demütigungen, langsam aufwärts. Am Ende ist es dann doch ein optimistischer Film - der allerdings ahnen lässt, wie übel es jenen Behinderten in China gehen muss, die nicht über so viele Talente wie die Helden dieses Films verfügen, und die nicht auf so viele mitfühlende Förderer treffen.

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"Shadow" (Ying), China 2018. Historien-Drama von Zhang Yimou 张艺谋, China 2018. Mit Deng Chao 邓超, Sun Li 孙俪, Zheng Kai 郑恺, Wang Qianyuan 王千源, Wang Jingchun 王景春. 116 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

《影》的故事发生在三国时期。 由郑恺饰演的一国之主一心想向侵略者求和, 甚至不惜送上自己的妹妹(关晓彤饰)。而由邓超饰演的将军心中有另外的计划,这 个计划成功与否很大程度上取决于他的影子替身——一个同样由邓超饰演的平民。
虽然故事有三国的背景,不过张艺谋想拍的是一部关于替身主题的电影。他在采访中 表示:“我一直对这个主题很感兴趣。虽然每年有很多电影上映,但是中国并没有刻 画替身的电影。我现在有了这样的机会。”

这部电影关于挣扎、存活、可怕的困境以及雄厚的野心——关于一个人如何不仅在国 王贵族权力的游戏中生存,并且还反败为胜。”张艺谋说。
喜欢浓墨重彩的张艺谋在《影》的采用水墨风格的黑白色调给人们留下了深刻印象。“当彩色偶尔闪现的时候,它 起到了展现人和自然维度的作用:血肉突然的鲜活温度、绿叶、当然还有血红的杀戮 。”
Screen Daily 写道。
《影》中用雨伞打斗的场面也引发了人们的兴趣。 围绕它本身的分析聚焦在了场面的调度和想象力。 而男性角色在雨水中用伞打斗这样阴阳搭配的场面也让人们联想到了太极的元素。

Der große Zhang Yimou hatte etwas gutzumachen. Sein 2016 gedrehter Streifen "The Great Wall" war sein bislang schlechtester Film. Chinas Große Mauer, errichtet zur Abwehr gegen zähnefletschende Fantasy-Monster ... ein grauenvoller Schwachsinn, erdacht und gedreht von Idioten. Die Frage war: Würde der nächste Film das ramponierte Ansehen des Meisters wiederherstellen?
Ja, das tut er: "Shadow" ist ein optisch makelloses Kunstwerk. Gewiss, es gibt Manierismen. Und obwohl angeblich in der Zeit der "Drei Reiche" spielend, hat der Film wie in China üblich mit geschichtlicher Realität wenig zu tun. Doch Bilder, Farbgebung und Choreographie sind atemberaubend. Die Handlung ist im zweiten Teil voll überraschender Wendungen, und sogar die Psychologie – in chinesischen Filmen oft eine Schwachstelle – erweist sich am Ende als schlüssig.
"Shadow" bezeichnet einen Doppelgänger eines Kaisers oder eines hohen Würdenträgers. Er soll eventuelle Attentate auf sich ziehen oder Gerüchte von Schwäche widerlegen. Hier nun geht es um den obersten Heerführer des Staates Pei. Nach einem Duell mit dem General der Grenzfestung Jinghzou ist er so schwer verletzt, dass es mit ihm zu Ende zu gehen scheint. Also zieht er sich in ein Versteck zurück und lässt sich durch seinen "Schatten" vertreten. Der heißt wie die Grenzstadt Jingzhou und ist seinem Herrn bedingungslos ergeben.
Der König von Pei, Dienstherr des Heerführers und des "Schatten", ist offenbar ein eitler, grausamer Schwächling. Die Grenzstadt Jingzhou ist abgefallen und wendet sich dem Feind zu, doch der König will unter keinen Umständen einen Krieg. Um den Frieden zu bewahren, bietet er sogar seine Schwester dem Sohn des Grenz-Generals als Ehefrau. Doch der will sie nur als Konkubine. Als Reaktion auf diesen Gesichtsverlust fordert der "Schatten" den General zum Duell. Daraufhin entlässt ihn der feige König als (vermeintlichen) Heerführer.
Dennoch gelingt es dem "Schatten" und dem verborgen agierenden Heerführer, Jingzhou selbst gegen den Befehl des Königs zu erobern. Wie das geschieht, und wie sich dabei der wahre Charakter und die wahren Ziele aller Beteiligter enthüllen, ist beeindruckend (und macht Lust auf Zhang Yimou's nächsten Film "One Second (一秒钟)", der auf der Berlinale im letzten Moment zurückgezogen wurde). Obwohl es in "Shadow" am Ende ziemlich blutig zugeht, lautet das Gesamt-Prädikat: Herausragend!

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Ying Xiong Dao 英雄岛 ("Hero Island")
Propagandafilm von Feng Yifu (冯毅夫) und Shi Wenzhi (史文帜), China 1959. Mit Yang Jing
(杨静), Tao Yuling (陶玉玲), Liang Zhipeng (梁志鹏). Farbe, 75 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

剧情:荷花岛与敌占岛隔海相望,那里战火纷飞,炮声不断。一个新来台湾的美国将 军,狂妄地说,要用炮火把荷花岛炸平。在荷花岛的坑道里,洋溢着欢乐的气氛,人 民公社社长洪秀海大声宣布:荷花岛人民公社成立了。来岛上检查工作的一位老将..

"Lieber mit allen ein Narr als allein gescheit", schreibt der große Baltasar Gracian in seinem "Handorakel der Lebensklugheit". Nichts könnte die Situation chinesischer Intellektueller besser beschreiben als dieser Satz. Und "Hero Island" zeigt auf unübertreffliche Weise, wie die VR-Propaganda mit der Realität umgeht – und warum es in China klüger ist, lieber mit der Masse zu schwimmen als zu rebellieren.
Die Story: Eine winzige zur Volksrepublik gehörige Insel ("Lotusinsel", in den Untertiteln "Lilieninsel" genannt) befindet sich unmittelbar vor Taiwan, nur 2 Kilometer entfernt von einer mächtigen Militärbasis der Nationalregierung und der Amerikaner. Täglich bombardieren letztere die Insel, um diesen "Dorn im Fleisch" endlich auszuradieren. Doch das Leben auf der Insel geht heldenhaft und unbeirrt seinen Gang, zum großen Teil in Tunneln, Gräben und unterirdischen Wohnungen. Alle Angriffe von Amerikanern und Nationaltruppen bleiben erfolglos, die Moral der Inselbewohner triumphiert.
Gab es oder gibt es so eine Insel? Allerdings, aber genau umgekehrt: nämlich die Inselgruppe um die Hauptinsel Jinmen (Quemoy), lediglich 2 Kilometer vom Festland entfernt und bis heute unter der Verwaltung von Taiwan. Diese Insel war es, die 1958, als "Hero Island" gedreht wurde, in einem 44 Tage lang dauernden Bombardement mit insgesamt 500.000 Granaten vom Festland beschossen wurde. Doch der Beschuss blieb ebenso wie mehrere Angriffe mit Landungstruppen ohne Erfolg.
Die Umkehrung der Realität in "Hero Island" ist umwerfend. Man könnte sich an die Selbsttäuschungen des Ah Q von Lu Xun erinnert fühlen ... wenn, ja, wenn diese Propaganda nicht so erfolgreich wäre. Den Analysten im Auswärtigen Amt ins Gebetbuch: In keinem Land der Welt ist die Akzeptanz der staatlichen Propaganda so groß wie in der VR China. Das muss man wissen, wenn man mit jenem Land verhandelt, das sich anschickt, das wirtschaftlich und militärisch mächtigste der Welt zu werden.

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"A Better Tomorrow 2018" 英雄本色2018 (Ying Xiong Ben Se 2018), China 2018. Actionfilm von Ding Cheng 丁晟, mit Wang Kai 王凯, Ma Tianyu 马天宇, Wang Talu 王大陆, Yu Ailei 余皑磊. 106 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 15 Jahre

周凯(王凯 饰)参与走私,被身为缉毒警察的弟弟周超(马天宇 饰)逮捕入狱。 三年后, 周凯出狱, 改过自新。 曾经的手下阿仓(余皑磊饰) 已为毒贩头目, 为获取周凯的 海外客 户资料, 设计加害周凯。江湖中的好兄弟马柯 (王大陆 饰) 为了替周凯 报仇, 失去一条腿。 自己的亲弟弟 周超不相信 哥哥周凯 已金盆洗手, 不断搜 集证据, 欲亲手 逮捕周凯。最终,周凯与警方合作,逮捕了阿仓,两兄弟重归于好 ...

