Chinaclub Berlin

柏林中国俱乐部 / 中国电影俱乐部

Im Kulturladen Cranachstraße 1 (am S-Bahnhof Friedenau), residieren der Chinaclub Berlin* und der Chinesische Filmclub. Hier treffen sich jeden 1. und 3. Freitag im Monat Chinesen, Deutsche und Gäste aller Länder, die sich für China und Ostasien interessieren.

*: Chinaclub für alle,  nicht der “Adlon China Club”  für Millionäre
 

Freitag, 19. Juli 2019, 19:00 Uhr:

"Seventy Seven Days" 七十七天 -

3 Filme in 3 Räumen

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1) "Seventy Seven Days" 七十七天, China 2017
2)
"2046", Hongkong 2004
3) Kinderfilm

Ab 18 Uhr:
Xiangqi 象棋 (Chinaschach), Tischtennis, Kicker, Billard.

Spiele

19:00 Uhr, Kleiner Raum
Kinderfilm

19:00 Uhr, Vorderer Raum

"Seventy Seven Days" 七十七天, China 2017.
Expeditions-Drama von Zhao Hantang 赵汉唐, mit Zhao Hantang 赵汉唐und Jiang Yiyan江一燕. 115 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

电影《七十七天》是以探险作家杨柳松77天孤身穿越羌塘无人区的真实事迹为蓝本创作。 电影中,在生活里迷失了自我的男主徘徊在雪域高原独闯无人区,影片女主身体残疾仍然乐 观面对生活,她让他坚定了去尝试世人眼里无法完成的无人区奇幻探险之旅……两个非常状 态下的真实人物,真诚、勇敢的面对命运选择挑战,不懈的追寻着内心最初的梦想与真正的 自我... 影片在节奏、画面、张力上会给观众强烈的视觉冲击, 让观众跟随主人公经历 一场无与伦比的探险之旅。

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Was könnte für einen jungen Shanghaier der größte vorstellbare Gegensatz zu seinem normalen Leben sein? Nun, zum Beispiel dies: Allein auf dem Fahrrad das tibetische Hochland Qiangtang zu durchqueren: ein menschenleeres Gebiet mit einer Durchschnittshöhe um die 5.000 Meter, also höher als der Gipfel des Montblanc. Extremes Klima, spärliche Vegetation, eine Sauerstoffsättigung um 40 Prozent, und das über eine Strecke von 1400 Kilometern. Yang Liusong, ein Shanghaier Autor und Abenteurer, unternahm diese wahnwitzige Tour 2010. Darüber schrieb er ein erfolgreiches Buch, und auf diesem beruht der Film.
Er ist das Regie-Debüt von Zhao Haotang, der auch die Hauptrolle spielt. Es gelang ihm, einen berühmten Kameramann zu gewinnen, nämlich den Taiwaner Lee Ping-bin. Ergebnis sind spektakuläre Bilder, die man so noch nie gesehen hat; schon als bloße Dokumentation wäre das sehenswert. Doch ein Spielfilm braucht auch eine Handlung, und die wird zum großen Teil in Rückblenden gezeigt. Natürlich erklären zunächst alle den Abenteurer für verrückt, wenn nicht für selbstmörderisch. Das gilt besonders für den einzigen echten Ratgeber, den Yang Liusong findet: ein ehemaliger Armee-Captain, der das Hochland in den 60er-Jahren zusammen mit Kameraden unter schwersten Strapazen und Opfern durchquert hat. Nur eine querschnittsgelähmte Nachbarin des Captains ermutigt den Abenteurer. Auch sie selber hat Ziele, die allen anderen unbegreiflich scheinen: Obwohl im Rollstuhl sitzend, träumt sie davon, den Mt. Everest zu sehen. Mit ihr freundet sich Yang an. Sie bringt ihn schließlich auch mit dem Auto zum Ausgangspunkt seiner Reise.

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Tatsächlich tritt all das ein, wovor der Captain den Abenteurer gewarnt hat. Kälte und Sauerstoffmangel bringen Yang an seine Grenzen, Wölfe bedrängen ihn, nur knapp entkommt er einem aggressiven Yak-Bullen – stets inmitten traumhafter Bilder einer ebenso berückenden wie menschenfeindlichen Landschaft, zu deren Darstellung die Kameraführung natürlich wesentlich beiträgt. Doch gerade das ist für das Mitempfinden einer existenziellen Lebenserfahrung, die da gezeigt wird, gelegentlich problematisch: Die gekonnten, gelegentlich auch ausgefallenen Kameraeinstellungen (z.B. der Blick aus der Perspektive von Erdhörnchen) erinnern immer wieder daran, dass hier ja mindestens der Kameramann zusieht und Yang nicht wirklich allein ist. Auch dass der Held, als er im Zelt liegend von zwei Wölfen angegriffen wird, völlig unvorbereitet scheint und statt zum Messer zu einem kleinen Kochtopf greift, kann man sich nur damit erklären, dass hier dressierte Wölfe mitspielten, die nicht verletzt werden durften. Dramaturgisch gibt es also einige Vorbehalte. Doch als Darstellung menschlicher Grenzerfahrungen inmitten einer unerhörten Landschaft ist der Film einmalig – und war in China mit Recht auch kommerziell ein Erfolg.

