Chinaclub Berlin

柏林中国俱乐部 / 中国电影俱乐部

Im Kulturladen Cranachstraße 1 (am S-Bahnhof Friedenau), residieren der Chinaclub Berlin* und der Chinesische Filmclub. Hier treffen sich jeden 1. und 3. Freitag im Monat Chinesen, Deutsche und Gäste aller Länder, die sich für China und Ostasien interessieren.

*: Chinaclub für alle,  nicht der “Adlon China Club”  für Millionäre
 

Freitag, 20. September 2019:

"Destiny" 喜禾 - 3 Filme in 3 Räumen

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1) "Destiny" 喜禾, China 2016
2)
"In That Distant Place" 在那遥远的地方, China 1993
3)
Kinderfilm

Ab 18 Uhr:
Xiangqi 象棋 (Chinaschach), Tischtennis, Kicker, Billard.

Spiele

19:00 Uhr, Kleiner Raum
Kinderfilm

19:00 Uhr, Vorderer Raum

"Destiny" 喜禾, China 2016. Drama von Zhang Wei 张唯, mit Zhao Ju 赵炬, Huang Jingyi 黄精一, Feng Wei 冯钧. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

《喜禾》为深圳市华浩影视有限公司2016年出品的现实主义题材电影,由张唯执导。 [1]  《喜禾》讲述了一个被诊断为自闭症的9岁儿童喜禾在母亲田琳的坚持下到普通学校上学的故事。同 学们和家长们对喜禾的情况和他的间歇性发作感觉越来越恐惧,家长们要求校方开除喜禾, 送他去特殊学校。尽管如此,田琳拒绝妥协,喜禾得以第四次被留在学校,和同学们一起学 习,直至局面变得无法控制。在这部感人至深的电影里,我们最终了解为什么田琳执意要让 喜禾尽可能地像正常的孩子一样被养育,我们也见证了一个偏执母性背后的挣扎

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Der Film spielt in Shenzhen. Er zeigt die Probleme einer Familie mit einem autistischen Kind. Tian Lin, die Mutter des 8-jährigen Xihe, will ihr autistisches Kind nicht in einem Heim wegsperren. Mit allen Kräften versucht sie, ihm einen normalen Schulbesuch zu ermöglichen. Immer wieder weist sie darauf hin, dass es sich bei ihrem Sohn nur um einen "milden Autismus" handele. Doch in der Vorgeschichte des Films musste der Junge immer wieder Schulen verlassen, weil er in bestimmten Situationen aggressiv reagiert hatte. Die Schule, die er jetzt besucht, ist der letzte Versuch. Doch obwohl die Schulleitung sich Mühe gibt, kann sie sich gegen die immer energischer agierende Front besorgter Eltern nicht durchsetzen.

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Da Xihe unbedingt jeden Morgen mit der U-Bahn zu Schule fahren will, gibt die Mutter ihren Job auf und unterrichtet ihn selber in einer U-Bahn-Station. Das wird gefilmt und ins Internet gestellt – worauf der Fall plötzlich im Licht sensationshungriger Medien steht. Das führt im Film zwar zu dem Aufruf, autistischen Kindern eine Chance zu geben. Doch eine Lösung findet sich nicht einmal hier, inmitten einer scheinbar gutwilligen Medien-Umgebung.

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Wie vieles andere aus dem Westen ist in China zwar der Begriff "Psychologie" verbreitet, nicht aber deren Verständnis. Das zeigt sich z.B. in TCM-Büchern, wo "Depression" unmittelbar neben "Wahnsinn" steht. Es zeigt sich auch an inadäquaten Übersetzungen wie 神经官能症 (wörtlich "organisches Nervenleiden") für "Neurose", oder wenn etwa "Psychose" nicht nur als 精神病 ("Geisteskrankheit") übersetzt wird, sondern sogar als 神经变态 ("Geistes-Perversion"). Kein Wunder, dass die Unklarheit beim Spektrum der Autismus-assoziierten Syndrome noch viel größer ist. Auch im Film ist da ein Widerspruch: Im ersten Teil sagt der Mann zu seiner Frau: "Autismus ist nicht erblich, also sollten wir noch ein Kind haben". Doch im zweiten Teil wird erläutert, warum die Mutter so energisch versucht, Xihe ein normales Leben zu ermöglichen: Als sie mit Mann und Sohn ihr Heimatdorf und ihre alte Mutter besucht, sehen sie dort ihren älteren Bruder, der als "Wahnsinniger" in einem Käfig eingesperrt ist. Also doch erblich?
Doch auch in der Stadt ist aus westlicher Sicht einiges erstaunlich. Außer in besagtem Dialog machen die Eltern weder untereinander noch im Gespräch mit Ärzten einen Versuch, das Wesen des Autismus zu verstehen. Es gibt auch abgesehen vom Schulbesuch keine Versuche, die Situation zu verbessern. Methoden wie Ergotherapie oder Psychotherapie werden nicht einmal erwähnt, geschweige denn versucht (unabhängig davon, dass die Eltern beides mit Sicherheit selber bezahlen müssten). Auch Selbsthilfegruppen scheint es nicht zu geben. So wirken die verzweifelten Versuche der Mutter, die "Bestimmung" ("Destiny") von Xihe zum Positiven zu wenden, nahezu ausweglos – obwohl der Film darauf hinweist, dass ca. 1 Prozent aller Kinder in China an Autismus leiden
Doch so schlimm das auch klingt: unterm Strich ist dieser Film noch geradezu schönfärberisch. Behörden und Schulleitung sind im Prinzip wohlwollend. Die Familie hat ein Auto und genug Geld. Der Autismus von Xihe ist in der Tat "mild": Der Junge spricht und reagiert; aggressiv wird er nur dann, wenn seine Bedürfnisse ignoriert werden. Und das Wichtigste: Der Ehemann steht fest zu seiner Frau und dem autistischen Sohn.
Eine andere Realität zeigt immer noch unübertroffen ein Film, der jetzt schon fast 30 Jahre alt ist: nämlich "Mama 妈妈" von 1990, der Erstlingsfilm von Zhang Yuan. Dongdong, das autistische Kind in diesem Film, ist schweigend destruktiv, auch sich selber und seiner Mutter gegenüber. So geht erst der Mann weg, dann verliert die Frau die Arbeit, zuletzt den Lebensmut ... wenn Interesse besteht, werden wir auch "Mama" bei Gelegenheit im Chinaclub zeigen.
Doch auch so ist "Destiny" angesichts der tiefen Problematik, die der Film schildert, unbedingt sehenswert.