Der Film ist eine aktuelle Adaptation des Klassikers von John Woo aus dem Jahr 1986, diesmal in Qingdao und in Japan spielend. Im Mittelpunkt die Brüder Kai und Chao, dazu Mark, der Schwurbruder von Kai. Chao, der Jüngere, ist Polizist, und er hat stets den älteren Bruder bewundert – bis er diesen selber als Schmuggler festnehmen muss. Als Kai nach drei Jahren aus dem Gefängnis kommt, will seine frühere Gang mit ihm in den Drogenschmuggel einsteigen. Er weigert sich und versucht ein ehrliches Leben. Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los, und seine früheren Bandenkollegen wollen ihn ausschalten.
Nur Mark hält unbeirrt zu ihm ( gespielt von Wang Talu, der auch, siehe oben, in "Suddenly Seventeen" mitspielt). Es kommt zum blutigen Showdown – Ausdruck dessen, was in diesem Genre als oberster Wert gilt: Loyalität zu Familie und Kameraden. Der englische Titel "A Better Tomorrow" ist allerdings unpassend, denn außer für Chao gibt es weder für die Schurken noch für die Guten ein Tomorrow. (Der chinesische Titel bedeutet ungefähr "Echtes Heldentum").

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YING ZI AI REN 影子爱人 ("Shadows of Love")
Von Calvin Poon Yuen-Leung, China 2012. Mit Cecilia Cheung, Kwon Sang-woo, Tian Jing. 87 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Das alte Märchen "Der Bettler als König", versetzt in die smarte Geschäftswelt des neuen China; dazu ein Schuss Pygmalion a la "MyFair Lady": das ist der Plot dieses Films. Im Mittelpunkt die verwöhnte Milliardärserbin Paris, die offenbar nach dem Muster von Paris Hilton benannt und gezeichnet ist. Zusammen mit ihrem zwielichtigen Onkel Dong bildet sie den Aufsichtsrat eines Großkonzerns - und plötzlich verschwindet sie. Das stürzt den jungen Geschäftsführer Kwon (gleichzeitig der Verlobte von Paris) in Probleme, denn der Onkel will die Abwesenheit von Paris ausnutzen, um wichtige Firmenentscheidungen zu treffen. Da trifft Kwon auf eine Blumenverkäuferin, die Paris aufs Haar gleicht. Er bringt sie dazu, bis zur Rückkehr der Milliardärin deren Rolle zu spielen, wobei sich nach und nach herausstellt, was für ein Ekel die echte Paris ist. Natürlich verliebt sich Kwon in die Floristin ... das Ende ist vorhersehbar. Eine hübsche Romanze ohne viel Tiefgang (der alte Herr, dessen Wachspuppe im Glassarg des Tiananmen-Mao-soleums liegt, würde sich entsetzt umdrehen), aber gut gespielt und lustig anzusehen.

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YOU YI TIAN  有一天 ("One Day")
Episodenfilm von Du Bo, Li Ruijun, Tian Yuan, Wang Daqing und anderen, VR China 2014. Mit Zhou Xun, Xu Fan, Zhang Hanyu, Feng Jiayi und anderen. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Hier die ernste Alternative zu obigem Thriller: ein inhaltlich wie formal höchst ungewöhnlicher Film. Er besteht aus 9 Episoden, von denen jede von einem anderen Regisseur inszeniert wurde. Für jede Episode hatte sich einer von insgesamt 10 namhaften Stars des chinesischen Kinos zur Verfügung gestellt (Zhou Xun mit einem Lied). Doch nicht diese Stars stehen im Mittelpunkt des Films. Sondern es geht es um Kinder, die üblicherweise am Rand der Gesellschaft stehen, und zwar aus den verschiedensten Gründen: bittere Armut, kriminelles Milieu, körperliche oder geistige Behinderung, Analphabetismus, krankhafte Fettleibigkeit. Die Episoden zeigen, dass es oftmals nicht viel mehr braucht als Achtung und Aufmerksamkeit, um auch diesen Kindern eine Chance zu geben, nicht für immer am Rand der Gesellschaft zu bleiben. Angesichts der Bedeutung, die in China aufgrund der Ein-Kind-Politik die Frage von Behinderung bei Kindern hat, ist das ein Filmprojekt, das Wohlwollen und Aufmerksamkeit verdient.

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Yu Guo Tian Qing 雨过天青, For Better, For Worse , Hongkong 1959. Familien-Drama von Yue Feng 岳枫, mit Li Wei,  李湄, Li Wen 黎雯, Jiang Jiang 蒋将. 88 min, Schwarzweiß, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre.

鳏夫高永生有子小虎, 寡妇陈美娟有女大梅, 二人再婚. 一家四口生活本极融洽, 但生因婚后失业, 虎又生病, 经不起迷信的姊姊挑拨, 视娟为不祥人, 与虎寄居姊家. 生饱受姊夫奚落, 终明白自己鲁莽, 返家团聚.

岳枫重视小市民捉襟见肘的细节,为了孩子的学费,男人少抽烟,过海搭三等舱,妻 子洗衣服帮补,最怕风雨。有钱人三妻四妾,满口英文,诬蔑寡妇不祥,则不脱20世 纪30年代以来反封建迷信的电影传统。李湄、张扬演过来人,那份不容易和压抑,低 调而动人 ...

Gao Yongsheng ist ein junger Witwer; sein kleiner Sohn heißt Xiaohu. Als er die Witwe Chen Meijuan heiratet und diese mit ihrer Tochter Damei zu ihm und Xiaohu zieht, beginnt alles ganz harmonisch. Doch Yongshengs reiche Schwester intrigiert gegen die beiden: Eine Witwe heiraten bringe Unglück, behauptet sie. Als Yongsheng dann seine Arbeit verliert und Xiaohu krank wird, fängt er an, das Meijuan zum Vorwurf zu machen, und gibt Xiaohu zu seiner Schwester. Als daraufhin Meijuan ausziehen will, geht Yongsheng lieber selber. Auch er will zu seiner Schwester ziehen, doch diese und ihr Mann erweisen sich als kleinlich und hartherzig.
Als dann der kleine Xiaohu aus diesem reichen, aber kalten Haus wegläuft, bringt die Suche nach ihm Yongsheng und Meijuan wieder zusammen.
Einmal mehr zeigt sich in diesem Film, dass nicht nur in Taiwan und Singapore, sondern auch in Hongkong die alten chinesischen Familienstrukturen und -traditionen vielfach weit intensiver bewahrt werden als auf dem Festland – wenn auch offen für Veränderungen in Richtung Vernunft und Geschlechtergleichheit.

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YU LOU SAN FENG  玉楼三凤  ("Between Tears and Laughter")
Von Tang Huang, Hongkong 1960. Mit Li Mei, Kitty Ting, Wang Lai. 101 min, Schwarzweiß, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Bevor die Shaw Brothers mit ihren Kungfu-Filmen den Filmmarkt in Hongkong aufmischten, hatten dort die Produktionen des Cathay-Studios ihre große Zeit. Die meisten davon waren sensible Frauengeschichten. Das gilt auch für diesen Film. In einem kleinen Apartment leben drei Frauen zusammen, deren Geld nicht reicht, sich eine eigene Wohnung zu leisten. Erzählt werden Leben und Hintergrund der drei, natürlich auch die Geschichte ihrer früheren und neu gefundenen Partner. Am Ende löst sich die Dreiergemeinschaft auf, und jede geht in ihr eigenes, neues Leben - filmisch und sozial ein Juwel aus einem längst versunkenen Jahrtausend.

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Yu Nü Si Qing 玉女私情 ("Her Tender Heart")
Beziehungsdrama von Tang Huang, Hongkong 1959. Mit Lucilla Yu Ming尤敏, Wang Lai 王莱, Wang Yin王引, Lan Tin-Hung 蓝天虹. Schwarzweiß, 97 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Seit sie denken kann, lebt die 18-jährige Li Peiying (Lucilla Yu Ming) mit ihrem Vater Li Boming zusammen, und beide hängen aneinander. Unerwartet kommt aus Italien Gu Yunmei zu Besuch, die sich zunächst als Tante vorstellt. Doch bald stellt sich heraus, dass sie in Wirklichkeit die leibliche Mutter des Mädchens ist. Vor 16 Jahren hatte sie Boming verlassen und war mit ihrem Liebhaber und späterem Ehemann Zeng Zhiping nach Italien durchgebrannt. Jetzt will sie die Tochter nicht nur sehen, sondern mit sich nach Italien nehmen.
Doch dann, als der Li Boming einen schweren Unfall hat, kommt noch anderes heraus: In Wahrheit ist nicht er der leibliche Vater von Peiying, sondern Zeng Zhiping, der jetzt ebenfalls nach Hongkong kommt. Boming, der Ziehvater, ist bereit, die Tochter gehen zu lassen ... wie wird diese sich entscheiden?
Dieser Film um Trennung, Scheidung, Blutsverwandtschaft und Zusammengehörigkeit wühlte damals das Hongkonger Filmpublikum tief auf und war einer der erfolgreichsten seiner Zeit, auch wegen seiner exzellenten Schauspieler.