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Ebenfalls 19:00 Uhr, mittlerer Raum:

"2046" von Wong Kar-wai 王家卫, Hongkong 2004.
Beziehungs-Drama mit Tony Leung Chiu-wai 梁朝伟, Zhang Zhiyi 章子怡,  Gong Li 巩俐, Faye Wong 王菲, Mucun Tazai 木村拓哉. 125 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 16 Jahre

1966年,周慕云回到了香港,重新面对被他埋首了的过去。他遇上不同的女人,但经历过情 感的创伤使他的心变得麻木。他封锁了内心无数被遗忘的记忆,不让任何人接近。为了生活 ,他成为色情小说作家。机缘之下,他搬进了2047号房间,开始动笔撰写一部名为《2046》的小说。小说中只要搭上了前往2046的列车,人们就可以找回失去的记忆。没有人知道这 是否事实,因为从来没有人可以离开2046。一直到了西元2046年,那班神秘列车依旧定期的 开往2046 …

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Seit kurzem ist Gong Li, inzwischen 53, mit dem 70-jährigen Komponisten Jean-Michel Jarre verheiratet. Was wird sie, als Chinesin in Paris, künftig für Rollen finden, auf der Leinwand und im Leben?
Wie auch immer, ihre Rolle in "2046" ist eine von vielen Huldigungen an Chinas große Schauspielerin. Als "schwarze Witwe" Su Li-zhen ist ihr Auftritt nur kurz, aber wichtig, denn die Begegnung mit ihr steht sowohl am Anfang wie am Ende des Films. Und wie alle Beziehungen bei Wong Kar-wai ist auch diese unerfüllt und geheimnisvoll, von Erinnerung und unausgesprochener Sehnsucht überschattet.

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"2046" knüpft an seinen Vorgänger "In the Mood for Love" 花样年华 aus dem Jahr 2000 an. Zeit und Ort der Handlung sind auch hier das Hongkong der späten 60er Jahre, immer wieder mit Abstechern nach Singapore. Männlicher Hauptdarsteller ist wie zuvor der melancholische Tony Leung Chiu-wai, und er verkörpert dieselbe Person: den ziellos dahintreibenden Schriftsteller Chow Mo-wan, der Schnellschüsse für ein zweitrangiges Blatt verfasst und daneben an einem Science-fiction-Roman arbeitet. Dessen Titel "2046" ist ursprünglich die Zimmernummer des heruntergekommenen Hotels, in dem Chow einmal eine Beziehung hatte, und wo er jetzt gegenüber im Zimmer 2047 wohnt. Doch im Roman ist 2046 ein imaginärer Ort der Lust und des Verlangens, in dem die Personen um Chow als Androiden auftreten, und von dem außer einem jungen Japaner noch nie jemand zurückgekehrt ist.
Wie alle Filme von Wong Kar-wai scheint auch dieser eine Illustration des Aragon-Gedichtes Il n'y a pas d'amour heureux” zu sein ("Es gibt keine glückliche Liebe"). Die Beziehungen von Chow, die der Film erzählt, sind wie die zu Bai Ling (Zhang Zhiyi) geprägt vom Wechsel zwischen Anziehung und Bindungsangst.

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Oder es bleibt, wie bei der ätherischen Wang Jing (Faye Wong), alles auf der Ebene emotional aufgeladener Kameradschaftlichkeit.

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Über diesem Gewirr von gespielter Gleichgültigkeit, Verführung und Hingabe schwebt stets das unausgesprochene "Liebst du mich?" Doch wo immer die Frage ausgesprochen wird, bleibt sie ohne Antwort oder wird verneint.
Allerdings ist wie stets bei Wong Kar-wai die Handlung nur ein Teil des Zaubers seiner Filme. Ebenso wichtig ist die melancholische Atmosphäre, in der die Sehnsucht nach möglicher Liebe stets überlagert ist von Erinnerung an alte und Wehmut über verlorene Liebe. Zu dieser Atmosphäre gehört, dass es im ganzen Film kein Tageslicht gibt. Die Figuren scheinen nur nachts zu leben: im Hotel, in Clubs, auf Feiern, in nächtlicher Umarmung.

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All das wird vollendet durch Wong Kar-wais unvergleichliches Gefühl für die jeweils passende, leitmotivisch eingesetzte Musik. Eines dieser Musikstücke ist eine Callas-Arie aus Bellinis Oper "Norma". Doch wer von den Zuschauern – zumal der chinesischen – bekommt wohl mit, was neben der Musik auch Titel und Inhalt der Arie bedeuten? "Casta Diva" heißt "keusche Göttin" – jenes Frauenideal, das nur in sehnsuchtsvoller Anbetung existieren kann, doch nie in einer gelebten Beziehung. Bleibt zu hoffen, dass Jean-Michel Jarre sich bei Gong Li anderes ersehnte.

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Danach wie immer:
Gespräche, Musik, Tischtennis, Spiele,
卡拉-OK

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Ansonsten: Der Chinaclub Berlin bietet jeden 1. und 3. Freitag im Monat Filme aus China und anderen Ländern Asiens, außerdem Themenabende zu politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragen.

E I N T R I T T    F R E I  !

Tee, Snacks, Süßes:                       3 Euro
für Studenten & Arbeitslose:        1,50 Euro
für chinesische Gäste:                   5 Renminbi/Gangbi / 20 Taiwan-D

 

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