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Ebenfalls 19:00 Uhr, mittlerer Raum:

"In That Distant Place" 在那遥远的地方, China 1993. Drama/Romanze von Teng Wenji 滕文骥, mit Zhang Hongliang 张洪量, Chen Hong 陈红, Hu Jin胡锦.  90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

故事发生在20世纪30~40年代,家住北平的青年音乐家黄钟(张洪量 饰)与出身优渥、楚楚动人但命运多舛的大户人家小姐江雪(陈红 饰)相知相恋。江雪因病无法站立,为此痛苦不堪。江雪的父母包办婚姻,打算将女儿嫁给 门当户对的方少爷。倔强的女孩抵死不从,在过门当天,江雪在黄钟的帮助下私奔逃到了西 北。蛮荒恶劣的环境,让二人遭遇前所未有的磨难,却也在舟车劳顿之外使江雪重新站立起 来。他们且行且走,流浪到了达坂城,出于义气帮助了新娘被抢走的买买提,谁知将自己置 身于危难的境地。黄钟险些因此丧命,危机时刻多亏美丽的藏族姑娘卓玛出手相救。
  身处乱世,几对男女的爱情故事如是上演……。

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Gibt es jemand in China, dessen Rolle mit der von Woody Guthrie (1912-1967) und Pete Seeger (1919-2014) in den USA vergleichbar wäre? Also ein Sammler und Sänger von Volksliedern, der gleichzeitig eigene Songs schrieb? Ja, es gibt ihn. Allerdings ist es nicht der berühmte Nie Er (聂耳, 1912-1935), der Chinas Nationalhymne komponierte und als 23-Jähriger in Japan beim Baden ertrank. Vergleichbar als Liedsammler, Sänger und Songwriter war vielmehr Wang Luobin (王洛宾, 1913-1996). Er kam ein Jahr nach Nie Er und Woodie Guthrie zur Welt, und er sammelte und schrieb über 700 Lieder – sicherlich der bedeutendste Sammler von Liedern aus Xinjiang und Tibet, den man denn auch "Vater des Volksliedes in China Nordwesten" nannte (西北民歌之父). Zu seinen berühmtesten Lieder gehören "Alamuhan 阿拉木汗" und "Zai Na Yaoyuande Difang 在那遥远的地方 (In that Distant Place)".

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Letzteres Lied ist auch der Titel des Filmklassikers von Teng Wenji. Der Film spielt in der Republikzeit. Allerdings heißt der Sänger und Liedsammler im Film Huang Zhong. Bei einem Vortrag lernt er die schöne Jiangxue kennen, deren Beine nach einem Unfall gelähmt sind. Als sie an einen reichen Mann verheiratet werden soll, entführt sie Huang Zhong mit Hilfe seiner Freunde. Von nun an begleitet sie ihn auf seiner Reise durch die Grenzregionen von Xinjiang und Tibet. Ein Überfall von Räubern bewirkt einen Schock, der die Lähmung von Jiangxue heilt. Doch beide können ihr Glück nur kurz genießen. Als sie sich beim Stadtoberhaupt für einen Freund einsetzen, wird Jiangxue festgehalten. Huang Zhong wird zusammengeschlagen und halbtot an einem See abgelegt. Tibetische Hirten retten ihn und nehmen ihn auf. Ein Mädchen verliebt sich in ihn, doch er bleibt Jiangxue treu, bis sie sich tatsächlich wiederfinden.

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Andere Seiten blendet der Film aus. Es gibt nämlich ernstzunehmende Zweifel, ob Wang Luobin wirklich alle Lieder, die als seine Eigenschöpfungen gelten, tatsächlich selber verfasste, oder ob er sich nicht zumindest einige davon ohne Angabe der Quelle angeeignet hat. 1994 hieß es in einem Beitrag in der Wūlǔmùqí wǎnbào 乌鲁木齐晚报 "Song Thief Wang Luobin, Stop Stealing!" Wie in allem, was in China mit Geschichte zusammenhängt, sind in der offiziellen Version vermutlich Wahrheit und Lüge untrennbar vermischt. Der Film von Altmeister Teng Wenji, einem der wichtigsten Regisseure der "4. Generation", zeigt mit der Darstellung von Liedern, Tänzen und Feiern in Chinas Nordwesten eine äußerlich rauhe, doch im Kern romantische Darstellung der Geschichte.

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Danach wie immer:
Gespräche, Musik, Tischtennis, Spiele,
卡拉-OK

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Ansonsten: Der Chinaclub Berlin bietet jeden 1. und 3. Freitag im Monat Filme aus China und anderen Ländern Asiens, außerdem Themenabende zu politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragen.

E I N T R I T T    F R E I  !

Tee, Snacks, Süßes:                       3 Euro
für Studenten & Arbeitslose:        1,50 Euro
für chinesische Gäste:                   5 Renminbi/Gangbi / 20 Taiwan-D

 

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