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YUN SHANG TAI YANG  云上太阳 ("Close to the Sun")
Von Chou Chou, China 2010. Mit Fan Xiaoyang, Gong Xuan, Line Nane (= Pauline Lièvre). 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Wenn Chinesen Filme machen, in denen Ausländer auftreten, lohnt es sich immer, genau hinzusehen. Dies erst recht, wenn sie wie in diesem Film sogar die Hauptrolle spielen. Dann nämlich zeigt sich besonders deutlich, was Chinesen von Ausländern halten, aber auch, wie sie von diesen gesehen werden möchten. Und was letzteres betrifft, gibt es ein typisch chinesisches Phänomen: Untereinander sind Chinesen die schärfsten Kritiker ihrer selbst, zusammengefasst in dem Satz 一个中国人是条龙,三个中国人是条虫 ("Ein einzelner Chinese ist ein Drache, drei Chinesen zusammen sind Ungeziefer"). Aber falls ein Ausländer wagen sollte, dasselbe zu sagen, erweckt das sofort heftigen Widerspruch und bestätigt zudem Chinas Bild von den Langnasen, die als roh, herrisch, gefühllos und kulturlos gelten.
Genauso tritt hier tatsächlich die Französin Pauline auf, die es wie vom Himmel gefallen in diesen Film verschlagen hat. Dessen Handlung spielt in einer Bergregion in Guizhou, eine Tagereise von der Stadt Guiyang entfernt. Hier leben, in malerische Trachten gekleidet, Angehörige der Miao-Minorität. Es ist eine atemberaubend schöne Landschaft, was aber bekanntlich immer nur Ortsfremde zu schätzen wissen, nie die Einheimischen. Touristen jedoch gibt es in diesen abgelegenen Bergen (noch) nicht, wohl aber zu Beginn der Handlung eine bewusstlose, komplett mit Schlamm beschmierte Person, die von zwei Kindern in einem von Wasser bedeckten Reisfeld entdeckt wird. Ohne zu wissen, wer die Person ist, schleppt der Vater sie auf dem Rücken in sein Haus (während es bekanntlich in Peking oder Shanghai keiner wagt, einen Bewusstlosen auf der Straße auch nur anzufassen, seit Chinas Richter mehrmals solche Helfer zum Bezahlen der Krankenhauskosten verurteilt haben). Man wischt den Schlamm vom Gesicht, und siehe da, es ist erstens eine Frau, zweitens eine Ausländerin. Als sie wieder zu sich kommt, entpuppt sie sich als Französin namens Pauline. Sie spricht chinesisch und ist irgendwie Künstlerin oder Malerin oder so, und außerdem zutiefst vom Leben enttäuscht. Als sie wieder zu sich kommt, fragt sie aber nicht, wo sie ist und was passiert ist. Sondern sie herrscht das Mädchen neben sich an, dieses habe ihre Kamera und Computer gestohlen. Genauso konstruiert geht die Handlung weiter: Kamera und Laptop liegen unten im Haus, wo ein Ventilator auf sie bläst, und gegen jede Erfahrung funktionieren beide. Und die grobschlächtige Französin, die inmitten der zarten Miao-Figuren so passend wirkt wie Gullivers Großtante bei den Liliputanern, bleibt das oben geschilderte Zerrbild: grob, unsensibel, polternd, aufdringlich. Ihre Gastfamilie (Vater, Tochter und Sohn, aber passenderweise keine Mutter im Haus) bleibt dennoch gleichbleibend freundlich, ja liebevoll, und bald entsteht nicht nur zu dieser eine tiefe Freundschaft, sondern auch zum ganzen Dorf. Als die polternde Französin aufgrund einer geheimnisvollen Krankheit erneut bewusstlos wird, ist man bereit, ihr zuliebe einen seltenen Vogel zu opfern, der als Seele dieser Volksgruppe gilt. Beim nächsten Anfall bringt man sie auf einer Liege über Bergpfade, Dorfwege und Landstraßen nach Guiyang ins Krankenhaus. Um die Rechnung zu bezahlen, verkauft die Familie nicht nur den Zugochsen, sondern sogar ihre Felder ... bis Pauline gesundet und zu der freundlichen Familie zurückkehrt, um für immer dort zu leben, ab jetzt in Miao-Kleidung, versteht sich. - Für mich als abgebrühten Skeptiker ist das Ganze ein klassischer Fall von hochgradig gefühlsseligem Ethnokitsch. Die Chinesen jedoch, die für das Wort "Kitsch" (ebenso wie für "Fairness") bis heute keine adäquate Übersetzung haben, sehen das anders. Für sie ist dieser Film ein ergreifendes Exempel grandioser chinesischer Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft im Geist der internationalen Völkerfreundschaft - und als solches, Kitsch hin oder her, unbedingt sehenswert.

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Yu Pu Tuan 2 Yu Nü Xin Jing 玉蒲团II玉女心经 ("Sex & Zen 2")
Sex-Comedy von Man Kei Chin, Hongkong 1996. Mit Shu Qi 舒淇, Loletta Lee 李丽珍, Elvis Tsui 徐锦江. 88 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 16 Jahre

"Sex&Zen 1", der erste Film dieser Reihe von Sex-Parodien, war bemerkenswert intelligent und in der Tat nicht ohne Philosophie. In den später gedrehten Streifen, also auch in dem hier zu sehenden, liegt der Schwerpunkt eindeutig nicht auf Zen oder einer vergleichbaren Philosophie. Sein Gebiet sind parodistisch überdrehte Sexszenen, schöne Frauenkörper und allzeit bereite stöhnende Paare bei intensiver Orgasmus-Gymnastik.
Geadelt wird der Streifen durch die damals 20-jährige Shu Qi (舒淇), die mit solchen Softpornos ihren Einstieg ins Filmbusiness erkämpfte, und die heute als 40-Jährige zu den ganz Großen gehört. Die Story ist angesiedelt in der Welt des Jing-Ping-Mei-Romans. Hier nun ist es der großspurige Stadt- und Familientyrann Ximen Jian (Elvis Tsui), der allen Frauen seiner Umgebung nachstellt. Allerdings macht ihm gerade seine eigene Lüsternheit große Angst um seine unerfahrene Tochter (Loletta Lee), die sich tagsüber um ihren geistig behinderten Bruder kümmert. Doch dann kommt eine schöne mysteriöse Hexe (Shu Qi) ins Haus, die bei Frauen und Männern deren sexuelle Energie aussaugt, und die am Ende ihr verdientes Ende findet.
Wenn man genauer hinsieht, merkt man, dass dieser vorgeblich freizügige Film mit anderen, die sich “moralischer” geben, mehr Gemeinsamkeiten hat als es scheint: Hier wie dort werden Frauen – zumal in der Sexualität – als etwas dargestellt, das ein Mann, der beides sucht, allen Grund hat zu fürchten. (Allerdings tun auch die Scheidungsdramen, die der SPIEGEL beschreibt, nichts anderes).

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YUN CHANG YAN HOU 云裳艳后 ("Cinderella and her Little Angels")
Romantische Komödie von Tang Huang, Hongkong 1959. Mit Lin Dai und Peter Chen Ho. 95 min, schwarzweiß, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

In diesen Tagen demonstriert die Jugend von Hongkong: der Ort, wo Peking den Taiwanesen zeigt, was sie erwartet, falls sie sich eines Tages auf einen Deal "Ein Land, zwei Systeme" einlassen sollten. Allerdings ging 1959, als dieser Film gedreht wurde, jeder in Hongkong davon aus, dass die Stadt für immer eine britische Kolonie sein würde. So konnten die Filmemacher sich entweder in heroischen Martial-Arts-Streifen üben, oder aber in romantischen Komödien wie dieser hier.
Im Mittelpunkt stehen der schüchterne Schneider Xiao Lin, der in einem Textilgeschäft arbeitet, und die hübsche junge Danying (gespielt von Hongkongs Superstar Lin Dai). Diese ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und betreut dort inzwischen die kleineren Kinder. Der Chef von Xiao Lin möchte Danying Kleidermodelle vorführen lassen, und das führt zu Konflikten. Denn was heute auf dem Festland für viele junge Chinesinnen ein Traumjob ist - nämlich Model - ist 1959 für die strenge Waisenhaus-Oberin noch Inbegriff der Unmoral, wenn nicht der Unzucht. Insofern zeigt der Film sehr schön den Umbruch der Vorstellungen von Frauenrolle und öffentlicher Moral, der sich damals in Hongkong abspielte. Auffällig ist auch, dass Politik und Machtverhältnisse völlig ausgeblendet sind. Weder spielt die englische Kolonialmacht eine Rolle, noch die Realität auf dem Festland, die sich 1959 nach einer Phase anfänglicher Begeisterung längst zur maoistischen Schreckensherrschaft entwickelt hatte.

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Zai Na Yao Yuan De Di Fang "In That Distant Place" 在那遥远的地方, China 1993. Drama/Romanze von Teng Wenji 滕文骥, mit Zhang Hongliang 张洪量, Chen Hong 陈红, Hu Jin胡锦.  90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

故事发生在20世纪30~40年代,家住北平的青年音乐家黄钟(张洪量 饰)与出身优渥、楚楚动人但命运多舛的大户人家小姐江雪(陈红 饰)相知相恋。江雪因病无法站立,为此痛苦不堪。江雪的父母包办婚姻,打算将女 儿嫁给门当户对的方少爷。倔强的女孩抵死不从,在过门当天,江雪在黄钟的帮助下 私奔逃到了西北。蛮荒恶劣的环境,让二人遭遇前所未有的磨难,却也在舟车劳顿之 外使江雪重新站立起来。他们且行且走,流浪到了达坂城,出于义气帮助了新娘被抢 走的买买提,谁知将自己置身于危难的境地。黄钟险些因此丧命,危机时刻多亏美丽 的藏族姑娘卓玛出手相救。
  身处乱世,几对男女的爱情故事如是上演……。

Gibt es jemand in China, dessen Rolle mit der von Woody Guthrie (1912-1967) und Pete Seeger (1919-2014) in den USA vergleichbar wäre? Also ein Sammler und Sänger von Volksliedern, der gleichzeitig eigene Songs schrieb? Ja, es gibt ihn. Allerdings ist es nicht der berühmte Nie Er (聂耳, 1912-1935), der Chinas Nationalhymne komponierte und als 23-Jähriger in Japan beim Baden ertrank. Vergleichbar als Liedsammler, Sänger und Songwriter war vielmehr Wang Luobin (王洛宾, 1913-1996). Er kam ein Jahr nach Nie Er und Woodie Guthrie zur Welt, und er sammelte und schrieb über 700 Lieder – sicherlich der bedeutendste Sammler von Liedern aus Xinjiang und Tibet, den man denn auch "Vater des Volksliedes in China Nordwesten" nannte (西北民歌之父). Zu seinen berühmtesten Lieder gehören "Alamuhan 阿拉木汗" und "Zai Na Yaoyuande Difang 在那遥远的地方 (In that Distant Place)".
Letzteres Lied ist auch der Titel des Filmklassikers von Teng Wenji. Der Film spielt in der Republikzeit. Allerdings heißt der Sänger und Liedsammler im Film Huang Zhong. Bei einem Vortrag lernt er die schöne Jiangxue kennen, deren Beine nach einem Unfall gelähmt sind. Als sie an einen reichen Mann verheiratet werden soll, entführt sie Huang Zhong mit Hilfe seiner Freunde. Von nun an begleitet sie ihn auf seiner Reise durch die Grenzregionen von Xinjiang und Tibet. Ein Überfall von Räubern bewirkt einen Schock, der die Lähmung von Jiangxue heilt. Doch beide können ihr Glück nur kurz genießen. Als sie sich beim Stadtoberhaupt für einen Freund einsetzen, wird Jiangxue festgehalten. Huang Zhong wird zusammengeschlagen und halbtot an einem See abgelegt. Tibetische Hirten retten ihn und nehmen ihn auf. Ein Mädchen verliebt sich in ihn, doch er bleibt Jiangxue treu, bis sie sich tatsächlich wiederfinden.
Andere Seiten blendet der Film aus. Es gibt nämlich ernstzunehmende Zweifel, ob Wang Luobin wirklich alle Lieder, die als seine Eigenschöpfungen gelten, tatsächlich selber verfasste, oder ob er sich nicht zumindest einige davon ohne Angabe der Quelle angeeignet hat. 1994 hieß es in einem Beitrag in der Wūlǔmùqí wǎnbào 乌鲁木齐晚报 "Song Thief Wang Luobin, Stop Stealing!" Wie in allem, was in China mit Geschichte zusammenhängt, sind in der offiziellen Version vermutlich Wahrheit und Lüge untrennbar vermischt. Der Film von Altmeister Teng Wenji, einem der wichtigsten Regisseure der "4. Generation", zeigt mit der Darstellung von Liedern, Tänzen und Feiern in Chinas Nordwesten eine äußerlich rauhe, doch im Kern romantische Darstellung der Geschichte.

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ZAI SHUO YI CI WO AI NI 再说一次我爱你 ("Say Again I Love You")
Romanze von Daniel Yu, Hongkong 2005. Mit Andy Lau, Charlene Choi, Charlie Young. 100 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der junge Arzt Doktor Ko ist im Prinzip glücklich verheiratet. Aber die Arbeit bringt es mit sich, dass er seine Frau immer wieder vernachlässigen muss. Plötzlich hat sie einen Autounfall - und - ist tot. Natürlich ist der Ehemann tief getroffen, macht sich Vorwürfe und lebt eine Weile nur in Erinnerungen. Aber dann trifft er als Rettungsarzt eines Ambulanzwagens eine junge Frau, bei der gerade eine Herztransplantation vorgenommen wurde. Und siehe da, das Herz, das ihr eingesetzt wurde, ist ausgerechnet das der dahingegangenen Ehefrau ... und, welch ein Zufall, zu allem Überfluss sieht sie auch noch so aus wie die Verstorbene. Also eine Variation des alten Themas "Was wäre, wenn man mit dem Wissen von später noch einmal von vorne anfangen könnte?" Natürlich verliebt er sich in sie, was allerdings Probleme macht, denn sie ist verheiratet ... und zwar (wieder ein höchst seltsames Zusammentreffen) mit einem Ehemann, der sie a) vernachlässigt und b) genauso aussieht wie Doktor Ko. Wer nun wissen möchte, wie diese diversen Dilemmas gelöst werden, erfährt es am Freitag in diesem Film (der international mit dem schon x-mal verwendeten Titel „All About Love“ vermarktet wurde).

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"Battling the Flood" 战洪图 (Zhan Hong Tu), China 1973. Drama von Su Li 苏里 und Yuan Naichen 袁乃晨, mit LuSu 鲁速, Cun Li村里, Cai Songling 蔡松令. Schwarzweiß, 87 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

1963年初秋,冀津交界的冀家庄遭遇一场百年不遇的大洪水,即将成熟的秋庄稼在一 米多深的大水中挣扎,堤下的村子也有被淹没的可能,人民群众的生命财产安全受到 严重威协。大队书记丁震洪(鲁速 饰)带领党员干部日夜奋战在大堤上,此时县委决定,为保障津浦铁路和天津市几百 万人民的安全,在冀家庄堤段炸堤分洪。闻听此言,一下炸了锅,大队长大勇(村里 饰)等人坚决反对,坏分子王茂(孙树林 饰)也推波助澜。老根爷(蔡松龄 饰)、丁胜河(刘世龙 饰)等人却坚定地站在丁震洪一边,拥护县委的决定,决心舍小家保大家。丁震洪带 领全村社员终于战胜了洪水,夺得了当年农业丰收。秋后,毛主席发出了一定要根治 海河的伟大指示 ....

Als dieser Film gedreht wurde, war ein Ende der Kulturrevolution noch nicht in Sicht. So war es schon ein Zeichen von Mut, ein Thema zu wählen, das weder mit der japanischen Invasion noch mit Schurkereien der Guomindang zu tun hatte, sondern mit dem Kampf gegen Naturgewalten. Konkret geht es um eine große Flut im Jahr 1963: Nach heftigen Regenfällen bedrohen die Wassermassen des Haihe-Flusses nicht nur die durchflossenen Gebiete, sondern auch die Stadt Tianjin und die wichtigste Eisenbahnlinie. Die nötigen Maßnahmen wären bei einer Bedrohung von Berlin, Paris oder Wien nicht anders: Um die Stadt zu retten, müssen stromaufwärts die Deiche geöffnet werden, damit das Wasser auf landwirtschaftliche Gebiete fließen kann. Interessant ist dabei die Fiktion, diese Entscheidung würde nicht von der Zentralregierung getroffen, sondern von den Bauern selber. Im Film sind diese bereit, zur Rettung von Tianjin ihre Ernte und vermutlich auch ihr Zuhause zu opfern – und das ohne die feste Zusage, dass der Staat sie dafür kompensieren werde, oder auch nur ihre Ernährung nach der vernichteten Ernte garantiere. Also eine fiktive Opferbereitschaft, die halb bewundernswert und halb makaber anmutet.

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"Wolf Warrior 2" 战狼 2 (Zhan Lang 2), China 2017. Action-Thriller von Wu Jing 吴京, mit Wu Jing 吴京, Frank Grillo,  Celina Jade 卢靖姗, Wu Gang 吴刚. 122 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

被开除军籍的冷锋(吴京饰演)本是因找杀害龙小云的凶手(余男饰演)来到非洲, 但是却突然被卷入一场非洲国家的叛乱。因为国家之间政治立场的关系,中国军队无 法在非洲实行武装行动撤离华侨。而作为退伍老兵的冷锋无法忘记曾经为军人的使命 ,本来可以安全撤离的他毅然决然地回到了沦陷区,孤身一人带领身陷屠杀中的同胞 和难民,展开生死逃亡。随着斗争的持续,体内的狼性逐渐复苏,最终闯入战乱区域 ,为同胞而战斗 ...

Hier ist er: in China der erfolgreichste Film aller Zeiten. Wie erklärt sich dieser Erfolg? Nun: Noch nie wurde ein solch unverblümtes Heldenlied auf einen chinesischen Kämpfer im Ausland gesungen, und mit ihm auf das Chinesentum überhaupt. Der Held Leng Feng (gespielt von Wu Jing 吴京, der auch Regie führt) war im Vorläuferfilm Mitglied der "Wolf Warriors", einer (fiktiven) Elite-Einheit der chinesischen Armee für gefährliche Spezialeinsätze. Hier nun, in der Fortsetzung, ist er aus dieser Einheit ausgeschieden. Das geschah angeblich wegen Disziplinlosigkeit, aber vor allem wohl deshalb, damit er in Afrika tätig werden kann. In einem vom Bürgerkrieg zerrissenen afrikanischen Land sucht er nach dem Mörder seiner Ex-Partnerin. Die Handlung ist Action pur; sie lässt Leng Feng ununterbrochen entweder kämpfen oder in rasenden Verfolgungsfahrten fliehen oder jagen, dabei schwarze Kinder, schöne Frauen und brave Arbeiter rettend, ganz besonders aber andere Chinesen, die in diesem chaotischen Land teils als Ärzte helfen, teils eine Fabrik betreiben. Er kämpft mit Faust, Messer, Pistolen, Maschinengewehren, Panzern, Hubschraubern ... gegen Rebellen, Regierungstruppen, Gangster, brutale Söldner - unter letzteren sein spezieller Gegenspieler Big Daddy (Frank Grillo).
Wollte man nachzählen, hat vermutlich noch nie in einem einzigen Film ein einziger Mann so viele Feinde erlegt wie hier der Wolfskrieger Leng Feng. Doch was bei Jackie Chan immer mit einem Augenzwinkern passiert, ist hier heroischer Ernst, und das auch noch in Kooperation mit der chinesischen Botschaft im Land (also mit Chinas Regierung) sowie in Kontakt mit den unverändert zu ihm stehenden Armee-Kameraden. Nicht unwichtig ist, dass die Handlung in Afrika spielt. Gerade die Art, wie der Held als edler Retter und Beschützer der Schwarzen auftritt, zeigt den latenten Rassismus, der traditionell in China herrscht – vergleichbar dem Paternalismus Albert Schweitzers hundert Jahre früher, nur dass hier nicht Krankheiten eliminiert werden, sondern Rebellen, Gangster, korrupte Beamte sowie tausend gesichtslose Kämpfer, die man bedenkenlos abschießen darf. Insofern ist der Film tatsächlich ein Meilenstein: Teil einer Selbstdarstellung, die den Aufbau von Chinas neuem Imperialismus begleitet – und die, wie man fürchten muss, früher oder später in einen realen Krieg münden wird.

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Zhi Fen Shi Chang 脂粉市场 "Beauty Market" (aka "A Brave Girl" / "Cosmetics Market"), Drama von Zhang Shichuan 张石川, China 1933. Mit Hu Die 胡蝶 und Gong Jianong 龚稼农. 83 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

李翠芬(胡蝶饰)的姐夫被抢劫者所害,一家人顿时断掉生活来源。在邻居杨小姐的 介绍下,翠芬进入培德百货公司包扎部谋职。她的清纯美丽很快便引起上司林监督( 王献斋饰)的注意,林利用职权将翠芬调入脂粉柜台,并对其纠缠不休。另一方面, 翠芬的到来夺去脂粉柜台女营业员姚雪芳(严月娴饰)“脂粉皇后”的头衔,遂引起 雪芳嫉恨。在一次争吵中,雪芳的情人——百货公司花花公子张有济(孙敏饰)为翠 芬的美丽所倾倒,自此调转枪头,向翠芬展开攻势。
  无耻的上司、放荡的女同事以及轻薄的花花公子,这一切都让翠芬倍感疲惫和愤 慨。在旧社会里,似乎女人只能成为男人的附庸,通过卖笑来博去上位……

Heute 85 Jahre alt, war dies einer der ersten chinesischen Tonfilme, mit der großen Hu Die in einer Paraderolle. Wie in vielen Filmen der damals meist linken Filmemacher steht eine Frau im Mittelpunkt, die durch wirtschaftliche Not in Bedrängnis gerät. Hier ist es die junge Cuifeng, die ihr Studium abbrechen muss und eine Arbeit in einem Kaufhaus beginnt. Sie gewinnt die Zuneigung eines Kollegen, aber auch die Aufmerksamkeit von zwei Vorgesetzten, die ihr nachstellen. Am Ende entscheidet sie sich, deren Angebote abzulehnen und das Kaufhaus zu verlassen.
Hu Die (Jahrgang 1907), die hier die Hauptrolle spielt, war in gewisser Weise ein Gegenstück zu der drei Jahre jüngeren Ruan Lingyu. Letztere war im Grunde eine konventionelle Frau, die jedoch unkonventionelle Frauen spielte – und als sie, von ihrem Ehemann getrennt lebend, von der Presse angegriffen wurde, entschied sie sich, selber aus dem Leben zu gehen. Hu Die spielte zwar meistens konventionelle Frauen, ging aber im Leben ihren eigenen Weg. Nach der japanischen Invasion lebte sie an wechselnden Orten, ab 1946 in Hongkong. Bis 1966 drehte sie Filme, zuletzt als ältere Dame in Filmen der Brüder Shaw. 1975 folgte sie ihrem Sohn nach Kanada, wo sie 1989 starb.

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ZHI FU 制服 ("Uniform")
Von Diao Yi'nan, VR China 2003, 92 min. Mit Liang Hongli und Zeng Shuoqiong. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Dies ist der erste Film, den der 1969 geborene Diao Yinan als Regisseur drehte. Schon vorher hatte er das Drehbuch für zwei wichtige Filme verfasst, nämlich "Ai Qing Ma La Tang / Spicy Love Soup" und "Xi Zao / Das Badehaus", beide unter der Regie von Zhang Yang. Und noch einen großen Namen des neuen chinesischen Films weisen die Credits auf: nämlich Jia Zhangke, der im Abspann als "Advisor" genannt wird.
Die in Xi'an spielende Story ist einfach: ein junger Mann, ohne Arbeit und bei den Eltern wohnend, kommt durch Zufall an das Hemd eines Polizisten. (Dass Diao Yinan Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" kannte, ist nicht anzunehmen. Aber unser Sprichwort "Kleider machen Leute" gibt es sinngemäß ja auch im Chinesischen.) Er verschafft sich eine passende Mütze, dann schlüpft er immer öfter in die Rolle eines Polizisten. Er hält überladene Kleinbusse an und lässt sich vom Fahrer bestechen, und er bändelt mit einer Verkäuferin an. Dazu eine Nebenhandlung: Man verdächtigt ihn als Rädelsführer einer Gang von Arbeitern, die gegen die Entlassung  aus ihrer früheren Fabrik protestieren.
Diao Yinans Stil ähnelt dem von Jia Zhangke: lakonisch, im Alltagsmilieu spielend, ohne viel Aufheben die Bedrängnisse und Demütigungen der kleinen Leute darstellend. Der Held des Films könnte ein Bruder des Taschendiebes in Jia Zhangke's Meisterwerk "Xiao Wu / Pickpocket" sein. Auch Diao Yinan verzichtet auf die musikalische Untermalung, die sich wie eine klebrige Soße über die Werke fast aller chinesischer Groß-Regisseure legt - schon diese konsequente Haltung macht ihn sympathisch, wenn nicht bewundernswert. Allerdings erstaunt es kaum, dass er zwar die Anerkennung der Cineasten gefunden hat (z.B. erhielt er den "Tigers and Dragons Award" des Vancouver Filmfestivals), nicht aber den Massenerfolg an den Kinokassen. Das ist vermutlich der Grund dafür, dass er bisher außer seinem Erstling nur einen einzigen weiteren Spielfilm drehen konnte, nämlich 2007 "Ye Che / Night Train". Um so mehr darf man "Zhi Fu" genießen: ein großer kleiner Film, der genau das hat, was die neueren Filme von Zhang Yimou oder Chen Kaige nicht mehr haben.

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Zhi Min Yu Chun Jiao  志明与春娇 ("Love in a Puff")
Romantische Komödie von Pang Ho-cheung, Hongkong 2010. Mit Miriam Yeung 杨千嬅 und Shawn Yue 余文乐. 99 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

2007 wurde in Hongkong das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Bars und Restaurants verboten, sogar in bestimmten Straßen. Wer rauchen wollte, musste seitdem festgelegte Plätze aufsuchen, sogenannte "Hot Pots". Diese Orte entwickelten sich schnell zu einer Art Kontaktbörsen, wo sich Raucher aller Klassen und Berufe einfanden, natürlich auch Männer und Frauen. Aus solch einer Raucherbekanntschaft entwickelt sich auch die Beziehung zwischen der Kosmetik-Verkäuferin Cherie (Miriam Yeung) und dem Werbe-Manager Jimmy (Shawn Yue). Ihre Treffen werden zu Spaziergängen, dann zu kleinen Ausflügen, bis Cherie aus der Wohnung auszieht, wo sie seit 5 Jahren mit einem Freund zusammenlebt. Jetzt muss sie auch zugeben, dass sie 4 Jahre älter ist als Jimmy ... wird sich trotzdem aus dem Flirt etwas Ernsthaftes ergeben?
Dieser Film wurde für seinen Witz und seine lakonischen Dialoge hoch gepriesen und gilt inzwischen als eine der "klassischen" Hongkonger Beziehungskomödien.

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ZHI QU WEI HU SHAN 智取威虎山 ("Taking Tiger Mountain")
Von Tsui Hark, China/Hongkong 2014. Mit Zhang Hanyu, Tony Ka Fai Leung, Kenny Lin. 135 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Wieder einmal ein Film, der in China Kassenrekorde gebrochen hat. Aber auch ein Film, den Chinesen offenbar ganz anders sehen als wir im Westen.
Für Chinesen ist schon der Titel elektrisierend. "Mit taktischem Geschick den Tigerberg erobert" war eine der Modellopern, die als "moderne Pekingopern" von der Mao-Gattin Jiang Qing propagiert wurden. Vorlage war der Roman Tracks in the Snowy Forest 林海雪原 von Qu Bo aus dem Jahr 1957. Die Geschichte spielt 1946, also in der Zeit des Bürgerkrieges. Ein verbrecherischer Banditenhauptmann (der "Hawk" genannt wird, weil er sich einen Falken hält) hat in den schneebedeckten Bergen eine Festung zum scheinbar uneinnehmbaren Hauptquartier für seine Banditentruppen ausgebaut. Ein Trupp von PLA-Soldaten will die Festung einnehmen. Dafür begibt sich Yang Zirong, einer ihrer Offiziere, in die Höhle des Löwen und wird zur rechten Hand des Schurkenbosses. Von innen heraus bereitet er den Angriff auf die Festung vor, der natürlich am Ende Erfolg hat.
Anklänge an US-amerikanische Vorbilder sind unübersehbar. Man sieht es bei den hyper-detaillierten (aber in keiner Weise der Wirklichkeit entsprechenden) Schießereien ebenso wie etwa bei der Figur des Banditenführers Hawk, der ein Bruder des finster-grotesken Joker in den Batman-Filmen sein könnte. Es gibt Abfahrten und Verfolgungsjagden a la James Bond, dazu Klettereien wie die an der großen Eiswand in "Game of Thrones". Wie üblich, treffen die bei den umfangreichen Kampfszenen massenhaft herumfliegenden Geschosse vorzugsweise die üblen Gegner, und von den Hauptfiguren lediglich eine Nebenfigur. Wie üblich ist auch die Schwarzweißmalerei des Films, mit strahlendstem Opfermut und Heldentum aller Männer, Frauen und Kinder auf der "richtigen" Seite, hingegen totaler Schurkerei, Niedertracht und Sadismus auf der "falschen". Dass der Film in China solchen Erfolg hatte, spricht nicht unbedingt für die kritische Kompetenz des chinesischen Filmpublikums, gar nicht zu reden von der dortigen Filmkritik.

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ZHI QU WEI HU SHAN 智取威虎山 ("Taking Tiger Mountain by Strategy")
Von Xie Tieli, China 1970. Nach der Modelloper von Jiang Qing und dem Roman von Qu Bo. Mit Tong Xiangling, Shen Jinbo und Hand Kuixi. 119 min, ohne Untertitel. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Bevor der gleichnamige von 2014 das Thema aufgriff, gab es diesen Vorläufer von 1970. Gedreht und gezeigt in einer Schreckenszeit, werden die Filme aus der Zeit der Kulturrevolution auch heute noch immer wieder im chinesischen Fernsehen gezeigt. Offenbar besteht bei der Wertschätzung solcher Werke zwischen Deutschland und China ein großer Unterschied. Uns Deutschen wird beim Anblick der Jubelästhetik in Werken wie Riefenstahls "Triumph des Willens" eher mulmig zumute. Hingegen fühlen viele Chinesen immer noch Rührung, wenn sie Filme aus der Kulturrevolution sehen. Das gilt ganz besonders für die Modelloper "Taking Tiger Mountain by Strategy" (zu der Jiang Qing persönlich einen Teil der Texte und der Lieder beigetragen hatte).
In Wahrheit war schon das bloße Faktum dieser "Modellopern" ein Akt des Schreckens, der einige Jahre lang in ganz China alle anderen Opern und Theaterstücke auslöschte. Und der Film, den Xie Tieli 1970 von dieser Oper drehte, wurde nur deshalb zum weltweit am häufigsten gesehenen Film, weil der Besuch obligatorisch war, während China im Terror der Kulturrevolution versank.
Wie aber, so muss man fragen, zeigt sich dessen Ästhetik in Filmen und Opern? Sicher nicht in der Darstellung der realen Brutalität. Nie hätte ein Film gezeigt, wie Rote Garden die Schuldirektorin Bian Zhongyun oder den Dichter Lao She zu Tode prügelten. O nein, sondern seinen ästhetischen Niederschlag fand der Schrecken in Modellopern und Modellfilmen wie diesem, mit ihrer Lobhudelei auf die Gewinner und der gnadenlosen Beschimpfung der Verlierer, die jeweils zu den gerade erklärten Feinden gehörten. So wie die meisten Chinesen nicht verstehen, was Kitsch ist, so fehlt ihnen auch offenbar das Gespür für verlogenes Heldentum und verlogene Schwarzweißmalerei. Dass beides bis heute das Geschichtsbild chinesischer Filmproduktionen dominiert, finden allerdings die meisten Chinesen normal. Das zeigen sogar neuere Filme von Zhang Yimou, oder auch der neue Film gleichen Namens von Tsui Hark aus dem Jahr 2014 (siehe oben).

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Zhi Yue Liang 纸月亮 Paper Moon, Malaysia 2013. Liebes-Drama von Stanley Law, mit Gordon Lam, Chrissie Chow, Tedd Chan, Rynn Lim. 107 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

陈天送(林家栋 饰)出生在一个贫困的家庭之中,却偏偏爱上了千金大小姐高诗琴,两人的地位和身 份悬殊是如此的巨大,注定了他们的感情不会受到祝福,亦不会有所结果。最终,两 人分道扬镳,在陈天送的心中留下了深深的遗憾和阴影,他只能借着制作风筝来纪念 这段逝去的爱情。
某日,陈天送遇见了名为高曼华的美丽女子,让陈天送感到十分意外的是,高曼华竟 然有着和高诗琴一模一样的样貌,这让陈天送无法自持的靠近她,但在内心中又充满 了深深的抗拒和纠葛。高曼华来到吉兰丹,为的是寻找曾经伤害过母亲的男人,而她 的母亲不是别人,正是高诗琴。
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Ob Regisseur Stanley Lam wohl die Geschichte 伤势 "Regret for the Past" von Lu Xun kannte? Oder den gleichnamigen Film von 1981? Denn auch in seinem Film (2013 auf dem Festival von Los Angeles preisgekrönt) geht es um das Scheitern einer Liebe, die glaubt, Konventionen und Klassen ignorieren zu können. Die Story spielt im chinesischen Bevölkerungsteil von Malaysia. Tiansong ist Kunsthandwerker in einem kleinen Ort am Meer. Mit der Herstellung traditioneller Drachen hält er sich und seine Lehrlinge mühsam über Wasser. Er lebt ohne Familie, ist wortkarg, oftmals schroff – da drängt sich plötzlich eine junge Frau in sein Leben. Sie ruft in ihm die schmerzhafte Erinnerung an seine Jugendliebe Shiqin zurück, deren Tod als spätere "Iron Lady" soeben in den Nachrichten gemeldet wird. In sie, die Tochter aus reichem Haus, war Tiansong in seiner Jugend verliebt gewesen. Unbekümmert war er mit ihr durchgebrannt, ihr ewige Liebe schwörend. Eine Zeitlang hatte die Liebe alles überwunden, doch dann wurde die Not immer drückender ... bis zur unausweichlichen Trennung. Nun erlebt er mit der jungen Frau die Phasen dieser Liebe in seiner Erinnerung noch einmal – und diesmal bis zum tragischen Ende.

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ZHONG GUO GU NIANG 中国姑娘 ("A Girl from China")
Von Guo Xiaolu, England/Frankreich 2009, 98 min. Mit Huang Lu und Wei Yibo. Deutsch ohne  UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Was bleibt, wenn Chinesen die Bindung an ihre Familie verlieren? Eine Mischung aus selbstbewusstem Egoismus, Pragmatismus und Einsamkeit. So auch in diesem Film, der den Weg einer jungen Chinesin nachzeichnet: vom Dorf in die Stadt, von der ländlichen Langeweile in die städtische Halbwelt, von China in den Westen, vom Mädchen zur werdenden Mutter. Ein sensibles, lakonisches, eindrucksvolles Porträt einer jungen Frau, bei der man eines fast nie sieht, was früher für Chinesen als typisch galt: Lächeln.
Dieser in Teilen autobiographische Film erhielt 2009 auf dem Filmfestival Locarno den Goldenen Leoparden. Bemerkenswert ist auch seine Regisseurin und Drehbuchautorin, die 1973 geborene Guo  Xiaolu. Sie studierte sowohl an der renommierten Pekinger Filmhochschule (wo sie allerdings keinen eigenen Spielfilm realisieren konnte) als auch an der Londoner Film- und Fernsehakademie. Daneben wurde sie auch mit Romanen bekannt wie “Stadt der Steine” und “A Concise Chinese-English Dictionary for Lovers”. Auf ihre weitere Entwicklung und weitere Produktionen darf man gespannt sein.

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ZHONG GUO HE HUO REN 中国合伙人 ("American Dreams in China")
Von Peter Chan, VR China 2013. Mit Huang Xiaoming, Deng Chao, Tong Dawei, Lu Duan. 105 min, Chinesisch OHNE Untertitel. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

2013 gehörte dieser Film in China nicht nur zu den erfolgreichsten des Jahres, sondern ebenso zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Dennoch fand er in Deutschland bisher kaum Aufmerksamkeit. Das ist erstaunlich, weil er in gewisser Weise ein Schlüsselfilm des neuen China ist. Denn der "chinesische Traum" ist heute im ganzen Land ein Schlüsselwort, vom kleinen Bauernjungen bis hoch zum Parteivorsitzenden und Staatspräsidenten Xi Jinping. Allerdings meinen beide Verschiedenes. Xi Jinping schwebt ein China vor, dessen Rolle ähnlich wie in der Tang-Dynastie die des kulturellen, wirtschaftlichen und politisch-militärischen Weltzentrums ist - eben, wie der Name sagt, das "Reich der Mitte". Für die anderen ist der Traum handfester: Geld, Luxus, Anerkennung, schöne Frauen. "Anerkennung" jedoch (und hier trifft sich der Traum der Kaufleute und Intellektuellen mit dem von Xi Jinping) ist hier durchaus international gemeint. Wenn heute wohlhabende Chinesen verreisen, dann erwarten sie sich überall Respekt und Anerkennung - besonders in dem einzigen Land der Welt, das China derzeit noch als gleichwertig akzeptiert: die USA.
Im Mittelpunkt des Films stehen die drei Freunde Cheng Dongqing (Huang Xiaoming), Meng Xiaojun (Deng Chao) und Wang Yang (Tong Dawei). Sie gehören zu jener Elite, die 1980 den Sprung auf die Universität schafft - damals ein Traum, den nur wenige verwirklichen konnten. Der Bauernsohn Cheng muss, nachdem er einmal durch die Prüfung gefallen ist, das ganze Dorf anbetteln, damit man ihn bis zur nochmaligen Aufnahmeprüfung unterstützt. Dann, gegen Ende des Studium, der nächste Traum. Wie damals fast alle, so träumen auch die drei von Amerika. Doch nur Meng schafft es, das begehrte Visum zu erhalten und den Flug in die USA antreten zu können. Dafür haben Cheng und Wang, die zurückbleiben, die Idee ihres Lebens: Was sie selber nicht geschafft haben, bieten sie anderen Studenten an, die denselben Traum träumen. Also erstens englische Sprackkurse. Zweitens die Vorbereitung auf das Interview im US-Konsulat, das als schwere Hürde vor der Erteilung eines Visums steht. Die Idee schlägt ein. Die beiden mieten ein leerstehendes Fabrikgebäude, in dem sie bald 2000 Studenten unterrichten und einen Haufen Geld verdienen.
Meng Xiaojun, der in den USA gescheitert ist, kehrt zurück, und zu dritt sind sie noch erfolgreicher. Doch nun, da sie reich sind, beginnen die Probleme. Cheng, der Chef des Unternehmens, ist den andern zu vorsichtig. Sie zerstreiten sich - und raufen sich wieder zusammen. Als größtes Lehrunternehmen auf dem chinesischen Markt wollen sie sich als gleichberechtigte Partner in den USA etablieren. Zuerst nimmt man sie dort nicht ernst. Dann wirft man ihnen Betrug und Verletzung von Urheberrechten vor. Doch die drei zeigen, dass sie sich nicht nur in der Sprache auskennen, sondern auch in Rechtsfragen. Ihre amerikanischen Partner werden kleinlaut und müssen ihnen zugestehen, dass die Vorwürfe haltlos waren. Dies der nächste Traum, der sich in diesem Film erfüllt: sich nicht immer wieder von den Westlern geistigen Diebstahl vorwerfen zu lassen, sondern diese auf ihrem eigenen Terrain in die Schranken zu weisen.
Kein Wunder, dass die chinesischen Zuschauer begeistert waren. Dies vielleicht auch deshalb, weil der Film unter der Hand einen weiteren Traum Wirklichkeit werden ließ - nämlich den von echter Freundschaft unter Männern, die sogar in der Zeit von Erfolg und Reichtum anhält. Die Kritik in China störte sich auch nicht daran, dass dies im Grunde ein reiner Männerfilm ist, in dem die Frauen kaum mehr sind als Anhängsel der Männer. Die überwiegend jüngeren Zuschauer merkten auch nicht, dass der aus Hongkong stammende Regisseur Peter Chan einen der drei (nämlich Wang Yang) 1980 mit schulterlangem Haar an die Uni ließ, das man ihm in Wahrheit schon am ersten Tag abgeschnitten hätte. Sie merkten auch nicht, was meine Ohren als Deutscher - um wieviel mehr erst die Ohren von Engländern oder Amerikanern - schmerzen ließ: Alle drei sprechen im Film immer wieder Englisch, aber mit einem unerträglichen Akzent. In diesem miserablen Englisch (gesprochen von Leuten, die doch im Film ihr Geld mit Englischunterricht verdienen!) zeigt sich etwas, das nicht nur die ganze neuere chinesische Filmgeschichte durchzieht, sondern auch wie ein kollektives Psychosyndrom die gesamte chinesische Gesellschaft: eine allgemeine Tendenz zur Selbstüberschätzung.
Was das für die Politik bedeutet, wird sich erst in den nächsten Jahrzehnten herausstellen: dann nämlich, wenn die Generation der verwöhnten Einzelkinder in China an den Schaltstellen der Macht sitzen wird. - Schade nur, dass dieser eminent wichtige Film keine englischen Untertitel hat.

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Zhong Hua Nü Er  中华女儿 ("Daughters of China")
Widerstands-Drama von Ling Zifeng, China 1949. Mit Zhang Zheng und Yue Shen. 85 min, Schwarzweiß, Chinesisch mit PC-generierten englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

1932 hatte Japan Chinas Nordosten besetzt und den Marionettenstaat "Mandschukuo" etabliert, also das "Mandschu-Reich" (bzw., mit Pu Yi als nominellem Staatsoberhaupt, sogar das "Mandschu-Kaiserreich"). Als Japan 1945 kapitulierte, ließ Stalin die Rote Armee einmarschieren; anschließend übergab er die japanischen Waffen und die Mandschukuo-Armee an Mao Zedong. Von da an dienten alle Medien der Propaganda, auch der hier zu besichtigende Film.
Wie üblich rückt er die Rolle der vorher bedeutungslosen KP in den Mittelpunkt, willkommen geheißen und selbstlos unterstützt von den Bauern, getragen von opferbereiten Verbänden heldenhafter Untergrundkämpfer, darunter auch wie hier Verbände von Frauen, die am Ende den Sieg erringen. Betrachtet man solche Filme in dialektischer Einheit mit Machern, Machthabern und Publikum, so bestätigt sich eine Grundregel der Propaganda: Meist sind es Sklavenseelen, die sich Heldengeschichten ausdenken.

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Zhuang Zhi Ling Yun 壮志凌云 ("The Pioneers"), China 1936. Von Wu Yonggang 吴永刚, mit Jin Yan 金焰, Wang Renmei 王人美, Tian Fang 田方. Schwarzweiß, 94 min, Chinesisch mit PC-generierten englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

农民老王带着女儿黑妞儿和孤儿顺儿逃难,与众人一起在边省建立了美丽的家园太平 村。金秋时节,强盗进犯,村民们选举壮实的顺儿为抗敌领袖。青年农民田德厚喜欢 黑妞儿,但因黑妞儿与顺儿自小便极要好,遂对顺儿心存芥蒂。混进村的奸细企图从 中挑拨,德厚将计就计找到敌人埋藏武器的地点。奸细见阴谋败露欲下毒手,顺儿带 村人将其擒下,德厚与顺儿前嫌尽释。敌人开始猛攻村庄,德厚与黑妞儿英勇牺牲, 村民们在顺儿的带领下继续战斗...

1934 gelang dem Regisseur Wu Yonggang (damals gerade erst 26 Jahre alt) aus dem Nichts ein Meisterwerk: Sein Erstling "Goddess" (Shen Nü, 神女, mit der unvergleichlichen Ruan Lingyu in der Hauptrolle) wurde der wohl größte aller chinesischen Stummfilme. 1936, als Wu Yonggang "The Pioneers" drehte, musste er ohne Ruan Lingyu auskommen, denn die war 1935 im Alter von 25 Jahren aus dem Leben gegangen. Doch auch dies ist ein Film über Mut und Selbstbestimmung. Eine Gruppe Bauern, darunter der alte Wang mit seiner Tochter Tieniu, zieht nach einer Überschwemmung ihres Gebietes nach Peking. Unterwegs nimmt sich der Bauer des kleinen Shun'er an, dessen Mutter am Wegrand gestorben ist. Nach einer Weile in Peking ziehen die Bauern in die Nähe der Grenze, wo sie sich ein neues Dorf aufbauen. Der Film zeigt das Dorfleben samt seiner Arbeit, seinem Alltag, seinen kleinen Intrigen – und natürlich auch mit den Bemühungen, Tieniu und Shun'er zu verheiraten.
Doch dann wird diese kleine Welt von Banditen bedroht, die ein Dorf nach dem andern angreifen und sich das Land aneignen. Einige Bauern sind für Flucht, andere wollen sich ergeben. Doch diejenigen, die kämpfen wollen, sind in der Überzahl. Durch einen Überfall kommen sie an Waffen. Als der Kampf sich zu ihren Ungunsten neigt, bitten sie die Bewaffneten eines Nachbardorfes um Hilfe. Diese helfen tatsächlich, und mit vereinten Kräften werden die Angreifer zurückgeschlagen.
Eigentlich müsste dieser Film über den Freiheitskampf eines Dorfes in der chinesischen Filmgeschichte einen Ehrenplatz haben ... hat er aber nicht. Kaum jemand kennt ihn, in China wie im Westen. Der Grund dafür ist unklar. Es wird behauptet, der Film habe ursprünglich den Kampf eines Dorfes gegen japanische Invasoren zeigen sollen, wogegen die Guomindang-Filmbehörde Einspruch erhoben habe. Allerdings gab es 1935 außerhalb des Marionettenstaates "Mandschurei" gar keine Invasion Chinas in der Fläche. Und warum hätte die Guomindang es besser finden sollen, wenn Bauern statt gegen Japaner gegen chinesische Räuber gekämpft hätten? Fest steht nur, dass der Freiheitskampf in diesem Film ohne Hilfe der KP oder gar der Roten Armee stattfindet – beide werden nicht einmal erwähnt!

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Zhui Long 追龙 ("Chasing the Dragon"), Hongkong 2017. Actionfilm von Wong Jing 王晶 und Jason Kwan 关智耀, mit Andy Lau 刘德华und Donnie Yen 甄子丹. 125 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

《暴雪将至》是由世纪百年影业等公司出品的犯罪悬疑片,由董越执导,段奕宏、江一燕、杜源 、郑伟主演。影片于2017年10月29日在第30届东京国际电影节上首映,2017年11月17 日在中国上映。1997年南方某个小城,天气预报中一场百年不遇的暴雪即将侵袭此地 ,人心惶惶时骤然发生了一起残忍的连环杀人案。一心想进入体制内的保卫科干事余 国伟(段奕宏饰)渴望借此机会,一展自己颇为得意的“神探”技能,并破格进入体 制内成为真正的警察及模范。面对“探案”欲望与燕子(江一燕饰)的感情,余神探 越陷越深,付出的代价也越来越大。然而宿命因果,万事皆有定数 。。。

Andy Lau und Donnie Yen im Hongkonger Unterwelt- und Triaden-Milieu – halb Partner, halb Gegenspieler. Genauer gesagt, erst das erste, dann das zweite, doch bis zuletzt mit gegenseitigem Respekt. Das Ganze spielt in den Jahren nach 1963. Auf der einen Seite steht der furchtlose Kämpfer Ho (Donnie Yen), der gerade illegal nach Hongkong gekommen ist, und dessen Geschichte angeblich auf der realen Figur des Gangsters Ng Sek-ho beruht. Auf der anderen Seite steht ein Polizeiinspektor, der schon aus früheren Filmen bekannt ist: Lee Rock, gespielt von Andy Lau. Und während Ho sich im Triaden-Milieu zum Drogenbaron hochkämpft, steigt auch Lee Rock in der Polizeihierarchie immer höher. Eine Zeitlang unterstützen sie sich gegenseitig, denn beide haben dasselbe Interesse: Die Geschäfte (auch die finsteren) sollen laufen, doch ohne Blut und Krawalle. Das geht so lange gut, bis die Briten eine Neuaufteilung verlangen. Es kommt zum Kampf, bei dem auch Lee Rock nicht neutral bleiben kann.
Über die Realität Hongkongs nach 1963 erfährt man dem Genre gemäß gar nichts, auch nicht über das Hongkong der Gegenwart. In der Realität trauern heute viele Hongkonger der Zeit unter den Briten nach, einschließlich der verschenkten Chancen echter Demokratisierung vor 1997. Doch im Film werden die britischen Beamten und Polizisten als korrupte und brutale Idioten dargestellt – während die chinesischen Protagonisten ebenso verlässlich wie tapfer sind. Das muss wohl so sein: Je mehr sich die Filmemacher aus Angst vor Partei und Zensur in die Hosen machen, desto mehr überschlagen sich ihre erdachten Filmfiguren vor Heldenmut.

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ZI SHU  自梳 ("Intimates")
Beziehungsdrama von Zhang Zhiliang (= Jacob Cheung), Hongkong 1997. Mit Carina Lau, Charlie Yeung, Ah Lei Gua, Winston Chao. 115 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der Film spielt in zwei Ebenen und erzählt zwei Geschichten. Die eine spielt im Hongkong der 90er Jahre und erzählt die Liebesgeschichte der jungen Architektin Wai mit einem Mann, der sich am Ende für eine andere entscheidet. Zwischendurch soll sie ihre Tante Foon betreuen, die nach Hongkong kommt, um sich mit jemand zu treffen. Von ihr weiß die Architektin nur, dass sie unverheiratet und kinderlos ist; also hält sie die alte Dame erst einmal für eine unbedarfte Jungfer, die von Leben und Liebe keine Ahnung hat. Aber dann zeigt sich, dass Foon von beidem weit mehr weiß als die junge Architektin - und die Geschichte von Foon und ihrer lebenslangen Freundin Wan rückt nun in den Mittelpunkt.
Diese Handlung spielt in den 30er Jahren. Sie beginnt damit, dass die Edelprostituierte Wan die junge Foon rettet, als diese zu einer arrangierten Ehe gezwungen werden soll. Foon wird Arbeiterin in einer Seidenfabrik. Hier trifft sie Wan wieder, die gerade die achte Nebenfrau des Fabrikbesitzers geworden ist. Inzwischen ist Foon Mitglied einer "Zi-Shu"-Gruppe (wörtlich "Selber kämmen"): eine Gemeinschaft von Frauen, die lebenslange Ehelosigkeit und Abstinenz geloben. Doch als Foon ihren alten Freund Shing aus der Kinderzeit wiedersieht, schläft sie mit ihm und wird schwanger. Eine von ihr selbst durchgeführte Abtreibung kostet sie fast das Leben, und erneut wird sie von Wan gerettet. Als dann die Japaner die Stadt angreifen, hat Wan die Möglichkeit, sich auf dem letzten Schiff in Sicherheit zu bringen. Doch sie entscheidet sich für die Freundin. So schildert der Film sowohl die wilde chinesische Republikzeit als auch die tiefe Liebe zwischen zwei Frauen.
P.S. Denkt man an die Folgen der Tiananmen-Ereignisse für Moral und Geistesleben in China, so wird schmerzhaft klar, warum die Republikzeit für Chinas Regisseure so attraktiv ist: Bei der Darstellung von Problemen und Konflikten dieser Zeit MÜSSEN SIE NICHT LÜGEN. Anders die Filme, die in der Gegenwart spielen. Welcher chinesische Regisseur hat es nach 1989 noch gewagt, die Arbeit von Parteiführung und Behörden kritisch zu beleuchten? Wer wagt öffentlich zu fragen, warum die Familien der höchsten Staats- und Parteiführer durchweg über Milliardenvermögen verfügen? Niemand. Diese Angst (die z.B. auch die  internationalen Konfuzius-Institute kennzeichnet) umhüllt Chinas Geistesleben mit einem dumpfen Nebel, der nur schwer zu durchdringen ist.

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